Regatta-News
Party nonstop in St. Lucia

Die 20. Atlantic Rally for Cruisers (ARC) neigt sich dem Ende zu

  • Petra Krumme
 • Publiziert am 12.12.2005

Annähernd im 15-Minuten-Takt laufen sie jetzt in die Rodney Bay Marina ein. Gegen 9 Uhr hatten es 157 Yachten über die Ziellinie geschafft, und die Crews begannen mit den obligatorischen Feiern. In erster Linie erleichtert, denn am Ende war es eine eher ungewöhnliche ARC, die mit sehr unbeständigem Wetter Nerven und Material der Teilnehmer strapazierte.

Zunächst hatte es nach einem sehr unspektakulären Atlantikrennen ausgesehen. Nachdem die 222 Yachten am 20. November bei Sonnenschein gestartet waren, schien der Passatwind die Segler dieses Jahr lediglich ein paar Tage zu spät gen Westen zu schieben.

Doch dann teilte sich das Feld: Crews, die sich für eine südlichere Route entschieden hatten, mussten tagelang in schwachen Winden dümpeln. Dafür trafen heftige Böen aus westlichen Richtungen die Yachten im Norden umso härter. Ein Teil wechselte daraufhin schleunigst zu der übrigen Flotte gen Süden, einige mussten aber sogar auf den Kapverden stoppen, um technische Defekte infolge der Materialbelastungen zu reparieren. Die „Oystercatcher XXV“ verlor ihren Mast.

Erst am zehnten Tag erreichte den Großteil der Flotte die lang ersehnte Brise — zunächst noch bei strahlender Sonne. „Ein weiterer wunderbarer Tag“, so der Bericht von Bord der australischen Yacht Whitehaven. „Heiß, klarer Himmel, 15 Knoten Wind.“

Doch die für die tropischen Breiten typischen Gewitter und starken Böen ließen nicht lange auf sich warten. Eine stationäre Wetterfront brachte grauen Himmel, Regen, Gewitter und Wellengang. Und das, nachdem viele Crews in der windarmen Zeit zu Beginn schon lange motort waren und sich neben Diesel auch die frischen Nahrungsmittel dem Ende zuneigten. Zudem verursachte der tropische Hurrikan Epsilon, der etwa 900 Meilen von der Flotte entfernt wütete, eine unangenehme, starke Dünung.

Chris Dyson berichtete von Bord der Bénéteau First 40.7 „Lazy Dawn“: „Erst stirbt der Wind, dann dreht er 50 Grad nach rechts oder links, und es fängt an zu regnen. Aber kein Getröpfel, sondern es ist, als würde jemand über dir 5 Gallonen Wasser über den Kopf schütten. Du siehst nichts, und die Segel stehen alle falsch, weil der Wind gedreht hat. Die See ist total aufgewühlt, keine langen Wellen mehr, sondern kurze , die das Boot von allen Seiten packen. Das ist mehr Waterrafting in einem Laser als Ozeansegeln auf einer 40-Fuß-Yacht.“

Die Schiffe, die dieser Tage in der Rodney Bay Marina einlaufen, sind zum Teil deutlich von den extremen Bedingungen gezeichnet. Doch trotz vieler gerissener Segel und Schlafmangel ist die Stimmung auf St. Lucia aber auf dem Höhepunkt. Welcome-Partys, Erlebnisberichte, Ausspannen, Trubel an Bord, Empfang für neue Ankömmlinge — für viele, die an der ARC teilnehmen, ist dieses typische Flair am wichtigsten. „Wir haben die ARC ein Jahr lang vorbereitet und sind gar nicht so glücklich, dass sie schon vorbei ist“, so ein Segler.

Die meisten Yachten brauchten diesmal etwa 21 Tage — durchschnittlich zwei bis drei Tage länger als bei früheren Atlantic Rallys.


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Themen: ARCAtlantic Rally for Cruisers

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