Laser-WM
"Noch zwei Tage sauber arbeiten"

Die Laser-WM im Oman spitzt sich zu: Zwei Tage vor der Entscheidung überzeugte Philipp Buhl mit einem Weltklasserennen in leichten Winden

  • Tatjana Pokorny
 • Publiziert am 21.11.2013

Ist der Leichtwindknoten in Philpp Buhls Kopf endlich geplatzt? Am fünften WM-Tag der Laser im Oman überzeugte der 23-jährige Allgäuer mit einer starken Leistung in flauen fünf bis acht Knoten im ersten von sechs Finalrennen. Dabei lieferte sich der DSV-Steuermann mit dem Briten Nick Thompson nach gelungenem Start eine hochspannendes Duell an der Spitze der Goldflotte der besten 63 WM-Segler.

Mark Lloyd/Oman Sail Spitzenduell in WM-Wettfahrt neun: Nick Thompson vs. Philipp Buhl

Thompson hatte die Führung direkt nach dem Start übernommen, doch Buhl überrundete aus Position fünf an der ersten Wendemarke schnell drei Konkurrenten und griff den Briten an. Mit der besseren Positionierung auf der zweiten langen Kreuz erkämpfte sich Buhl vor dem letzten Vormwindgang die Führung, musste sie aber kurz vor dem letzten Gate mit einer Bootslänge Rückstand wieder abgeben. "Danach habe ich Nick so kurz vor dem Ziel nicht mehr attackiert, weil ich keine gelbe Flagge riskieren und lieber meinen zweiten Rang verteidigen wollte."

Mark lloyd/Oman Sail Bekämpfte in Rennen neun seine Leichtwindschwäche mit großem Erfolg: Philipp Buhl startete mit Rang zwei in die insgesamt sechs Finalrennen

Es war ein starker Finalauftakt für den Hoffnungsträger des deutschen olympischen Segelsports. "Sonst habe ich nach guten Qualifikationsrunden zum Auftakt einer Finalrunde gern einmal in die Röhre geschaut. Ich erinnere mich an meine erste Laser-WM: Da war ich nach der Qualifikation Fünfter, nach dem Finale 55. Das hier war endlich einmal ein guter Einstieg. Und es ist auch durchaus beruhigend, dass einige der Top-Segler heute ein paar mehr Punkte kassiert haben", sagte Buhl nach dem einzigen Rennen des Tages. Wettfahrt zehn musste aufgrund eines nahenden Gewittersturms abgesagt werden. Blitz, Donner und starke Sturmböen ließen am Donnerstag nicht nur ein Veranstaltungszelt, sondern auch einige Ausrüstung durch die Marina Al-Mussannah Sports City fliegen.

Bundestrainer Thomas Piesker hatte an diesem Tag endlich einmal nichts am Start seines Schützlings auzusetzen. Der war gelungen. Darüber freute sich vor allem Buhl selbst: "Ich wusste, dass ich in der Goldflotte endlich einmal einen guten Start umsetzen musste. Dafür braucht man eine Lücke. Und die habe ich mir heute zurechtgeboxt. Ich habe mich dann einen Tick weiter vorn als zuletzt positioniert. Da sieht man die Linie einfach besser – und kann mit dem Startsignal schneller anziehen. Daraus wurde eine Dreiviertel Bootslänge Vorsprung, mit der ich auf die rechte Seite gegangen bin. Danach ist dann vieles leichter."

Mark lloyd/Oman Sail "Dich kriege ich", mag Philipp Buhl in diesem Moment mit einem Seitenblick in Richtung Konkurrenz gedacht haben

Besser noch fiel des Bundestrainers Tagesbilanz aus: "Philipp wird sich jetzt im Kopf viel leichter tun, weil er so gut durch diese schwierige zweitägige Leichtwindphase der Regatta gekommen ist. Jetzt glaubt er daran, dass er auch das kann. Er hat heute einen ganz wichtigen großen Schritt getan. Er hat in leichten Winden souverän nachgelegt. Nun muss er noch zwei Tage sauber arbeiten. Morgen wird in den drei angestrebten Rennen die Entscheidung darüber fallen, wer am Samstag ernsthaft um die Medaillen segelt. Die Titelentscheidung wird wohl erst im letzten Rennen fallen."

Auch Buhls defensive Taktik, sich im Schlussspurt der neunten Wettfahrt nicht mehr mit Nick Thompson in einen engen Zweikampf zu verstricken, lobte Piesker: "Philipp hat sich hier Respekt und Anerkennung ersegelt. Das bedeutet aber auch, dass man ihn nun kennt und im Visier hat. Da bietet man ohne Not möglichst keine auffällige Angriffsfläche für einen möglichen Protest."

Mark lloyd/Oman Sail Kämpfte sich am Donnerstag nach mäßigem Start wieder einmal durch das Feld. Die Aufholjagd endete mit Rang 11: Robert Scheidt

Vor dem morgigen "Super-Freitag" mit drei Finalrennen führt weiter der achtmalige Laser-Weltmeister Robert Scheidt aus Brasilien (27 Punkte) die Goldflotte vor Pavlos Kontides (36 Punkte) aus Zypern und dem Schweden Jesper Stalhein (42 Punkte) an. Philipp Buhl (43 Punkte) verbesserte sich mit nur noch einem Punkt Rückstand auf den Skandinavier auf Platz vier, während Tonci Stipanovic mit einem 43. Rang auf Platz sieben abstürzte. Robert Scheidt war im ersten Finalrennen erst als Elfter ins Ziel gekommen, Jesper Stalheim hatte die Linie als 18. gekreuzt.

Mark Lloyd/Oman Sail Zurück im Hafen und nicht ganz mit Rang elf zufrieden: Robert Scheidt – kurz vor Beginn des heftigen Gewitters, dessen stürmische Böen sogar ein Zelt davonfliegen ließen

Für die Rennen zehn, elf und zwölf am Freitag haben die Meteorologen wieder frischere Winde vorhergesagt. Diese Prognose zauberte dem neuen Leichtwind-Dompteur Buhl dann doch ein überaus entzücktes Lächeln ins Gesicht: "Es bleiben meine Lieblingsbedingungen. Ich werde mich also nicht beschweren, wenn es morgen so kommt."


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Themen: Laser-WeltmeisterschaftNick ThompsonOmanPhilipp BuhlRobert ScheidtThomas Piesker

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