Route du Rhum
Schwieriger Start für Transat-Solisten

Die zehnte Route du Rhum beginnt für die 91 Einhandsegler mit einer harten Nacht. Bis zu 40 Knoten Wind und schwere See in der Biskaya

  • Jochen Rieker
 • Publiziert am 02.11.2014

Veranstalter Auftakt vor Theaterkulisse. Regen, Böen, Kälte – und die Aussicht auf eine harte Nacht

Was für ein Sonntag! Segelbundesliga in Hamburg. Etappenfinale beim Volvo Ocean Race im tiefen Südatlantik. Und dann noch ein Großereignis, absehbar das packendste der kommenden Tage und Wochen: solo transatlantik, gegen die Elemente – dafür lieben die Franzosen diese entbehrungsreichste Form des Hochseesegelns. Und als ob es noch einer Steigerung bedurft hätte, liefert das Jubiläumsrennen der Route du Rhum, das von St. Malo nach Guadeloupe führt, gleich zum Start eine extrem selektive Packung.

Schon seit Tagen gab es kaum ein anderes Thema im Hafen als das Wetter. Denn die Front, die aus Südwest und in der Nacht aus West bis Nordwest über das Feld hereinzieht, steht im krassen Gegensatz zum milden Spätsommerwetter, das fast eine Woche vorherrschte und dessen Ausläufer dieses Wochenende auch in Deutschland für gute Laune sorgte. In St. Malo aber war es schon in der Nacht von Sonnabend zu Sonntag vorbei mit dem Indian Summer.

Eine frische und deutlich kühlere, zudem böige Brise wehte beim Auslaufen der Boote. Zum Start um 14 Uhr jagten auch Regenschauer über den Englischen Kanal. Eine pittoreske Szene: düstere Wolken, weiße Regenschleier am Horizont und dazwischen das weiß schäumende Kielwasser der 91 Rennyachten. Ein Spektakel für die Zehntausende, die sich ungeachtet des Wetters an der Küste aufreihten, als wäre es ein Champions-League-Finale.

Veranstalter Massenauflauf an der Küste: Zehntausende fieberten mit

Wegen des Böen-Potenzials starteten die Mehrrumpfer der Ultime-Klasse ebenso wie die meisten Class-40-Boote tief gerefft. Nur die besten der Open 60 trugen das volle Groß. Es hatte nicht an Warnungen der Meteorologen gefehlt. In der Nacht zu Montag, wenn die schnellsten Tris bereits den Kanal verlassen werden, soll der Wind nach einer kurzen Verschnaufpause über West auf Nordwest drehen und dabei stark an Intensität zunehmen. Bis zu 40 Knoten erwarten die Einhandsegler, dazu eine durch Regen stark reduzierte Sicht und eine aufgewühlte See mit vier bis fünf Meter Wellenhöhe.

Weil in der Biskaya zudem viele Fischer und Frachter unterwegs sind, werden die Skipper in dieser ebenso riskanten wie möglicherweise vorentscheidenden Auftaktphase der Route du Rhum vermutlich kein Auge zumachen. Armel Le Cléac'h, der wegen einer Verletzung im Training seinen Tri "Banque Populaire VII" an Routinier Loïck Peyron weiterreichte, gab seinem Stellvertreter eine ernstgemeinte Warnung mit auf den Weg: "Ich habe ihm gesagt, er soll es vorsichtig angehen lassen." Es passiere in diesen Bedingungen leicht, Bruch zu erleiden und alle Siegchancen zu verspielen.

Armel Le Cléac'h wird zusammen mit einem Wetterrouter die gesamte Zeit des Rennens über die Taktik für Loïck Peyron machen, weil der nicht dazu kommen wird, will er den 30-Meter-Tri – die ehemalige "Groupama 3" – annähernd an seinem Limit segeln. Dazu schläft der verletzte Skipper, dessen Traum die Teilnahme an der Route du Rhum war, die nächsten sieben Tage neben seinem Rechner – wie ein Co-Skipper, nur an Land.

Die ersten Stunden wird Le Cléac'h, den sie in Frankreich den Falken nennen, mit Wohlwollen betrachtet haben. Peyron setzte sich nach einem defensiven Start früh an die Spitze der "Ultime"-Klasse. Allerdings teilte sich die Schar der großen Tris früh. Yann Guichard auf der riesigen "Spindrift 2", Francis Joyon auf "Idec" und Yann Eliès auf "Paprec Recyclage" segelten weiter nördlich, mitten im Englischen Kanal. Sie werden von dem Winddreher auf West am ehesten profitieren. Peyron und die Mitfavoriten Lionel Lemonchois ("Prince de Bretagne") sowie Thomas Coville ("Sodebo") versuchten es näher an der bretonischen Küste auf dem kürzeren Weg.

Veranstalter "Macif" vorn bei den Open 60

Bei den Imoca Open 60 zeigte Vendée-Sieger François Gabart seine Extraklasse. Er erwischte nicht nur einen sehr guten Start, sondern dominierte in den ersten acht Stunden unbedrängt die Konkurrenz – darunter Größen wie Vincent Riou ("PRB"), Marc Guillemont ("Safran") und Jeremie Beyou ("Maȋtre Coq").

Es wird ein Rennen der Superlative werden, so viel steht jetzt schon fest. Das harte Wetter und die starke Konkurrenz versprechen Hochspannung von Beginn an. Wir verfolgen den Rennverlauf permanent und werden regelmäßig auf YACHT online berichten. Falls Sie selbst "mitplotten" und mitfiebern wollen:

Hier geht es direkt zum Positionsreport der Route du Rhum

Und hier die Homepage der Veranstalter in englischer Fassung

Viedo vom Start des Rennens am Sonntag 14 Uhr

Ein ausführliches Interview mit Loïck Peyron über seine überraschende Teilnahme auf "Banque Populaire VII" und die Mühen, allein einen 30-Meter-Tri zu bändigen, lesen Sie in der neuen YACHT 23-2014 – ab Mittwoch am Kiosk.

Veranstalter Ooops! Signey Gavignet auf "Musandam Oman Sail" ließ seinen Mod 70 steigen 


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