The Transat Bakerly
Sieg und Abbergung bei den Open 60

Armel Le Cléac'h ist seiner Favoritenrolle gerecht geworden – er gewann heute die Imoca-Klasse. Richard Tolkien dagegen ließ sich abbergen

  • Jochen Rieker
 • Publiziert am 14.05.2016

The Transat Bakerly Armel Le Cléac'h siegt in der Imoca-Klasse beim Transat Bakerly

Triumph und Niederlage liegen oft nah beieinander. Gestern Abend, wenige Stunden nach der Aufgabe Isabelle Joschkes aufgrund von Wassereinbruch auf Ihrer Class 40, aktivierte der Brite Richard Tolkien auf seinem Open 60 "44" den Notruf. Es war die zweite Havarie an diesem Freitag, dem 13. Mai, der damit allen so gern zelebrierten Aberglauben unter Seglern auf bittere Weise bestätigte.

Tolkien, weit abgeschlagen am Ende der Imoca-Klasse positioniert und noch hinter den führenden Class-40-Yachten, war unter Deck, als das Vorstag seines Stagsegels brach. Beim Versuch, das wild schlagende Tuch und den Furler zu bergen, wurde er zweimal am Kopf getroffen. Der Soloskipper zog sich eine stark blutende Platzwunde zu und sah sich außerstande, das Rennen fortzusetzen. Ein Frachter eilte zu Hilfe und versorgte ihn medizinisch. Sein Boot, die ehemalige Sodebo von Thomas Coville, treibt nun führerlos mitten auf dem Nordatlantik.

Derweil quälte sich Armel Le Cléac'h auf seiner "Banque Populaire X" in abflauendem Westwind gen New York. Es wurde ein zähes, aber von Erfolg gekröntes Finish. Der Bretone, der seine Klasse über weite Strecken dominiert hatte, ging mit seinem modernen Foiler kurz vor Mittag Ortszeit über die Linie. Er brauchte für die Strecke von Plymouth zum Big Apple 12 Tage, 2 Stunden, 28 Minuten. Für die 3751 Seemeilen, die er durchs Wasser zurücklegte, ergibt das einen Schnitt von knapp 13 Knoten – sehr beachtlich angesichts des zuletzt hohen Amwind-Anteils.

Nur 30 Seemeilen hinter ihm wird Vincent Riou heute Nacht als Zweiter im Ziel erwartet – er segelt mit "PRB" einen vergleichsweise konventionellen Open 60 ohne L- oder Y-Foils, mit dem er auch die Vendée Globe bestreiten will. Es ist die Umkehrung der Rangfolge bei der letztjährigen Transat Jacques Vabre, als "PRB" vor "Banque Pop" den Sieg holte.

Le Cléac'h hatte sich schon vor dem Zieleinlauf äußerst zufrieden mit der Leistung und der Zuverlässigkeit seines Bootes geäußert. Trotz seiner soliden Führung unterlief ihm gestern jedoch ein Missgeschick, das ihn noch einmal sehr ins Schwitzen gebracht haben wird. Aus Versehen brach er das Siegel, mit dem die Maschine gegen unerlaubtes Einkuppeln verplombt war. Er meldete den Vorfall aber sofort der Rennleitung, die ihm daraufhin eine Zeitstrafe von 31 Minuten aufbrummte – zu wenig, um seine Chancen auf den Sieg entscheidend zu schmälern.

Spätestens nach dem Triumph heute Abend gilt Le Cléac'h, den sie in Frankreich wegen seiner kühlen Entschlossenheit "den Schakal" nennen, als Topanwärter auf den Sieg in der Vendée. Er hat das Talent, die Erfahrung, die Härte, mit Banque Populaire einen der besten Segelsponsoren Frankreichs – und noch einen weiteren, nicht zu unterschätzenden Vorteil: François Gabart segelt nicht mehr Imoca. Er wäre wohl erneut sein ärgster Widersacher gewesen, doch favorisiert er jetzt das Solosegeln auf seinem Maxi-Trimaran "Macif", mit der er schon vor vier Tagen Line Honors und den Klassensieg der Ultimes geholt hat.


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