Olympia
Simon Grotelüschen sagt Tschüss

Laser-As Simon Grotelüschen beendet seine olympische Segelkarriere. Doch der 25-Jährige lässt sich ein Hintertürchen zum Comeback offen

  • Tatjana Pokorny
 • Publiziert am 16.09.2012

Marina Könitzer Simon Grotelüschen vor großem Publikum bei der Olympia-Regatta vor Weymouth

Nach 17 Jahren Segelsport und Platz sechs bei der olympischen Regatta vor Weymouth beendet Laser-As Simon Grotelüschen überraschend seine olympische Segelkarriere. Zu den sportlichen Höhepunkten zählten der spektakuläre Kieler-Woche-Sieg 2011 im Duell mit seinem nationalen Gegner und Sparring-Partner Philipp Buhl, der vierte Platz bei der Weltmeisterschaft vor Perth, der Weltcup-Sieg bei der Regatta Princesa Sofia 2012 und der finale Höhepunkt bei den Olympischen Spielen. "Ich lebte für den Sport, genoss den Wettkampf und verlor nie die Leidenschaft am Segeln."

Marina Könitzer Simon Grotelüschen in Angriffsmodus

Drei Trainern sprach Grotelüschen besonderen Dank aus: Uwe Schimanski vom Lübecker Yacht-Club, Thomas Rein als ehemaligem Landestrainer vom Segler-Verband Schleswig Holstein und seinem aktuellen Trainer Thomas Piesker, "ohne den ich den Sprung an die Weltspitze wohl nicht geschafft hätte".

Vorerst macht der 25-Jährige Schluss, will dem Abschluss seines Medizinstudiums und einem "normalen" Leben Vorrang einräumen: "Die letzten Jahre kosteten mich enorm viel Energie. Immer wieder bin ich sowohl an das körperliche als auch an das mentale Limit gegangen, um Höchstleistungen zu erzielen. Dies war oftmals eine Gratwanderung, der ich mich nicht vier weitere Jahre aussetzen möchte."

okpress/Kieler Woche Großer Kämpfer: Lasersegler Simon Grotelüschen

Dennoch will Grotelüschen dem Segelsport auf anderen Ebenen treu bleiben: "Vor allem ist mir wichtig, das Know-how, das ich über Jahre gesammelt habe, an junge Sportler weiterzugeben." In einem langen offiziellen Statement zum Abtritt versteckte Grotelüschen aber auch eine Botschaft, die ihm selbst die Hintertür zum Comeback offen und seine Fans hoffen lässt. Er möchte "nicht ausschließen, dass es in ein oder zwei Jahren doch wieder so sehr kribbelt, dass ich mit neuer Motivation und neuem Elan zurückkehre". Wird Rio ihn noch einmal zurückrufen können?

"Der Traum von der Teilnahme an den Olympischen Spielen" stand für Grotelüschen über allem. Eine Laufbahn als Profisegler dagegen kam nie infrage. Insofern erscheinen Grotelüschens Schritt "nach vielen Jahren harter Arbeit und einigen herben Rückschlägen" auf seinem Gipfel konsequent und eine Rückkehr eher unwahrscheinlich.

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Zu jenen, denen der Lübecker besonderen Dank widmet, zählen auch der Heinz Nixdorf Verein, der Segler-Verband Schleswig-Holstein (SVSH) und Laufbahnberaterin Petra Homeyer, sein Heimatverein Lübecker-Yacht-Club, dem er stets treu geblieben ist, und vor allem seinen Eltern. "Sie haben mir den Segelsport ermöglicht und dabei immer eine gute Balance gefunden. Sie haben sich weitgehend aus dem Sport zurückgehalten und mich dennoch uneingeschränkt unterstützt – beim fünften Kind sicherlich eine Herausforderung."

@tati Einer bleibt, der andere geht: die deutschen Lasersegler Simon Grotelüschen (r.) und Philipp Buhl

Grotelüschen geht erhobenen Hauptes und mit unauslöschlichen Erinnerungen an seinen letzten großen Auftritt, den er mit einem Sieg im olympischen Medaillenrennen krönte: "London 2012 wird mir immer in Erinnerung bleiben." So durchdacht, wie er auf den Regattakursen und an Land agierte, so kommt nun auch sein Abschied. Grotelüschens Abtritt bedeutet für den olympischen Segelsport in Deutschland den Verlust eines vorbildlichen Kämpfers und Leistungsträgers. Was bleibt, sind ein zuletzt überragend segelnder Philipp Buhl mit großen Ambitionen und die nächste Laser-Generation, die auch Simon Grotelüschen beflügeln will.


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Themen: BohlGrotelüschenLaserOlympiaWeymouth

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