Olympisches Segeln
Schlechter Abschluss einer flauen Saison

Nur zwei Mannschaften auf dem Olympiarevier in den Medaillenrennen der besten zehn

  • Lars Bolle
 • Publiziert am 16.08.2010

Beim letzten Weltcup der Saison, der Skandia Sail for Gold Regatta vor Weymouth, ging die deutsche Equipe hinsichtlich Medaillen leer aus – und konnte so auch das bisher bescheidene Jahres-Gesamtergebnis nicht verbessern.

Nach sieben Worldcups der Saison schaffte es die deutsche Mannschaft in der Addition aller Medaillen nicht unter die Top Ten der Nationen, rangiert mit sieben Medaillen, von denen allein vier während der Kieler Woche ersegelt wurden, auf Platz zwölf und verschlechterte sich damit im Vergleich zu 2009 um drei Plätze. Rang neun wurde allerdings im vergangenen Jahr mit nur sechs Medaillen erreicht.

Da passte das Abschneiden auf dem Olympiarevier der Spiele 2012 ins Gesamtbild: Als einzige deutsche Mannschaft konnten sich Kathrin Kadelbach (Berlin) und ihre Vorschoterin Friederike Belcher (geborene Ziegelmayer, Hamburg) für das finale Medaillenrennen in einer der zehn olympischen Segeldisziplinen qualifizieren. Nach mehrjähriger Pause und Engagements in anderen Klassen hat sich das wiedervereinte Damen-Duo mit Rang sechs im Finale und insgesamt Platz sieben sehr gut zurückgemeldet. Kathrin Kadelbach sagte: „Schade, dass wir die einzigen Deutschen im Finale waren. Uns kommt die gemeinsame Erfahrung zugute. Außerdem haben wir in einem gemeinsamen EWE-Training mit Olympiateilnehmer Lucas Zellmer sehr viel von ihm gelernt.“ Friederike Belcher sagte: „Kathrin ist ein echter Wannseefuchs, ihr liegen die drehenden Winde im Olympiarevier!“ Die erst 19 Jahre alte Optiweltmeisterin und 470er-Steuerfrau Tina Lutz (Bergen) und ihre Vorschoterin Susann Beucke (Strande) verschenkten eine bessere Platzierung durch zwei Frühstarts, belegten Platz 25 in der Goldflotte.

Enttäuschung herrschte in der zuletzt so erfolgreichen Starbootklasse: Die Europameister Johannes Polgar und Markus Koy aus Hamburg mussten sich nach starkem Auftakt mit Platz 14 zufrieden geben. Eine Delamination im Rumpfbereich des neues Starbootes machte dem Duo ab Halbzeit der Serie zu schaffen und alle Medaillenhoffnungen zunichte. Polgar erklärte: „Wir sind nicht die ersten, denen das passiert ist. Vor uns waren schon Olympiasieger Iain Percy und der Amerikaner Mark Mendelblatt betroffen. Wir sind im Nachhinein eher froh, dass wir den Grund für unseren plötzlichen Leistungsabfall nun kennen. Das Boot ist in der Riesenwelle hier einfach delaminiert. Dadurch ist viel Wasser in den Unterboden geflossen, das Boot war nicht mehr stabil. Die Werft hat dieses konstruktionsbedingte Problem bereits behoben. Die Reparatur ist geplant, das Boot wird zur Deutschen Meisterschaft wieder fit sein.“

Der Sieg bei den Starbooten ging an den Iren Peter O’Leary, der den Deutschen Frithjof Kleen an der Vorschot hatte. Für Kleen war dies rund zwei Monate nach der Trennung von seinem bisherigen Steuermann Alexander Schlonski ein besonderer Glücksmoment. „Eine tolle Bestätigung für mich. Ich habe in den vergangenen Wochen intensiv mit internationalen Spitzenseglern wie Robert Scheidt aus Brasilien zusammen gearbeitet und werde diesen Weg weiterhin gehen“, sagte der 27-Jährige. Obwohl ihm derzeit ein deutscher Steuermann für eine mögliche Olympiateilnahme fehlt, hat der Sportsoldat einen Start in Weymouth für 2012 nicht aus dem Blick verloren: „Ich werde weiter dran bleiben, um im Falle eines Falles sofort einspringen zu können. Olympia bleibt das Ziel.“ In dem von Weltmeistern gespickten Feld segelten O’Leary/Kleen in acht der zehn Rennen in die Top-Ten, und so ging das Duo, das vom Ex-Kieler Marc Pickel zusammengeführt und betreut wurde, als Verfolger der führenden Schweden Fredrik Loof/Johan Tillander in das Medal-Race. „Voll auf Angriff“ lautete dort die Devise von Kleen, denn Bronze war ohnehin sicher. Und die Risikolust wurde belohnt. Während O’Leary/Kleen, die auf dem von Pickel gebauten P-Star schnell unterwegs waren, als Dritte die Ziellinie kreuzten, patzten die Schweden und mussten so die irisch-deutsche Kombination im Gesamtranking noch passieren lassen.

Bei den Laserseglern verpasste der 20-jährige Philipp Buhl aus Sonthofen das Finale als Gesamt-Elfter knapp.

Ähnlich erging es der Kieler 49er-Mannschaft Tobias Schadewaldt/Hannes Baumann. Die Norddeutschen waren zu Beginn der Saison durch einen schweren Trainingsunfall vor Mallorca aus der Erfolgsspur gerutscht, finden aber ein halbes Jahr später immer besser zurück zu alter Stärke und belegten vor Weymouth Platz 12. Steuermann Schadewaldt sagte: „Wir wollten unser gutes Ergebnis von der Euro wiederholen und das ist uns gut gelungen. Wir haben uns aber mit einem BFD und einem DNF wieder zweimal &aposBuchstaben’ eingefangen: Einmal sind wir zu früh gestartet, einmal ist das Fockfall gerissen. Diese zwei Patzer tun in der Endabrechnung weh. Positiv war, dass wir bei mehr Wind ein Rennen gewinnen konnten. Jetzt müssen wir das Streetfighting lernen, uns noch besser durchsetzen. Über das Olympiarevier konnten wir — insbesondere von den Engländern — sehr viel lernen.“

Ohne Medaille mussten auch die sonstigen Medaillengaranten, die Paralympics-Sieger um Skipper Jens Kroker (Münster), abreisen. Als Vierte verpassten sie mit nur zwei Punkten Rückstand Bronze.

Das schlechte Abschneiden zeigt auch bei den Verantwortlichen im Deutschen Segler-Verband Wirkung. „Mit solchen Ergebnissen wollen und werden wir in zwei Jahren von den Olympischen Spielen nicht heimkehren. Einigen Mannschaften fehlte nach den bereits absolvierten Jahreshöhepunkten offensichtlich die Fokussierung“, sagte DSV-Sportdirektorin Nadine Stegenwalner (Hamburg), die 2012 Teamchefin der deutschen Segel-Olympiamannschaft in England sein wird.

DSV-Vizepräsident Torsten Haverland, der das Team ebenfalls in Weymouth beobachtete, sagte: „Ich bin mit Blick auf einige Disziplinen tatsächlich überrascht, dass es nicht gelungen ist, mindestens ein Team ins Medaillenrennen zu bringen. Unsere Aktiven hatten Probleme mit den anspruchsvollen Bedingungen vor Ort. Die gilt es jetzt möglichst schnell in den Griff zu bekommen.“

ENDERGEBNISSE
Skandia Sail for Gold

LASER
1. Tom Slingsby (AUS), 62 Punkte
2. Paul Goodison (GBR), 74 Punkte
3. Michael Leigh (CAN), 93 Punkte
11. Philipp Buhl (Sonthofen/Segelclub Alpsee Immenstadt), 102 Punkte
20. Simon Grotelüschen (Lübeck/Lübecker Yacht-Club), 166 Punkte

LASER RADIAL
1. Marit Bouwmeester (NED), 40 Punkte
2. Sari Multala (FIN); 43 Punkte
3. Sara Winther (NZL), 68 Punkte
35. Franziska Goltz (Kiel/Schweriner Segler-Verein von 1894), 174 Punkte
37. Anke Helbig (Kiel/Märkischer Seglerverein Beetzsee), 189 Punkte

MATCH RACE FRAUEN
1. Nicky Souter/Nina Curtis/Olivia Price (GBR)
2. Claire Leroy/Elodie Bertrand/Marie Riou (FRA)
3. Anna Tunnicliffe/Molly Vandemoer/Debbie Capozzi (USA)
10. Silke Hahlbrock/Maren Hahlbrock/Kerstin Schult (Hamburg/Hamburger Segel-Club)

FINN DINGHI
1. Giles Scott (GBR), 60 Punkte
2. Jonathan Lobert (FRA), 63 Punkte
3. Ivan Gaspic (CRO), 66 Punkte
26. Jan Kurfeld (Wismar/Yachtclub Wismar), 193 Punkte

470ER FRAUEN
1. Ai Kondo/Wakako Tabata (JPN), 74 Punkte
2. Tara Pacheco/Berta Betanzos (ESP), 91 Punkte
3. Erin Maxwell/Isabelle Kinsolving (USA), 91 Punkte
7. Kathrin Kadelbach/Friederike Belcher (Berlin, Verein Seglerhaus am Wannsee), 114 Punkte
25. Tina Lutz/Susann Beucke (Bergen/Chiemsee-Yacht-Club), 194 Punkte

470ER MÄNNER
1. Pierre Leboucher/Vincent Garos (FRA), 31 Punkte
2. Mathew Belcher/Malcolm Page (AUS), 35 Punkte
3. Luke Patience/Stuart Bithell (GBR), 58 Punkte
24. Jan-Jasper Wagner/Lennart Scheufler (Berlin/Verein Seglerhaus am Wannsee), 121 Punkte
26. Lucas Zellmer/Heiko Seelig (Schöneiche/Spandauer Yacht-Club), 130 Punkte

RS:X SURFEN FRAUEN
1. Charline Picon (FRA), 44 Punkte
2. Blanca Manchon (ESP), 50 Punkte
3. Bryony Shaw (GBR), 63 Punkte
17. Moana Delle (Kiel/Segelklub Bayer Uerdingen), 144 Punkte

RS:X SURFEN MÄNNER
1. Joao Rodriguez (POR), 38 Punkte
2. Dorian van Rijsselberge (NED), 42 Punkte
3. Nick Dempsey (GBR), 43 Punkte
15. Toni Wilhelm (Kiel/Windsurfclub Überlingen), 96 Punkte

STAR
1. Peter O’Leary/Frithjof Kleen (IRL/Berlin), 52 Punkte
2. Fredrik Loof/Johan Tillander (SWE), 61 Punkte
3. Mateusz Kusznierewicz/Dominik Zycki (POL), 65 Punkte
14. Johannes Polgar/Markus Koy (Hamburg/Norddeutscher Regatta Verein), 131 Punkte
21. Matthias Miller/Benedikt Wenk (Berlin/Verein Seglerhaus am Wannsee), 182 Punkte

49ER
1. Nathan Outteridge/Iain Jensen (AUS), 65 Punkte
2. Peter Kruger Andersen/Nicolai Thorsell (DEN), 82 Punkte
3. Stevie Morrison/Ben Rhodes (GBR), 84 Punkte
12. Tobias Schadewaldt/Hannes Baumann (Kiel/Kieler Yacht-Club), 126 Punkte
21. Julian Ramm/Oliver Lewin (Kiel/Kieler Yacht-Club), 154 Punkte
23. Lennart Briesenick-Pudenz/Morten Massmann (Flensburg/Flensburger Segel-Club), 165 Punkte

SONAR (PARALYMPISCH)
1. Udo Hessels/Mischa Rossen/Marcel Van de Veen (NED), 21 Punkte
2. John Robertson/Hannah Stodel/Steve Thomas (GBR), 26 Punkte
3. Dror Cohen/Benni Vexler/Arnon Efrati (ISR), 27 Punkte
4. Jens Kroker/Robert Prem/Siegmund Mainka (Münster/Yachtclub Berlin-Grünau), 29 Punkte


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Themen: Weymouth

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