Segeln olympisch
Radikale Regeln für den Segelsport

Der olympische Segelsport rüstet sich für die Zukunft, will mit radikalen Regeln mehr Spannung erzeugen. Der Kurs ist umstritten

  • Tatjana Pokorny
 • Publiziert am 27.05.2013

Sander von der Borch/DLR Erik Heil und Thomas Plößel vor Medemblik: Kampf mit den Elementen und dem neuen radikalen Regelwerk

Der olympische Segelsport steht am Scheideweg: Auf dem Kurs in eine gesicherte und attraktive olympische Zukunft greifen die Veranstalter der Welt- und Europaserien zu radikalen neuen Regeln – so wie in der vergangenen Woche bei der Delta Lloyd Regatta. Aber auch zur Kieler Woche wird alles anders sein als bisher.

Am Beispiel der 49er-Segler lässt sich aufzeigen, wie brutal das neue Reglement sein kann: Gesegelt wurden in Holland eine Qualifikation mit acht Rennen, eine Finalserie mit acht Rennen und der Abschluss mit drei Medaillenrennen, für den sich nur die acht besten Teams aus dem Hauptfeld qualifizieren konnten. Bislang nahmen die Teinehmer am Medaillenrennen bis auf die Streicher alle Ergebnisse mit in die entscheidenden Wettfahrten. Nun ist es nur noch der Durchschnittswert aller 16 bis zu den Medaillenrennen absolvierten Wettfahrten, den die Finalisten im Wert einer einzigen Wettfahrt mitnehmen dürfen. "Auf den Punkt gebracht: Es zählt fast ausschließlich der letzte Tag", sagt Erik Heil, "jedoch werden alle drei Medaillenrennen mit in die Gesamtwertung genommen."

Sander von der Borch/DLR Auf radikalem Regelkurs: 49er-Team Erik Heil und Thomas Plößel bei der Eurosaf-Regatta vor Medemblik

Was die Veranstalter auf ihrem Kurs erreichen wollen ist klar: Vorzeitige Gesamtsieger oder gar nicht antretende Gewinner soll es künftig nicht mehr geben. Jedes an den Medaillenrennen teilnehmende Team soll möglichst mit Siegchance antreten. Nach dem Vorbild anderer Sportarten sollen die Entscheidungen auch im olympischen Segelsport erst am Finaltag fallen, zugunsten von mehr Spannung und damit auch mehr Interesse von Öffentlichkeit und Medien. Der ultimative Showdown ist das erklärte Ziel.

Das Problem: Der Segelsport ist nicht mit anderen Sportarten vergleichbar, weil Resultate maßgeblich von Wind und Wetter mitbestimmt werden. Die äußeren Bedingungen sind im Segelsport wichtiger als in anderen Sportarten. Es gibt Stark- und Leichtwindexperten. "Für uns werden die Eurosaf-Events in einem schwierigen und nicht ganz fairen Modus ausgetragen", sagt Erik Heil. Gleiches gilt für die Weltcup-Regatten, die sich eine ähnlich radikale Rosskur verordnet haben.

Marina Könitzer Moana Delle: "Die Besten unter allen Bedingungen sollten gewinnen"

Im olympischen Teil der Kieler Woche vom 22. bis 26. Juni – erstmals nicht mehr als Weltcup-, sondern als Eurosaf-Regatta ausgeschrieben – geht es in diesem Jahr ebenfalls gnadenlos zur Sache: Nur die sechs besten Mannschaften ziehen nach Vorläufen und Hauptrunde in die Medaillenrennen ein, nehmen alle bis dahin ersegelten Ergebnisse nur als Durchschnittsergebnis im Wert einer einzigen Wettfahrt mit. Moana Delle sagt: "Es ist drei Jahre vor den nächsten olympischen Spielen sicher okay zu experimentieren, aber ich empfinde die neuen Formate als willkürlicher. Die Besten unseres Sports sollten sich unter verschiedenen Bedingungen mit der besten Gesamtleistung durchsetzen."

Bei der Eurosaf-Regatta vor Medemblik konnten sich nur wenige deutsche Mannschaften in Szene setzen. Keine deutschen Starter gab es in den Disziplinen Finn-Dinghy, Laser, Laser Radial und Nacra 17. Als beste DSV-Teams rockten Tina Lutz (Chiemsee Yacht Club)/Susann Beucke (Hannoverscher Yacht Club) und Victoria Jurczok/Anika Lorenz vom Verein Seglerhaus am Wannsee das kleine Feld von nur 13 49er-FX-Teams, stürmten das Podium und belegten die Plätze eins und zwei. Tina Lutz und Susann Beucke gewannen im Stile von Champions, entschieden zwei Medaillenrennen für sich. Auch Erik Heil und Thomas Plößel zeigten mit Platz vier, dass sie inzwischen konstant in der Weltspitze segeln und aus gutem Grund zu den Olympiahoffnungen für Rio 2016 zählen.

tati Tina Lutz und Susann Beucke


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