Segeln olympisch
Olympioniken werden zu Müllarbeitern

Schlimmer als die Algenpest vor Qingdao, dreckiger als die verschmutzten Gewässer von Pusan: Rios Olympiarevier im Kreuzfeuer der Kritik

  • Tatjana Pokorny
 • Publiziert am 10.12.2013

Thomas Rein/Team Heil/Plößel Die 49er-Crew Erik Heil/Thomas Plößel beim aktuellen Training im Olympiarevier vor Rio de Janeiro: Sauberes Wasser sieht anders aus

Olympischen Segelspaß in Rio de Janeiro hatte man sich ganz anders vorgestellt. Derzeit ist Trainingssieger, wer am wenigsten Müll überfährt. So beschreibt nicht nur 49er-Steuermann Erik Heil die aktuellen Zustände im Olympiarevier vor Rio de Janeiros Marina da Gloria. Von Glanz und Gloria kann hier noch keine Rede sein. Es bleibt fraglich, ob die Organisatoren ihre Versprechen halten und das Revier bis zum September 2016 nachhaltig werden säubern können.

privat Erik Heil und Thomas Plößel wollen 2016 vor Rio de Janeiro um eine olympische Medaille kämpfen

"Wir haben hier schon Plastiktüten, eine Holztür, Baumstämme, Umzugskartons und Schuhe gesehen, der brasilianische Trainer sogar eine ganze Kuh", berichtet der Weltranglisten-Fünfte Erik Heil aktuell aus Rio de Janeiro. An manchen Stellen, so der Weltcup-Sieger, gäbe es wahre Müllteppiche zu umkurven. "Unsere Strategie wurde weitgehend von diesen Bereichen abhängig gemacht." Es gäbe zwar Tage, an denen das Revier segelbar sei, doch an anderen "geht es einfach nur darum, weniger Müll als der Rest zu überfahren, wenn man Rennen gewinnen will. An solchen Tagen bin ich im Mast hochgeseilt, um mehr Wasser sehen zu können."

2012euros.49er.org/ 49er-Bronzemedaillengewinner Alan Norregaard (mit Vorschoter Thomsen) äußerte sich kritisch über das brasilianische Olympiarevier

Aus Seglerkreisen hagelt es Kritik für das Revier entlang von Rios Traumstränden. "Ich segele seit 20 Jahren in der ganzen ganzen Welt, doch das hier ist der meist verschmutzte Ort, den ich je erlebt habe", sagte Alan Norregaard der amerikanischen Presseagentur AP. Der dänische Bronzemedaillengewinner der Olympischen Spiele 2012 bedauerte den Revierzustand: "Es ist eine Schande, weil es eine so schöne Region und Stadt ist, aber das Wasser ist so verschmutzt, so dreckig und voller Müll." Eine mehrwöchige AP-Dokumentation ergab, dass etwa 70 Prozent von Rios Müll direkt und ungefiltert in die umliegenden Gewässer geleitet wird.

Martine Soffiatti Grael, Tochter des fünfmaligen olympischen Medaillengewinners Torben Grael, berichtete: "Ich bin hier groß geworden. Aus meiner Sicht ist es immer nur schlimmer geworden. Die Regierung sagt, dass sie einige Programme zur Säuberung der Bucht hat, aber ich konnte seit dieser Ankündigung noch keine Fortschritte erkennen."


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Themen: Alan NorregaardErik HeilMartine Soffiatti GraelOlympische Spiele 2016Rio de Janeiro

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