"Estrella Damm" 4te
Next Finish: Boris Herrmann

Der Deutsche hat nur noch 250 Seemeilen vor sich. Letzter Blog von Bord jetzt online. "Estrella Damm" macht das spanische Spitzentrio voll

  • Jochen Rieker
 • Publiziert am 09.04.2011

BWR Barcelona World Race

Seit zwei Tagen ist Barcelona praktisch ausgebucht. In der Innenstadt gibt es kein freies Hotelzimmer mehr. Die YACHT-Reporter, die gestern gestartet sind, um die Ankunft von Boris Herrmann und Ryan Breymaier zu verfolgen, mussten in Flughafennähe campieren.

Kein Wunder: mit "Mapfre", "Renault" und seit heute Morgen 10.45 Uhr auch "Estrella Damm" sind drei spanische Boote hintereinander im Ziel direkt vor dem Stadthafen angekommen. Ein stolzer Moment für die Katalanen, auch wenn der Sieg an die Franzosen Jean-Pierre Dick und Loick Peyron ging.

Die "Bierkutscher", wie Alex Pella und Pepe Ribes wegen ihres Brauerei-Hauptsponsors genannt werden, segelten auf Grund ihres Stopps in Neuseeland zwar am Podium vorbei. Als Barcelonesen aber zogen sie scharenweise Fans und Zuschauer aufs Wasser und an die Promenade vor dem Maremagnum.

Im Südatlantik hatten die beiden das Feld fast eine Woche angeführt, als die bis dato führenden "Foncia" und "Virbac-Paprec 3" in Recife erstmals zu Reparaturen stoppen mussten. Danach lagen sie lange auf Rang 3. Von ihrem Stopp in Wellington kamen sie, weit abgeschlagen zunächst, furios zurück und hatten immer wieder den Rückstand auf "Renault" verkürzen können. Doch so ganz reichte es am Ende nicht zu "Bronze". 98 Tage waren Alex und Pepe auf See, ihre berechnete Durchschnittsgeschwindigkeit lag bei 10,62 Knoten.

BWR Barcelona World Race

Boris nachdenklich und glücklich

Für den 29jährigen Deutschen auf "Neutrogena", dem der 5. Platz kaum mehr zu nehmen sein wird, steht der Empfang in Barcelona noch aus. Er genoss letzte Nacht die Ruhe nach dem Sturm bei Gibraltar und der wohl kaum minder turbulenten Zielankunft Sonntag ganz bewusst, wie er in seinem jüngsten und letzten  YACHT-Blog  von Bord schreibt:

"Um Mitternacht einige Meilen an Tarifa vorbei beginnt es rapide abzuflauen. Der Atlantik liegt endgültig hinter uns, der letzte starke Wind, die letzten Wellen, die letzten Ängste. Die noch vor uns liegende Mittelmeerpassage ist uns sehr vertraut." 

Die Strecke bis Barcelona war heute früh um halb Zehn mit 284 Seemeilen kürzer als der Abstand zu der an Position Sechs segelnden "Gaes". Die war zwar etwas schneller, wird aber in der Alboran See von einer Flautenzone eingebremst, sodass von achtern keine Gefahr mehr droht.

Nach dem Hänger vor einigen Tagen scheint Boris mental zu alter Stärke zurück gefunden zu haben. Das wird auch in seinem NDR-Blog  deutlich, wo er nachdenklich und zufrieden die lange Reise um den Globus reflektiert.

"Es ist klasse, durch dieses ruhige „Bassin“ (des Mittelmeers, d. Red.) zu schippern, unter funkelnden Sternen, nahe der Küste, mit ihren Gerüchen und Lichtern, lokalen Windeffekten und hohen Bergen. So atmen wir noch mal durch, können das Rennen in Ruhe Revue passieren lassen, uns auf das Ankommen an unserem hundertsten Tag einstellen und einfach an dem Segeln auf ruhigem Wasser – wonach wir uns oft gesehnt haben – erfreuen. Auf dem spiegelglatten Wasser steht der Spinnaker selbst bei einem minimalen Hauch, Segel und Mast fangen nicht in jeder Flaute gleich an Radauz zu machen und rumzupoltern. Wir hatten nicht einen Tag Ruhe in dieser Hinsicht. Immer hatten wir Schwell, Dünung usw., selbst in den tropischen Kalmen am Äquator. Dort hatten wir Schwell von Süden und Norden, ein torkelndes Schiff in der Flaute.

Ist es nicht verrückt, dass uns das Segeln am heute 98igsten Tag noch etwas ganz neues präsentiert, Bedingungen, die wir während des Törns bisher noch nicht hatten? Dass es doch immer wieder etwas Neues gibt, kein Tag dem anderen gleicht? Für Leute, die selber selten ein Segelboot betreten ist es schwer vorstellbar, wie viel Abwechslung die sich immer wandelnden Bedingungen mit sich bringen. Ist es nicht verrückt, nach 3 Monaten das Segeln noch zu genießen? Ja doch ich tue es, besonders in diesen Nachtwachen, gestern und heute unter einem fantastischen Sternenhimmel.

Unser Planet hat eine gute Größe, jetzt anzukommen, ist genau richtig. Währe er doppelt so groß, es wäre für uns auch kein Problem, der Wind vermag uns unendlich weit zu tragen."

Am Sonntag will auch Boris in Barcelona festmachen. Unstete Winde machen eine genaue Prognose aber noch schwer. YACHT online berichtet in jedem Fall live vor Ort! Klicken Sie rein.


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Themen: BlogBoris HerrmannEstrella DammGibraltarNeutrogenaRyan Breymaier

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