America's Cup
Schlimmster Stapellauf seit "Titanic"?

Der America's Cup steckt in der Krise. Internationale Pressestimmen zur 34. Auflage der bekanntesten und ältesten Regatta der Welt

  • Tatjana Pokorny
 • Publiziert am 29.07.2013

Guilain Grenier/Oracle Team USA Wollten Vorreiter für einen neuen America's Cup sein, sind aber bislang mit ihrem Konzept so weit vom Erfolgskurs abgekommen wie selten zuvor in der wechselvollen Cup-Geschichte: Die Verteidiger vom Oracle Team USA

tati Der America's Cup (r.) und der Louis Vuitton Cup

Der San Francisco Chronicle nennt den 34. America's Cup den "möglicherweise schlimmsten Stapellauf, seit die Titanic ihre Reise über den Nordatlantik angetreten hat". Die "New York Times" sieht "die kostbarste Trophäe des Segelsports auf ein glorifiziertes Handgemenge" reduziert und beschreibt sie als "eine von Fehltritten und Katastrophen durchsiebte Veranstaltung". Der New Zealand Herald bringt die Gründe für die große Cup-Krise auf den Punkt: "Die Veranstaltung leidet unter Teilnehmermangel. Zum Teil aufgrund der Budgets (100 Millionen US-Dollar sind notwendig, um wettbewerbsfähig zu sein), aufgrund des Wirtschaftsabschwungs und der grenzwertigen Hightech-Natur der Boote." Der America's Cup leidet. Auch aufgrund der beiden Kenterungen von Cup-Verteidiger Oracle Team USA 2012 und Artemis Racing im Frühjahr 2013. Letztere hat am 9. Mai das Leben des britischen Olympiasiegers Andrew Simpson gekostet.

Guilain Grenier/Oracle Team USA Frühe Warnung: Der Oracle-Kat kenterte als Erster im Oktober 2012

Die "Business Week" titelte: "Wie Larry Ellison seine eigene America's-Cup-Party sabotierte". Die Cup-Veranstalter mit CEO Russell Coutts an der Spitze hatten den Stadtvätern San Franciscos unter anderem einen Umsatz von etwa einer Milliarde Euro und die Entstehung Tausender neuer Jobs avisiert. Ein Traum, der sich angesichts von nur drei Herausforderern, des tragischen Todesfalls, Geisterrennen, ausbleibenden Fernsehsendern und enttäuschten, ihre bezahlten Eintrittskarten zurückfordernden Zuschauern längst zum Albtraum entwickelt hat. Zuletzt hat Hauptsponsor Louis Vuitton sein Investment um drei Millionen US-Dollar gekürzt, weil zu wenige Herausforderer die zu teure Herausforderung riskieren konnten oder wollten. Die "Süddeutsche Zeitung" nennt das Geschehen "Farce von San Francisco", die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" mockiert sich über das "Segeln ohne Gegner", und die "Neue Züricher Zeitung" schreibt: "Von der Farce zum Fiasko". Die Liste enttäuschter bis hin zu entsetzter und überwiegend negativer Berichterstattung ließe sich über viele Seiten fortsetzen.

Für alle Enttäuschten gibt es nur eine Hoffnung: Sollte das 34. Cup-Duell im September dank eines starken Herausforderers namens Team New Zealand doch noch ein Thriller werden, dann behält vielleicht der britische Cup-Experte Stuart Alexander Recht, der schrieb: "Wenn die Funken beim Showdown im September sprühen, dann wird vieles verziehen werden. Es gibt viel zu verzeihen."


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Themen: America's CupLarry EllisonOracle Team USAPressestimmen

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