Segeln olympisch
Nicht unter den besten 15 Nationen

Nach Pleiten, Pech und Pannen belegte Team Germany bei der WM in der Nationenwertung nur Platz 18. Ein kleines Happy End gab es im 49er FX

  • Tatjana Pokorny
 • Publiziert am 21.09.2014

tati Kleines Happy End für Victoria Jurczok und Anika Lorenz (mit rosafarbener Sonnenschutzcreme), die das Medaillenrennen gewinnen und sich dadurch noch auf Platz fünf verbessern konnten

Die sportliche WM-Bilanz der DSV-Flotte und des Audi Sailing Team Germany ist ernüchternd. Zwar haben einzelne Top-Teams wie der WM-Vierte Philipp Buhl vom Segelclub Alpsee Immenstadt und auch die 49er-FX-Crew Victoria Jurczok/Anika Lorenz vom Verein Seglerhaus am Wannsee als Fünfte nach gelungenem Schlussspurt und Sieg im Medaillenrennen mit ihren Leistungen überzeugen können.

Andere wie die 49er-Europameister Erik Heil und Thomas Plößel hatten ihre Medaillenhoffnungen nach einem unglücklichen Sturz und einer Daumenverletzung von Vorschoter Plößel schon vor dem ersten Startschuss aufgeben müssen. Hinzu kam der fatale Fehlgriff von Toni Wilhelm. Der RS:X-Surfer war mit dem Board eines Konkurrenten in einen Wettfahrttag gestartet und hatte den Fehler zu spät bemerkt, der ihn die Teilnahme am Medaillenrennen und die mögliche Medaillenchance kostete. Doch abgesehen von derlei Unglück, Pech und Pannen konnten zu viele deutsche Seglerinnen und Segler ihr Potenzial bei den Welttitelkämpfen vor Santander nicht abrufen, segelten auch den eigenen Ansprüchen hinterher. "Für die Mannschaft war es eine rabenschwarze Woche, aber ich gebe gerne etwas von der Energie meines guten Laufs ab. Und ich weiß genau, dass unsere Mannschaft viel mehr kann", sagte Philipp Buhl, der auch für die Zukunft Deutschlands größter Hoffnungsträger der Nationalmannschaft bleibt.

Santander 2014 Photomedia Spannende Rennen gab es in der neuen Mixed-Olympiadisziplin Nacra 17

Im nordspanischen Santander gab es für die deutschen Segler keine statt der zwei erhofften Medaillen. Und es konnten nur drei der ins Visier genommenen sieben Nationenstartplätze für die Olympischen Spiele 2016 gesichert werden. Die maue Bilanz polierten die Leichtwind-Spezialistinnen Victoria Jurczok und Anika Lorenz mit einem beherzt gesegelten Medaillenrennen am Ende der zehntägigen Titelkämpfe noch ein wenig auf. "Dieser Erfolg zeigt, dass unsere Trainingsgruppe gut funktioniert, wir mit Max Groy einen großartigen Trainer haben und Anika und ich uns als Team sehr gut ergänzen", sagte Steuerfrau Victoria Jurczok. Eine Frühstart-Disqualifikation im WM-Auftaktrennen und ein verpatzter Starkwind-Tag mit drei Kenterungen hatten den mit Blick auf die ansonsten sehr guten Resultate der Berlinerinnen durchaus möglichen Griff nach Medaillen frühzeitig vereitelt.

Das Duo vom Verein Seglerhaus am Wannsee unterstrich am Abschlusstag der Titelkämpfe die allgemeine Einschätzung, dass der deutsche olympische Segelsport aktuell in den Disziplinen Laser, 49er, 49er FX und RS:X Männer gut aufgestellt ist, alle anderen sich aber deutlich werden steigern müssen, um in die Weltspitze vordringen und die ehrgeizigen Ziele für die Olympischen Spiele 2016 realisieren zu können. DSV-Präsident Dr. Andreas Lochbrunner hatte bei seinem Besuch die Kooperation mit dem Audi Sailing Team Germany (ASTG) in ihrer aktuellen Struktur in Frage gestellt und gesagt: "Die Doppelstruktur hat sich nicht bewährt. Wir sind seit einem halben Jahr dabei, sie aufzulösen und den gesamten Hochleistungssport in die Hand des DSV zurückzuführen." Gleichzeitig räumte Lochbrunner ein: "Wir haben mit STG in den vergangenen Jahren einen gehörigen Schub bekommen."

Die Segelförderkampagne hat für den olympischen Segelsport starke Partner wie Audi und SAP gewonnen. Die Mittel der deutschen Olympiasegler sind dadurch im internationalen Vergleich im oberen Mittelfeld anzusiedeln. Das Audi Sailing Team Germany, dem die meisten DSV-Kadersegler angehören, wird durch STG mit erheblichen finanziellen Mitteln, Trainern, Technologie, Logistik, Automobilen und intensiver Öffentlichkeitsarbeit gefördert. "STG ist angetreten, um den Hochleistungs-Segelsport in Deutschland nachhaltig zu verändern", sagte STG-Mitgründer Oliver Schwall. "Dass der DSV dabei eine zentrale Rolle spielen muss und soll, ist selbstredend. Allerdings müssen auf DSV-Seite dafür die strukturellen und personellen Rahmenbedingungen geschaffen werden, um die Professionalisierung des Hochleistungssports zuzulassen." Einen Schritt in diese Richtung ist beim DSV offenbar geplant. Dem ZDF sagte Lochbrunner in Santander: "Wir brauchen einen Head Coach, der den Hut aufhat." Er kündigte die Einführung einer Doppelspitze aus Sportdirektion und Head Coach an, in der sich Sportdirektorin Nadine Stegenwalner künftig in erster Linie um administrative Aufgaben kümmern werde. Der neue, bislang noch nicht namentlich bekannte Cheftrainer solle daneben den sportlichen Bereich und den Bundesstützpunkt in Kiel leiten.

Die Nationenwertung der Isaf-Weltmeisterschaft gewann Frankreich mit drei Goldmedaillen, einmal Bronze und insgesamt 15 Top-Ten-Platzierungen vor Holland mit zwei Goldmedaillen und neun Top-Ten-Platzierungen. Platz drei sicherte sich Australien mit einmal Gold, einmal Silber und zweimal Bronze sowie insgesamt sechs Top-Ten-Platzierungen. Die vom Erfolg in den vergangenen Jahren so verwöhnten Briten segelten mit einmal Gold und dreimal Bronze "nur" auf Platz sechs des Medaillenspiegels. Ihre 14 Top-Ten-Platzierungen beweisen allerdings, dass sie immer noch zu den stärksten Segelnationen der Welt gehören. Für die DSV-Flotte reichte es mit zwei Top-Ten-Platzierungen (4./5.) bei diesen Titelkämpfen nur zu Platz 18 in der Nationenwertung.

Santander 2014 Photomedia An allen Finaltagen voll besetzt: die Zuschauertribüne "Duna" mit direktem Blick auf die Kurse der Medaillenrennen

Santander 2014 Photomedia "Double Dutch": Marit Bouwmeester und Nicholas Heiner gewannen an einem Tag in beiden olympischen Laser-Disziplinen Gold für Holland

Hier geht es zu den Videos von den Medaillenrennen am Schlusstag:

http://youtu.be/9Eo3ZkIV7GQ

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Themen: DSVISAF WeltmeisterschaftIsaf-WeltmeisterschaftPhilipp BuhlSantanderSTGVictoria Jurczok/Anika Lorenz

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