Route du Rhum
Sieg und Rekord für Loïck Peyron!

Im siebten Versuch gelingt dem bretonischen Ausnahme-Skipper sein erster Triumph bei diesem Einhand-Klassiker – und eine neue Bestzeit

  • Jochen Rieker
 • Publiziert am 10.11.2014

RduR/A. Courcoux Loick Peyron gewinnt die 10. Route du Rhum

Mit einem dominanten und – man muss es so sagen – mit einem sensationellen Sieg bei der Route du Rhum krönt Loïck Peyron seine ohnehin beeindruckende Laufbahn als Hochse-Profi. Heute Morgen um 5.08 Uhr mitteleuropäischer Zeit überquerte er die Ziellinie vor Pointe-a-Pitre auf Guadeloupe als Erster und in neuer Rekordzeit von 7 Tagen, 15 Stunden, 8 Minuten und 32 Sekunden.

Obwohl er weit südlicher halten musste als auf direktem Großkreiskurs und deshalb viel mehr Meilen loggte, unterbot er die acht Jahre alte Bestmarke von Lionel Lemonchois um drei Stunden. Seine Durchschnittsgeschwindigkeit betrug fabelhafte 22,93 Knoten. Dabei, und darin liegt die eigentliche Größe seines Erfolgs, hatte er bis vor wenigen Wochen einen ganz anderen Rennverlauf geplant.

RduR Im Ziel! "Es war wirklich schwer"

Peyron segelte nur als "Ersatzskipper" auf "Banque Populaire VII", die eigentlich Armel le Cléac'h steuern sollte. Doch der verletzte sich beim Training an der Hand und konnte selbst nicht starten. So erst kam – spät und auch für ihn selbst überraschend – Loïck Peyron ins Spiel. 

Statt Retro-Trip auf "Happy" nun der Ritt auf einem Monster

Der hatte sich für diese Jubiläumsregatta, die zehnte Route du Rhum seit 1978, ursprünglich einen kleinen, alten Tri refitten lassen: die knallgelbe "Happy" . Auf ihr wollte er ohne moderne Hilfsmittel, nur mit Seekarte und Sextant, eine Art Retro-Rennen segeln – als Reminiszenz an seinen Mentor Mike Birch, der 1978 auf der baugleichen "Olympus" die erste Rhum-Regatta gewonnen hatte, damals mit nur zwei Minuten Vorsprung vor Michel Malinovsky auf "Kriter V". 

Ausgerechnet, als er diesen Sommer auf "Happy" seine Qualifikation segelte und so gerade eben noch Mobilfunkempfang hatte, sei das Angebot von Banque Populaire gekommen, erzählte Loïck Peyron der YACHT ( s. Interview in der aktuellen Ausgabe 23 ). Seine erste Reaktion: "Non, absolument pas!" 

Aber dann bat er sich doch eine Nacht Bedenkzeit aus und entschied sich umzusteigen. Mit "Happy" könne er noch in vier oder acht Jahren teilnehmen, so seine Begründung. Aber mit einem 30 Meter langen Maxi-Tri wie "Banque Populaire VII", der ehemals für eine acht- bis zehnköpfige Proficrew konzipierten "Groupama", ginge es nur noch jetzt.

Route du Rhum 2014 Innenansichten aus der "Kanzel" des Siegerboots

Ob es überhaupt möglich sei, in seinem Alter einhand und mit so kurzer Vorbereitungszeit auf einem so gewaltigen Hochsee-Racer zu bestehen, daran zweifelten manche. Auch Peyron selbst. "Da darf man sich nichts vormachen", räumte der 54-jährige im YACHT-Gespräch ein. 

Und so sagte er erst nach einem gründlichen medizinischen Test und einem Probeschlag fest zu. Denn eigentlich hatte er sich schon nach einer schweren Havarie bei der Rhum-Regatta 2002 – damals auf einem Orma-60-Tri – geschworen, "keine Transatlantikrennen mehr solo auf enem Renntrimaran zu bestreiten".

"Es ist kein Traum für mich. Es ist eine Herausforderung", so Peyron vor sechs Wochen zur YACHT – "vielleicht die größte meines Lebens."

"Ein höchst sympathischer Kerl und fantastischer Segler"

Jetzt hat er sie bestanden. Und nicht nur das: Er glänzte! Schon kurz nach dem Start in St. Malo, unter extrem harten Bedingungen – stürmischer Wind, sehr schwere See im Ärmelkanal und der Biskaya – setzte er sich unbeeindruckt an die Spitze der hochkarätig besetzten Ultime-Klasse. Er hielt bis zu dessen Ausscheiden Thomas Coville auf "Sodebo" in Schach, er hielt Yann Guichard auf der theoretisch schnelleren "Spindrift 2" stets auf Distanz und ließ nie auch nur den leisesten Zweifel an seinen Fähigkeiten als Skipper aufkommen. 

Sir Robin Knox-Johnston, der mit seinen 75 Jahren ebenfalls an den Start ging und derzeit in der Rhum-Klasse höchst respektabel auf Rang sechs segelt, sagte gestern Nachmittag im Gespräch mit der Wettfahrtleitung: "Ich kenne Loïck seit 1986. Er ist ein höchst sympathischer Kerl und fantastischer Segler, für den ich mich ungemein freue. Er gehört zu denen, die es verdient haben, diese Regatta nicht nur zu gewinnen, sondern auch einen Rekord aufzustellen."

Bevor sich Peyron den navigatorischen Herausforderungen der letzten paar hundert Meilen widmete, meldete er sich Sonntag noch einmal von Bord seines blau-weißen Monsters – wie gewohnt gut gelaunt. "Morgen rieche ich Land, Kokosnüsse, schwül-heiße Luft. Vorher werde ich noch ein bisschen Slalom segeln müssen, um die Fischernetze zu umfahren, die vor der Küste ausliegen. Und dann ist da noch der Kringel um Guadeloupe (gemeint ist die Ansteuerung von Norden kommend um die Westküste herum, im Windschatten der Insel – d. Red.). Da weiß man nie, wie es wird. Ich denke, nachts geht es ganz gut. Es werden auch weniger Leute auf den Beinen sein, dennoch wird es bestimmt ein Riesenspaß.”

Der Erfolg gebührt in Teilen auch Armel le Cléac'h und seinem Team. Sie hatten das Boot hervorragend vorbereitet, und der verletzte Stammskipper beriet Peyron während des gesamten Rennens taktisch. Er habe, so le Cléac'h, neben seinem Computer geschlafen und sei permanent ansprechbar gewesen. Wohl auch wegen dieser perfekten Landunterstützung schien "Banque Pop", wie die Franzosen der Einfachheit halber sagen, so sicher, so unbezwingbar zu sein.

Hier ein kurzes Video von einem fröhlichen und nach sechs Tagen erstaunlich entspannt wirkenden Skipper.

Rückblick auf die ersten Minuten Loïck Peyrons vor und nach dem Start der Route du Rhum .

Und hier das Video vom Zieldurchgang heute Früh in Guadeloupe

Yann Guichard auf "Spindrift 2" nur Zweiter: "eine Mordsanstrengung"

Spindrift2/E. Stichelbaut Groß – oder eher zu groß? Yann Guichard kam auf "Spindrift 2" nie in Schlagdistanz

Als Peyron Sonntagabend schon die Lichter von Guadeloupe ausmachen konnte, lag sein nächster Konkurrent mit 250 Seemeilen unerwartet weit achteraus. Yann Guichard mühte sich nach Kräften, den Abstand immer wieder zu verringern. Aber näher als 140 Meilen kam er nie an "Banque Populaire VII" heran. Offenbar ist "Spindrift 2", obgleich für die Solofahrt stark modifiziert, am Ende doch einfach zu groß, die Lasten zu hoch, um das Potenzial des 40-Meter-Tris einhand auszuschöpfen oder wenigstens annähernd zu erreichen. 

Das kann man aus den Worten des Skippers herauslesen, der am Sonnabend seiner Landcrew meldete: "Heute Morgen bin ich in 15 Knoten Wind gesegelt, als die Brise mit einem Mal komplett abstarb. Ich setzte wieder das Stagsegel und den Gennaker. Ich bin sicher, ihr könnt euch vorstellen, dass es mich eine Mordsanstrengung kostete, das Boot wieder in Fahrt zu bringen."

Guichards Wetterberater Richard Silvani von Météo France verwies auf die vielen Schauerböen, die dem Soloskipper das Leben schwer machen. Beim Versuch, Boden auf Peyron gutzumachen, versuchte er alles. "Ich habe kaum geschlafen, damit ich von Hand steuern konnte. Aber jeder Raumgewinn wurde durch die Squalls wieder vernichtet. Abgesehen davon ist alles gut an Bord. 'Spindrift 2' und ich sind noch heil." Zuversicht klingt anders.

Hinter Guichard wird auf Platz drei Sébastien Josse auf dem Mod 70 "Edmond de Rothschild" erwartet, der ein absolut famoses Rennen segelt und in der Nacht zu Montag nur 200 Meilen hinter der doppelt so langen "Spindrift 2" lag. Damit wäre das Podium der Ultime-Klasse komplett. 

Bei den Open 60 setzt sich der Zweikampf zwischen François Gabart auf "Macif" und Jérémie Beyou auf "Maȋtre Coq" unverändert fort. Die beiden haben sich deutlich abgesetzt und hatten Sonntagnacht noch rund 1400 Seemeilen bis ins Ziel.

In der Class 40 bleibt es enger und spannender; die beiden Spitzenreiter Alex Pella und Kito de Pavant segeln nur fünf Seemeilen voneinander entfernt in Sichtweite. Einen bitteren Rückschlag erlitt am Wochenende Conrad Humphreys, als auf seiner "Cat Phones" der Mast brach. Humphreys war nach einem kurzen Reparaturstopp dabei, das Feld von hinten aufzurollen, als sein Rigg von oben kam. Er läuft unter Maschine nach Portugal ab und bringt die Zahl der Ausfälle bei dieser zehnten Route du Rhum auf 24 (von ursprünglich 91 Startern).

Wikipedia Bestzeiten der Route du Rhum


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