Rolex Fastnet Race
„Rán” und „Rambler”: Sieger und Wrack

Als Wiederholungstäter ist „Rán” ein rarer Fall und in guter Gesellschaft – während die kiellose „Rambler” nur Sachverständige interessiert

  • Dieter Loibner
 • Publiziert am 19.08.2011

Carlo Borlenghi/Rolex „Rán” geht ran: erste erfolgreiche Titelverteidigung beim Fastnet seit 1957

Es mutet wie eine langweilige Formalität an, doch in dem diesjährigen, von Bruch gekennzeichneten Fastnet Race gibt es einen offiziellen Gesamtsieger nach berechneter Zeit (IRC-Handicap), der auch den begehrten Fastnet Challenge Cup in Empfang nehmen darf. Das ist diesmal wieder „Rán” (GBR), ein 72-Fuß-Judel/Vrolijk&Co-Design, das dem Skype-Gründer Niklas Zennström gehört und dieses Rennen schon 2009 gewonnen hatte. „Rán” schlug den weitaus größeren Supermaxi „Icap Leopard” (GBR) um 4 Stunden und 38 Minuten. Dritter wurde der US-Minimaxi „Vanquish”. Als die erste Yacht seit 1957, die zwei aufeinanderfolgende Fastnets gewinnen konnte, befindet sich „Rán” in prominenter Gesellschaft mit Booten wie „Jolie Brise” (1929, 1930), Olin Stephens’ „Dorade” (1931,1933), „Myth of Malham” (1947, 1949) und zuletzt „Carina II” (1955, 1957). Gestern waren von den 313 gestarteten Booten noch 168 im Rennen, während 39 aufgegeben haben.

Niall Duffy/West Cork Photo Eingeschleppt und aufgerichtet: Das Wrack der "Rambler" wird von Sachverständigen auf die Gründe des Kielverlustes untersucht

Der spektakulärste Ausfall war mit Sicherheit die 100 Fuß lange ”Rambler 100”, die hier wohl auf- und abgeräumt hätte, wäre ihr nach der Wendemarke beim Fastnet Rock nicht der Kiel abhanden gekommen. Bei gerade mal 6 Windstärken. Das Boot, das vor der Kenterung einen Schätzwert von etwa 10 Millionen US Dollar hatte, wurde geborgen, eingeschleppt, aufgerichtet und schwimmt nun mit einem hässlichen Maststummel, dort, wo vorher das turmhohe und sündteure Kohlefaserrigg gestanden hatte. Der nach der Kenterung auf offener See treibende Rumpf stellte ein Kollisionsrisiko dar und wurde deshalb in den vergangenen Tagen von der irischen Marine begleitet. Die "Irish Times" berichtet, dass „Ramblers” Eigner George David zu seinem Schiff zurückkehrte, um den Zustand der Yacht zu beurteilen und die Möglichkeit der Bergung von Wertsachen und persönlichen Dokumenten zu prüfen.

Nun sind die Sachverständigen vom Marine Casualty Investigation Board an der Reihe. Sie wollen feststellen, wie’s zum Verlust der Ballastbombe kommen konnte, der der Kenterung vorausgegangen war. Damit wird die Diskussion um die Sicherheit von extrem schnellen und leichten Rennyachten zu einem pikanten Zeitpunkt ins Licht gerückt, denn im November beginnt das Volvo Ocean Race mit den Volvo Open 70, die beim Entwurf von „Rambler 100” Pate gestanden haben.

Carlo Borlenghi/Rolex „Rambler" am Start. Die Ähnlichkeiten zu den VO 70 sind unübersehbar

Wer sich „Rambler” etwas genauer anguckt, kann die Parallelen nicht übersehen: Knickspant, breites Heck, Doppelruder, Neigekiel, Steckschwerter und jede Menge Segelfläche. „Ramblers” Konstrukteur Juan Kouyoumdjian, der auch drei neue Boote fürs kommende VOR gezeichnet hat, beharrte in einem früheren YACHT-Interview darauf, dass moderne Fertigungsmethoden Extremkonstruktionen zwar leicht, aber auch robust machen. „Solche Boote müssen sicher sein. Sie sind auch extrem sicher. Die wahre Revolution findet bei den Konstruktionsmethoden oder bei der Chemie der Harze statt. Die Bootsbauer arbeiten heute viel genauer und sind mit den neuesten Prepreg-Methoden bestens vertraut.”

Tim Wright Wellen als Sprungschanzen: „Rambler" hebt bei hoher Geschwindigkeit regelrecht ab. Bei der Landung treten extreme Schocklasten auf

Die Kommission wird untersuchen, ob beim Kielbruch von „Rambler 100”, die 2008 als „Speedboat" vom Stapel gelaufen war, Material- oder Baufehler vorliegen und dabei die gesamte Crew und das beteiligte Rettungspersonal befragen sowie mit den Behörden auf den Cayman-Inseln zusammenarbeiten, wo das Schiff registriert ist. Der ausrichtende Royal Ocean Racing Club hat seine Zusammenarbeit zugesagt, will jedoch seine eigene Untersuchung anstellen.

Der Vorfall verlief glimpflich, denn die meisten der 21 Crewmitglieder überlebten die Kenterung unverletzt. Alle trugen Rettungswesten, und viele hatten ein spezifisches Sicherheitstraining hinter sich. Lediglich Wendy Touton, die Gefährtin Davids, und eine der fünf Segler, die nach der Kenterung über Bord gegangen waren und Stunden im Wasser trieben, musste nach ihrer Bergung von der Küstenwache mit Unterkühlung ins Krankenhaus geflogen werden.

Carlo Borlenghi/Rolex Rivalen auf See: „Ramblers" Eigner George David (l.) und Mike Slade, der „Icap Leopard" befehligt

Eine andere Frage, die im Rahmen der Untersuchung geklärt werden soll, betrifft die Tatsache, dass etliche im Rennen befindliche Yachten an den Schiffbrüchigen vorbeisegelten. Groteskerweise soll der Supermaxi „Icap Leopard”, der zum Zeitpunkt des Vorfalls unmittelbar hinter „Rambler” gelegen war, als Erster die Rennleitung verständigt haben, ohne freilich den Kurs zu ändern. Mike Slade, Eigner des Schiffes und langjähriger Rivale von David, sagte laut Bericht der "Irish Times", man habe an Bord seines Bootes gewusst, dass "Rambler" ein Problem habe, sei sich „über das volle Ausmaß” jedoch nicht klar gewesen, weil dichter Nebel herrschte.

Rick Tomlinson/www.bluegreenpictures.com Kenterung mit Rockstar: Simon Le Bons Maxi „Drum" verlor beim Rennen von 1985 Kiel und Balance. Alle wurden gerettet, und das Boot nahm am Fastnet 2005 teil. Es kam abermals nicht ins Ziel, doch der Kiel blieb dran

Abgefallene Kiele mit folgender Kenterung sind beim Fastnet nicht neu. Schon 1985 verlor der Maxi „Drum” seinen Ballast und kenterte samt Eigner Simon Le Bon, dem Leadsänger der Popgruppe Duran Duran. Le Bon und fünf Crewmitglieder waren damals für 20 Minuten im gekenterten Boot eingeschlossen und mussten von der Royal Navy gerettet werden.


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