The Transat Bakerly
Nordatlantik zu hart für Class 40?

Sie gelten als Arbeitspferde unter den Hochsee-Rennern. Doch mehr und mehr Class 40 gehen bei der Transatlantik-Regatta in die Binsen

  • Jochen Rieker
 • Publiziert am 18.05.2016

Imerys/P. Sharp Riss im Großsegel von Phil Sharp – das sich gestern Nacht völlig zerlegt hat

Was für ein Rennen?!!! Das Transat Bakerly von Plymouth nach New York wird in der Schlussphase seinem Image mehr als gerecht. Während die schnellen Maxi-Trimarane auf einem Kurs tief im Süden fast völlig unbehelligt von schlechtem Wetter und Westwindlagen segelten, erwischt es insbesondere die Class 40 knüppelhart. Kein Boot, das nicht multiple Schäden und technische Ausfälle zu beklagen hätte.

Nachdem die lange Zeit Führende, Isabelle Joschke, bereits am Freitag wegen Delamination aufgeben musste, zerlegt es jetzt der Reihe nach die Boote der anderen Solo-Skipper. Besonders schwer getroffen hat es den Briten Phil Sharp, der sich mit Thibaut Vauchel Camus einen packenden Zweikampf um die Spitze geliefert hatte, bis er nach und nach achteraus rutschte. Derzeit liegt er rund 60 Seemeilen zurück auf Platz 2 und hat "nur" noch 450 Meilen bis ins Ziel. Doch ob und wann er dort ankommt, erscheint mehr und mehr fraglich.

The Transat Bakerly Zerrissenes Feld

Seit Tagen funktioniert die Entsalzungsanlage nicht mehr; sein Vorrat an Frischwasser wird bedrohlich knapp. Der Beschlag der Stagfock ist mehrfach gerissen, und ob die provisorische Leinenverbindung hält, die Sharp schon diverse Male erneuern musste, ist ungewiss. Seine Mach 40 macht zudem Wasser – warum, hat der Hochseeprofi noch nicht genau lokalisieren können. Zu allem Übel riss sein Großsegel im oberen Drittel großflächig ein. Zunächst verband er Latten und das, was vom Achterliek übrig geblieben war, mit Leinen. Aber heute Nacht gab auch dieser "quick fix" nach. Einem Freund schrieb Sharp um 2 Uhr in der Früh per Mail: 

"my main has completely ripped in 2 pieces now and the bolt rope broken so it is just a useful flag flying behind the mast..  so just have to deal with foresails, but as of 1 hour the forestay came lose and i dont have a spare pin... oh and the engine has stopped working so imminent power issues unless i find problem.. f..k it.. ill try and win it anyway."

Mit welcher Entschlossenheit er diese Flut an Problemen bewältigt, ist beeindruckend. Kenner trauen ihm durchaus zu, dass er zumindest einen Platz auf dem Podium verteidigen kann. Er hat ja auch schon eine sechsstündige Zeitstrafe binnen weniger Tage egalisiert und sich wieder an die Spitze zurückgekämpft.

Auftrieb wird ihm geben, dass es auch bei seinen Konkurrenten nicht mehr reibungslos läuft. Der Erstplatzierte Vauchel-Camus hat seit gestern Abend ebenfalls Meilen liegen lassen. Phasenweise war er mit negativem VMG unterwegs, was auf eine längere Reparaturphase hindeutet. Allerdings behält er seine Probleme für sich. Derweil könnte sich der extreme Südkurs für Louis Duc auszahlen. Er war heute Morgen Schnellster im Feld der verbliebenen sieben Class-40-Yachten.

Anna Maria Renken auf "Nivea", die ihm in den Süden folgte, hat dagegen vorerst eingeparkt. Sie ist in ein Windloch gefahren und loggte zuletzt nur 1,9 Knoten.

Das Wetter wird den im Rennen verbliebenen Skippern in Kürze eine Verschnaufpause gewähren. Der Wind soll über Süd auf Ostnordost drehen. Endlich also wieder raume Bedingungen, für die die Class 40 eigentlich konstruiert wurden. Phil Sharp, der Mann ohne Groß, wird dankbar sein – solange sein Vorstag hält.


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Themen: Anna Maria RenkenBruchClass 40EinhandPhil SharpThe Transat BakerlyThibaut Vauchel Camus

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