Regatta-News
Rekordjagd beim Rolex Fastnet Race?

Hochseeklassiker startet am Sonntag, dem 10. August in Cowes/England

  • Lars Bolle
 • Publiziert am 08.08.2003

C. Borlenghi Der Fastnet Rock

Der Fastnet Rock ist Wendemarke und Namensgeber zugleich im Rolex Fastnet Race, das am kommenden Sonntag (10. August) in Cowes auf der Insel Isle of Wight in Südengland gestartet wird. Mehr als 230 Yachten, darunter einige deut-sche, haben für den Klassiker unter den Hochseeregatten gemeldet.

Das Rennen führt über 608 Seemeilen nach Plymouth in der Grafschaft Devon und gilt seit 1925 als besondere Herausforderung. "Da konnte ich doch nicht nein sagen", erklärt der Hamburger Tim Kröger, warum er nach America’s Cup und Atlantiküber-querung nun auf eine Mittelstrecke geht. Drei Wochen vor seinem 39. Geburtstag wurde der Segel-Profi von einem Favoritenteam angeheuert. Es ist die englische "Skandia Set Sail", die jüngst als "Team 888" bei der DaimlerChrysler North Atlantic Challenge (DCNAC) von Newport/USA nach Hamburg Zweite wurde. Das Boot vom Typ Open 60 war als "Kingfisher" unter Ellen MacArthur berühmt geworden, die mit ihm solo als beste Frau bei der Vendee Globe rund um die Welt zweite geworden war.

Die Open 60’s sind bauartbedingt besonders unter Raumschotsbedingungen enorm schnell. Dadurch könnten sie bei günstiger Wetterlage mit um die Ehre des ""First Ship Home", dem ersten Schiff im Ziel, segeln und eventuell sogar den Streckenre-kord für Einrumpfboote angreifen, den die "RF Yachting" 1999 mit zwei Tagen, fünf Stunden, acht Minuten und 51 Sekunden aufstellte. Das wollen indes auch die ganz Großen der Klasse Super Zero, angeführt von der "Zephyrus V" aus den USA als schnellstem Schiff laut Rennwert (Handicap-Faktor). Sie hatte im Juni bei einem Weltrekordversuch während der DCNAC durch Materialschäden aufgeben müssen und will sich nun beweisen.

Für neue Rekorde braucht es jedoch möglichst viel Wind — nur nicht zuviel. So wie 1979, als das Fastnet Race traurige Berühmtheit erlangte, weil 15 Segler im einem Orkan in der Irischen See ihr Leben ließen. Inzwischen sind die Sicherheitsvorkeh-rungen allerdings derart verbessert worden, dass der Royal Ocean Racing Club (RORC) als Veranstalter nur ausgezeichnet vorbereitete und erfahrene Mannschaf-ten an den Start lässt. So wie das Team der Baltic 52 "Hexe" von Norbert Plambeck aus Cuxhaven oder der Kieler IMX-38 "Xenia" von Jürgen Bisch, die auf Basis der Handicap-Wertung nach berechneter Zeit durchaus Chancen auf dem Gesamtsieg haben.

Schlüsseljahre in der Geschichte des Rennens

1925 - 15. August - 7 am Start - 4 im Ziel - Start von Ryde auf der Isle of Wight aus
Der 56-Fuß-Kutter "Jolie Brise" legt die Strecke in sechs Tagen, 14 Stunden und 45 Minuten zurück, 20 Stunden vor der zweitplazierten "Gull". Nach dem Rennen wird der Ocean Racing Club (heute RORC) gegründet.
(Hinweis: Die "Jolie Brise" hat in diesem Jahr an der Cowes Week teilgenommen.)

1926 - 14. August - 9 am Start - 7 im Ziel - Start von Cowes auf der Isle of Wight aus
Die amerikanische Yacht "Primrose IV" ist die erste ausländische Teilnehmerin. Die Siegerzeit von 3 Tagen, 19 Stunden und fünf Minuten der "Hallowe’en", eines 50-Fuß-Einzelbaus von Fife, wurde bis 1967 nicht unterboten.

1931 - 11. August - 17 am Start - 15 im Ziel
Sechs amerikanische Yachten nehmen teil, und die von Olin Stephens konstruierte und gesteuerte "Dorade" gewinnt. Die ersten vier Boote queren die Ziellinie binnen weniger Minuten. "Dorade" wird zwei Jahre später erneut gewinnen und Stephens mit "Stormy Weather" in 1937. Erster tragischer Todesfall bei der Regatta: Colonel Hudson wird von Bord seiner "Maitenes II" gespült.

1947 - August - 29 am Start - 9 im Ziel
Erstes Rennen nach Kriegsende und Sieg der ersten speziellen Hochseesegelyacht, der "Myth of Malham" von John Illingsworth, konstruiert von Laurent Giles. Sein Boot siegte erneut in 1949.

1959 - 8. August - 59 am Start - 43 im Ziel
Der Admiral’s Cup des RORC wird international ausgeschrieben und beschert damit dem Fastnet Race als letzte Wettfahrt des Cups zusätzliche Aufmerksamkeit. In den folgenden 38 Jahren gewinnt das Fastnet Race fast immer ein Boot aus der hart kämpfenden Admiral’s Cup-Flotte.

1979 - 11. August - 303 am Start - 105 im Ziel
Das schlimmste Rennen in der Geschichte der Regatta. Furchtbare Stürme und mörderische Wellenberge zwangen viele Yachten zur Aufgabe. Dabei gab es 15 Todesfälle. Der anschließende Katastrophenbericht erwirkte radikales Umdenken im Hinblick auf die Sicherheitsanforderungen und für die Teilnahme vorgeschriebene Mindesterfahrung.

1999 - 7. August - 216 am Start - 177 im Ziel
Größere und schnellere sowie Mehrrumpfboote verkürzen die benötigte Zeit für den Kurs. Ross Fields 80-Füßer "RF Yachting” setzt einen neuen Rekord für Einrumpf-boote mit zwei Tagen, fünf Stunden und acht Minuten. Loick Peyrons 60-Fuß-Trimaran schaffte die Strecke in einem Tag, 16 Stunden und 27 Minuten bei einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 15,08 Knoten.

2001 - 12. August - 222 am Start - 190 im Ziel
Rolex wird Titelsponsor des Fastnet Race. Viele Boote, die auf dem Weg zur Ameri-ca’s Cup-Jubiläumsregatta in Cowes sind, nehmen teil, darunter der Sieger nach gesegelter Zeit, "Stealth", die von Frers konstruierte Yacht des mittlerweile verstor-benen Gianni Agnelli.


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Themen: FastnetRolex

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