Segeln olympisch
Ruheloser Streit um Rios Olympiarevier

Rio Olympiarevier schafft es nicht, dem Rampenlicht der Negativ-Schlagzeilen zu entkommen. Eine Belastung auch für den Welt-Sseglerverband

  • Tatjana Pokorny
 • Publiziert am 28.01.2016

SailingEnergy/Pedro Martinez Philipp Buhl zählt zu den segelnden Hoffnungsträgern der deutschen Olympioniken. Wie er und seine Teamkameraden sich trotz vieler Vorsichts- und Gegenmaßnahmen im Einsatz gegen das Eindringen von Wasser in der Guanabara-Bucht schützen sollen (was sie wollen), ist angesichts von diesen Bildern schwer nachvollziehbar

Isaf Der laut eigener Aussage geschasste Geschäftsführer des Welt-Seglerverbandes Peter Sowrey

Schon wieder ist das olympische Segelrevier negativ ins Rampenlicht gerückt. Der vom Welt-Seglerverband geschasste ehemalige Generalsekretär Peter Sowrey hat die Diskussion in einem Interview mit der amerikanischen Nachrichtenagentur AP neu befeuert. Der Brite erklärte erstmals öffentlich, dass er seinen Job nach fünf Monaten im Amt Ende vergangenen Jahres keinesfalls freiwillig hingeschmissen habe. Er sei dazu vom Vorstand des Weltverbands World Sailing genötigt worden, nachdem er das verunreinigte und laut vieler Experten gesundheitsgefährdende Olympiarevier von Rio de Janiro mit deutlichen Worten in Frage gestellt und einen Plan B mit alternativem Austragungsrevier erarbeitet habe.

Heil Der deutsche Steuermann Erik Heil war nach der Testregatta in Rio 2015 erkrankt. Die Bilder der Folgen gingen um die Welt

Hier geht es zu einem aktuellen ESPN-Video mit einer provokanten Wette des Journalisten Tom Farrey.

"Man hat mich dazu aufgefordert, mich bei diesem Thema zurückzuhalten", so Sowrey gegenüber AP, "der Vorstand hat mir gesagt, ich sei zu aggressiv und hat mich am Ende abgewählt. Ich habe mein Amt nicht niedergelegt. Der Vorstand hat mir gesagt, dass ich gehen soll." Mit Blick auf das umstrittene Olympiarevier sagte Sowrey: "Nach der Faktenlage und den datengesteuerten Modellen würden wir niemals erwägen, in so einer Wasserqualität zu segeln." Von AP in Auftrag gegebene unabhängige Tests im Olympiarevier der Guanabara-Bucht hatten ergeben, dass die in Verbindung mit Abwassern stehenden und krankheitserregenden Viren in tausendfacher Menge von in den USA und Europa zulässigen Grenzwerten das Wasser belastet.

World Sailing Andy Hunt, der neue Generalsekretär von World Sailing, hat ein schweres Amt angetreten

Vor zwei Wochen hat Sowreys sportpolitisch erfahrener Nachfolger und Landsmann Andy Hunt das Amt übernommen. Auch mit ihm sprach AP über die Revierprobleme. Hin- und hergerissen zwischen der optischen Schönheit und der inhaltlichen Revier-Probleme, sagte Hunt: "Es wird enormes Interesse daran geben, wie die Regatta verläuft und welche Probleme auftauchen könnten."

Sollten Olympiateilnehmer erkranken oder im Wasser treibende Gegenstände wie Plastik oder beispielsweise auch Holztüren oder anderer Müll die Ergebnisse oder sogar die Medaillenvergabe und den Kampf um den Olympiasieg beeinflussen, droht den Verantwortlichen mehr als nur eine negative Presse. Sowrey hatte erwägt, das Olympiarevier nach Buzios zu verlegen und dafür bereits ein 20-seitiges Ideenpapier entwickelt, das er der Nachrichtenagentur AP vorlegte. Buzios ist ein von Rio rund 160 Kilometer entfernter Küstenort. Doch inzwischen ist es längst zu spät für einen logistisch aufwändigen Ortwechsel einer olympischen Veranstaltung.

Hunt sagte der Agentur Associated Press: "Es (Red.: das Olympiarevier) ist nicht ideal. Ich sage in keinem Moment, dass es ideal ist. Aber ich bin davon überzeugt, dass große Anstrengungen zu seiner Säuberung und für die Sicherheit der Athleten unternommen werden." Eine geplante Abwasserpumpe soll bis Ende März in Dienst gestellt werden, käme damit aber jetzt schon drei Monate später als geplant.


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Themen: Andy HuntAPESPNOlympiarevierPeter SowreyRioWorld Sailing

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