Minitransat, Mini-Fastnet
Offshore Team Germany: Aufschlag für deutsches Doppel

Barcelona World Race, Vendée Globe, Volvo Ocean Race: Ein neuer Hochseesegel-Rennstall will den deutschen Segelsport an die internationale Spitze bringen

  • Lars Bolle
 • Publiziert am 16.06.2017
Jörg Riechers und Robert Stanjek Jörg Riechers und Robert Stanjek Jörg Riechers und Robert Stanjek

Jens Kuphal Jörg Riechers und Robert Stanjek

Die Pläne der neuen Initiative im deutschen Hochseesegeln, des Offshore Team Germany, sind gewaltig. Im Herbst diese Jahres will Jörg Riechers mit seinem Mini "Lilienthal" nicht nur am Minitransat teilnehmen, sondern dies auch gewinnen. In der Roadmap steht weiterhin die Teilnahme an der Vendée Globe 2020, dem Einhand-nonstop-Rennen um die Welt, als härteste Regatta überhaupt anerkannt, an der noch nie ein Deutscher teilnahm. Ebenso das Barcelona World Race 2018, zweihand mit einer Unterbrechung um die Welt, danach, noch ohne Termin, das Volvo Ocean Race als deutsche Kampagne.

Offshore Team Germany

Um diese gleich vier Gipfel des Hochseesegelns zu erklimmen, haben sich zwei der besten Segler Deutschlands zusammengetan, die nach ihrer jeweiligen Vita zu urteilen gar nicht zueinander passen. Robert Stanjek war einer der besten Starboot-Segler, Weltmeister und Olympia-Sechster 2012. Danach wechselte der 36-jährige Berliner zum Hochseesegeln, absolvierte unter anderem die Ausbildung beim Team Brunel, dem niederländischen Teilnehmer am Volvo Ocean Race 2015, und gewann als Skipper und Steuermann unter anderem zwei Fastnet-Rennen sowie das Rolex Middelsea Race.

Jörg Riechers, einer der besten Einhandsegler Deutschlands, ist dagegen schon lange auf den Weltmeeren unterwegs, er gewann als erster Deutscher überhaupt eine Einhand-Transatlantikregatta. Mit dem Franzosen Sébastien Audigane wurde der 48-jährige Hamburger 2014 Sechster beim Barcelona World Race, gehörte zu den besten in der Szene der nur 6,50 Meter langen Classe Mini und der Class 40. Er stand dicht vor einer Teilnahme an der Vendée Globe 2016, als sein Sponsor absprang.

Lars Bolle Die Initiatoren des Offshore Team Germany: Manager Jens Kuphal, Jörg Riechers, Robert Stanjek (v. l.)

Beide haben Versuche eigener Hochseesegelkampagnen hinter sich, beide kamen bisher nicht zum Erfolg. Das soll sich nun ändern. Mit gebündelten Kräften und zusätzlichen Partnern haben sie einen Hochseesegel-Rennstall gegründet, das Offshore Team Germany. Einer der Partner ist der 53-jährige Berliner Jens Kuphal, ehemaliger Musikproduzent und Künstler-Manager, der unter anderem mit Stars wie Nena oder Stefan Raab gearbeitet hat – also jemand, der sich im Kampagnenmanagement auskennt und zudem leidenschaftlicher Regattasegler ist, in seiner Jugend viel auf dem Mittelmeer unterwegs war und seit zwei Jahren das Amt des Regattawartes des Berliner Yacht Clubs innehat.

JEAN MARIE LIOT/DPPI/VENDEE GLOBE Der Open 60 "Acciona" gehört zum Bestand des Rennstalls

Die Kampagne startet mit einem Mini 6.50, dem "Lilienthal", in Tunesien bei Magic Yachts gebaut, mit dem seit Anfang Mai trainiert wird. Er soll das Potenzial für einen Sieg beim Mini-Transat haben. Zugleich wurde ein Open 60 gekauft, die ehemalige "Acciona", ein Owen-Clarke-Design, 2011 in Neuseeland gebaut. Sie nahm an der Vendée Globe 2012 teil, kenterte wegen Kielverlusts im Februar 2013, 500 Seemeilen westlich von Madeira. Das Boot wurde zwar geborgen, stand danach aber vier Jahre lang verwaist in einer Lagerhalle, während sich die Versicherungen stritten. Mit ihm wollen Stanjek und Riechers das Barcelona World Race segeln, Riechers danach allein die Vendée Globe.

Zunächst aber steht für bei das Mini-Fastnet-Race an. Start ist am Sonntag in Douarnenez. Es geht über rund 600 Seemeilen um den Wolf Rock und Fastnet Rock zurück nach Douarnenez. In der Gruppe der Prototypen, in der auch Riechers/Stanjek mit ihrem "Lilienthal" antreten, starten 28 Boote, bei den Serienbauten 39.

Veranstalter Die Route des Mini Fastnet Race

Bei der vorangegangenen Einhandregatta Trophée Map war der "Lilienthal" bei einer Kollision vor dem Start schwer beschädigt worden. Das Boot wurde nach Lorient getrailert und dort in nur 48 Stunden von der Shorecrew repariert.

Der Rekord für das Mini-Fastnet steht bei 3 Tagen, 13 Stunden und 3 Minuten.

Das Race kann via Tracker live verfolgt werden.

Homepage des Offshore Team Germany.

Ein Interview mit Riechers, Stanjek und Kuphal über die konkreten Ziele, die Struktur des Rennstalls und die Finanzierung des Projekts lesen Sie in der aktuellen YACHT 14/2017, ab 21. Juni am Kiosk.

Offshore Team Germany Der lange Riss im Rumpf, darüber das mit Tape verschlossene Loch

OTG Die reparierte Bruchstelle des "Lilienthal"


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