America's Cup
Premiere mit einigen Pannen

Acht Teams mit neun Booten nahmen in Cascais Anlauf zum ersten Akt der America’s Cup World Series. Nach einem flauen Tag führt Neuseeland

  • Dieter Loibner
 • Publiziert am 07.08.2011

Gilles Martin-Raget/ACEA Bei Null und Nebel: Katzengleich hängt ein Crewmitglied am Bugspriet, direkt vor der Kamera, um den Gewichtstrimm bei Leichtwind zu optimieren

Nebel. Kein Wind. Dann wenig Wind. Wegen eines angeblichen Lizenzproblems keine Live-Bilder in Deutschland und Schweden. Stark unterschiedliche Qualität der Teams. Ausfall eines Bildschirms auf einem der beiden Oracle-Racing-Boote. Trotz schriller PR und hoher Kameradichte: Es war nicht der Bilderbuchauftakt, den sich die Verantwortlichen für die ACWS gewünscht hatten.

Gilles Martin-Raget/ACEA Doppeltes Oracle: Russell Coutts (r.) und James Spithill (4) vertreten die Farben des Cupverteidigers, auch wenn's gestern nicht immer rasend schnell ging

Ja, der Start zum nächsten America’s-Cup-Zyklus mit den AC-45-Flügelrigg-Kats und frischen Ideen ist gestern erfolgt. Vieles ist neu (siehe unten) und muss sich erst einpendeln. Dennoch bleiben alte Wahrheiten bestehen: Das Wetter ist weiterhin nicht käuflich. Und alles andere entscheidet das Budget. Die Topteams wie Team New Zealand, Artemis Racing und Oracle haben die größten Ressourcen, die aufwändigste Vorbereitung, die besten Segler und Designer und sind deshalb – zumindest hier und jetzt – unter sich.

Gilles Martin-Raget/ACEA Los geht's: Neun AC 45 machen sich im Nebel von Cascais auf den Weg

Dean Barker und seine Kiwi-Crew liegen nach drei nebelig-leichten Läufen im grauen Cascais einen Punkt vor Artemis Racing und Terry Hutchinson, fünf vor Oracle Racing mit Russell Coutts und sechs vor dem wahren Dominator, James Spithill, der das zweite Oracle-Boot pilotiert. Spithill, der ja schon den riesigen BMW-Oracle-Trimaran beim letzten Cup zum Sieg über Alinghi gesteuert hatte und oft mit seinem australischen Landsmann Glenn Ashby segelt (z. B. auf F-18- oder C-Klasse-Katamaranen), gilt in diesem Feld als einer der Stärksten. Er führte auch alle drei Wettfahrten an, durfte aber nur zwei gewinnen, weil er in der ersten wegen eines Startvergehens disqualifiziert wurde.

Gilles Martin-Raget/ACEA Nahtloser Übergang: Team New Zealand war früher auf den Kielbooten schon immer gut und führt nach drei Läufen bei der ACWS

Dabei, so ließ Spithill verlauten, ließ ihn die neue Technik, mit der an Bord Strafen angezeigt werden, im Stich. „Wir hatten ein Problem mit dem Bildschirm: Er war schwarz”, erklärte der Australier. „Offenbar haben wir vor dem Start den Kurs verlassen und bekamen dafür zwei Minuten vor dem Schuss einen Strafkringel aufgebrummt. Der Schirm erwachte auf dem Vorwindgang, aber da war’s längst zu spät. Wir hatten ein paar Probleme, die Bugs im System auszusortieren.”

Gilles Martin-Raget/ACEA Spannung im Verkehr: Die Boote manövrieren vor dem Raumschotstart, der bei mehr Wind mehr Spaß für die Zuseher verspricht

Barker sah die Sache entspannter. „Fühlt sich anders an bei leichtem Wind”, sagte der Steuermann der führenden Neuseeländer hinterher. „Aber ich finde es gut, dass diese Boote bei solchen Verhältnissen segeln können.” Dabei musste ein Crewmitglied auf den Bugspriet klettern, um das Gewicht möglichst weit nach vorn zu verlagern und damit die benetzte Fläche zu verringern. Doch als die Windstärke auf nullkommajosef fiel, half auch das nicht, und der erste Versuch wurde abgebrochen.

Gilles Martin-Raget/ACEA Lärm in der Luft: Tieffliegende Kamerahubschrauber machten es den Seglern oft schwer, sich untereinander zu verständigen

Später gab’s dann gerade mal genug Brise, um drei Wettfahrten über den Parcours zu bringen. Dabei waren die Raumschotstarts den meisten Crews noch etwas rätselhaft, und der bessere Druck unter Land ließ wenig taktische Finessen zu. Ganz hinten, wo so mancher eher mit sich und der Materie kämpften als mit dem Gegner, waren die Abstände anfänglich fast episch. Green Comm, das spanische Team, das ohne nennenswertes Training in diese Regatta ging, beendete die erste Wettfahrt fast neun Minuten hinter dem offiziellen Sieger Artemis Racing, der insgesamt 28 Minuten benötigte. Aber auch dazwischen gab es teilweise große Abstände von Boot zu Boot, was einerseits den marginalen Windverhältnissen zuzuschreiben war, andererseits dem unterschiedlichen Vorbereitungsstand der Teams.

Gilles Martin-Raget/ACEA Gut dabei: Kielbootsegler Terry Hutchinson hat sich u. a. bei der Extreme Sailing Series vorbereitet und liegt mit Artemis Racing derzeit auf dem zweiten Platz

Am tapfersten von den AC-Neulingen schlug sich gestern Team Korea, das eigentlich ein angelsächsisches Boot (mit vier Engländern und einem Neuseeländer) unter koreanischer Flagge ist. Steuermann Chris Draper, bekannt als Weltklassemann im 49er, ließ sich von den Stars der Szene nichts gefallen und belegte mit den Plätzen 5, 7, und 4 den fünften Zwischenrang, einen Platz vor China Team, bei dem der allseits bekannte Mitch Booth das Ruder in der Hand hat. Am Ende des Klassements findet man die unroutinierte Crew von Green Comm, die mehrheitlich aus Jollenseglern besteht und in der dritten Wettfahrt gut begann, doch im Laufe des Geschehens nach hinten durchgereicht wurde.

Gilles Martin-Raget/ACEA Wacker: Team Korea, ganz ohne koreanische Segler, hält Platz 5

Der Speedwettbewerb, der auf einer 500-Meter-Messstrecke stattfinden soll, wurde wegen akuten Windmangels vertagt. Auf dem Programm steht für heute offiziell nur ein 40-Minuten-Fleetrace, doch wenn's die Verhältnisse zulassen, dürfte mehr gesegelt werden. Am Mittwoch beginnen die Matchraces der Veranstaltung, die noch bis Sonntag, den 14. August dauern wird.

Leichte Winde zum Auftakt der Serie vor Cascais

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