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Pechvogel "Grey Goose"

Nach einer Nacht unter Trysegel ist die größte Yacht auf den letzten Platz zurückgefallen.

  • Lasse Johannsen
 • Publiziert am 22.06.2007

HSH Nordbank blue race/N. Krauss Schwer gebeutelt. "Grey Goose" (hier beim Training vor dem Start) verlor im Sturm die Genua 4, das Groß wurde beschädigt

Hartes Wetter und eine Reihe von Pannen machte aus dem stolzen Schwan des Co-Sponsors Tobias König eine traurige Gans. Der ehrgeizige Plan, "First Ship Home" zu werden, ist wohl nicht mehr durchführbar. Was ist passiert?

Der anfangs noch im Spitzenfeld liegende Maxi humpelt seit zwei Tagen Richtung Point Alpha. Geschwindigkeiten von kaum mehr als 9 Knoten zeichnet das Ortungssystem auf. Offenbar eine Folge konservativer Sturmtaktik und kleinerer Pannen.

"Ein Tag voller Reparaturen!" schrieb Navigator Wulf F. Mehner gestern am späten Abend. "Die 55 Knoten Wind in der Nacht waren nicht ohne Ergebnis: Gross am Kopfbrett beschädigt, 3 Latten gebrochen. Genua 4 aus den Lieken geflogen" so Mehner weiter.

Die Genua ist wohl völlig hin, und das Großsegel mochte die Crew wegen der ruppigen See nicht reparieren. Die Folge: "Wir mussten uns den ganzen Tag mit Trysegel quälen — eine traurige graue Gans mit gestutzten Flügeln." Damit dümpelt "Grey Goose" nach berechneter Zeit am Ende der Rangliste.

Die große Swan war eigentlich ein Kandidat für die zweite Startgruppe. Durch einen Vermessungstrick war es dem Hamburger Eigner Tobias König jedoch gelungen, das Boot in die erste Gruppe zu bringen, wo es der Papierform nach mit Tilmar Hansens "Outsider" zu den schnellsten zählt. Erklärtes Ziel war, als Erster in Cuxhaven bzw. Hamburg einzulaufen. Dies scheint inzwischen aussichtslos.

Ohnehin hätte es glücklicherer Bedingungen bedurft: Mit ihren 44 Tonnen ist die Swan den leichten Gleitern "Outsider" und "Chieftain" auf raumen Kursen hoffnungslos unterlegen. Nur Amwind hätte sie aufgrund der höheren Rumpfgeschwindigkeit eine Chance gehabt. Die Bedingungen sind jedoch nicht danach.

An Bord sieht man den Rückschlag dennoch sportlich: "Wir sind wieder im Rennen!" endet die Mail der Graugans, nachdem das reparierte Groß am Morgen wieder gesetzt werden konnte.

Derweil kündigt sich eine Veränderung der Wetterlage im Regattagebiet an, die den Abstand des Feldes von "Otsider" und "Chiftain" weiter vergrößern könnte: Eine Schwachwindphase ab Sonnabend oder Sonntag. Dem Schwachwindfeld könnten die beiden Spitzenreiter, die weit vor der Flotte liegen, knapp entgehen. Der Rest des Feldes aber parkt ein.

Wetterexperte Dr. Meeno Schrader: Ein Hoch bei den Azoren, klassisch dort festliegend, bringt sich ab Sonnabend mehr und mehr ins Spiel. Es will sich ausdehnen und eine Brücke schlagen bis weit in den Norden, wo auf 60 Grad N ein anderes Hoch liegt. Wenn die beiden Gebiete sich vereinen, tut sich ein tiefer Graben auf — in Form eines riesigen windschwachen Gebietes."

Die Schwachwindzone erstreckt sich nach Ansicht des erfahrenen Wetterrouters von weit südlich der Azoren bis nach Island und kann sich zwischenzeitig auf das gesamte Gebiet zwischen 30 und 40 Grad W ausdehnen. "Die Schnellen", so Schrader, "werden dadurch wahrscheinlich noch schneller. Chieftain und Outsider haben die Chance, es noch vorher auf die andere Seite zu schaffen.“


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