Kieler Woche
Sieben deutsche Boote im Kieler-Woche-Finale

Zwei britische und weitere Teams aus acht Ländern führen die Olympia-Felder vor den Medaillenrennen der Kieler Woche an – deutsche Segler in Lauerstellung

  • Tatjana Pokorny
 • Publiziert am 23.06.2018
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Sascha Klahn /Kieler Woche Kieler Woche 2018

Die deutschen Olympiasegler müssen am Finaltag der 124. Kieler Woche kämpfen, wenn sie bei der Titelvergabe nicht leer ausgehen wollen. Am Vorabend der zehn Medaillenrennen in acht olympischen Disziplinen und den beiden paralympisch ambitionierten Klassen 2.4mR und der Hansa 303 führen zwei britische Teams und weitere Starter aus acht verschiedenen Ländern die Klassements an. Doch die deutschen Segler haben sich in Lauerposition platziert. Philipp Buhl startet als Gesamt-Zweiter mit drei Punkten Rückstand auf den britischen Spitzenreiter Elliot Hansen um 10.05 Uhr in das Finale. Wie gut er entscheidende Zweikampfduelle führen kann, hat der 28-jährige Vizeweltmeister erst vor zwei Wochen beim Weltcup-Finale vor Marseille bewiesen, als er nach schwachem Start doch noch wie entfesselt zu Gold segelte.

www.segel-bilder.de Philipp Buhl kämpft am Sonntag um seinen fünften Kieler-Woche-Sieg

Buhl kritisiert die Wettfahrtleitung

Doch zunächst machte Buhl am Samstagabend bei einer Pressekonferenz der Kieler Woche seiner Verärgerung über die Wettfahrtleitung auf der Laser-Bahn Luft. Der Unmut des Sonthofeners richtete sich gegen die Entscheidungen auf der Bahn seiner Olympia-Klasse. Buhl kommentierte eine Reihe ausgefallener Rennen am Freitag und am Samstag mit den Worten: "Das war das Schlechteste, was ich im Regattasport je erlebt habe." In seine Kritik bezog Buhl auch die aus seiner Sicht überzogenen Wettervorhersagen ein, die zu "Rennausfällen bei Premiumbedingungen" geführt hätten. Seine Disziplin habe binnen zwei Tagen drei ausgefallene Rennen zu beklagen, was Fehlentscheidungen der Wettfahrteitung zuzuschreiben sei. Dabei hatte der als Fairplayer bekannte Allgäuer die Wettfahrtleitung am Donnerstag noch gelobt, weil sie die Lasersegler bis in die späten Abendstunden hatte segeln lassen, um möglichst viele Wettfahrten zu ermöglichen. Nun aber ist Buhl "enttäuscht" und verweigerte am Samstag auch jeden Kommentar zu seiner überzeugenden sportlichen Leistung: "Ich will meine Kritik damit nicht verwässern."

Kieler-Woche-Organisationsleiter Dirk Ramhorst, der ausnahmsweise nicht an der Pressekonferenz hatte teilnehmen können, reagierte umgehend und unaufgeregt auf Buhls Vorwürfe: "Bei den Entscheidungen von Wettfahrtleitungen spielen auch die Sicherheit der Teilnehmer und das weitere Segelprogramm eine Rolle. Wir haben uns mit Philipp bereits für Sonntag zum Gespräch verabredet. Unser Interesse ist die Weiterentwicklung der hohen Qualität der Kieler Woche."

Die Medaillenrennen beginnen am Sonntag um 10.05 Uhr 

Insgesamt haben sich sieben deutsche Boote für die Finalläufe ab 10.05 Uhr qualifiziert. Im Laser Standard (1), Laser Radial (1), 49erFX (1), 470er Frauen (3) und 470er Männer (1) sind Athleten der deutschen Segel-Nationalmannschaft in den Endläufen der jeweils besten zehn Crews ihrer Disziplinen vertreten. Die 49erFX-Europameisterinnen Tina Lutz und Susann Beucke würden ihren zwei schon gewonnenen Titeln gern den dritten hinzufügen. Das Duo vom Chiemsee Yacht-Club und vom Hannoverschen Yacht-Club liegt wie Buhl auf Platz zwei und hat 4,5 Punkte auf die führenden Neuseeländerinnen gutzumachen – eine schwere, aber nicht unlösbare Aufgabe.

Sascha Klahn/Kieler Woche Tina Lutz und Susann Beucke gelangten als Zweite ins Finale, wollen am Sonntag um ihren dritten Kieler-Woche-Titel kämpfen

Auch für die drei erfolgreichen 470er-Frauen-Crews – Nadine Böhm/Ann-Christin Goliaß (4.), die Titelverteidigerinnen Frederike Loewe/Anna Markfort (5.) und Fabienne Oster/Anastasiya Winkel (6.) – bleiben die Podestplätze nach guter Regattaserie das Ziel. Laser-Radial Steuerfrau Svenja Weger hat sich das Finalticket als Neunte ebenso verdient wie Simon Diesch und Philipp Autenrieth als Achte im herausragend besetzten Feld der 470er-Männer. Gefordert sind ebenso die 2.4mR-Segler (ab 12.10 Uhr) mit Heiko Kröger (Norddeutscher Regatta Verein) und die Hansa-303-Steuerleute (ab 10.05 Uhr) mit Jens Kroker (Yachtclub Berlin-Grünau). Beide deutsche Top-Segler liegen auf Medaillenkurs und kämpfen mit ihren Disziplinen für das Comeback des Segelsports bei den Paralympischen Spielen 2024.

Sascha Klahn /Kieler Woche Wenn man Kämpfen als Bild darstellen sollte, dann wäre dieses hier perfekt: Nadine Böhm und Ann-Christin Goliaß geben alles im 470er und kommen als Vierte ins Finale


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Themen: Kieler WocheMedaillenfinalePhilipp Buhl

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