Regatta-News
Montag ist Jubeltag

Nachdem sie den Sturm der Nacht gut abgewetttert hat, erwartet Ellen MacArthur auf den letzten 350 Meilen einfachere Bedingungen

  • Jochen Rieker
 • Publiziert am 06.02.2005

Es wird kein allzu schnelles Finish, aber dafür ist das Bangen vorüber. Seit den frühen Morgenstunden hat der Nordwind, der zeitweise mit bis zu 40 Knoten blies, auf im Mittel 25 Knoten abgenommen. Ab Mittag wird er langsam über Ost auf Südost drehen. Dann geht es raumschots bei flachem Wasser zur Ile de Ouessant.

Knapp drei Tage bleiben der 28-jährigen Ausnahmeseglerin noch, um den Vorjahres-Rekord des Franzosen Francis Joyon zu unterbieten - und es sind nur noch rund 350 Meilen ins Ziel.

Obwohl der Vorsprung in Stunden immer weiter abnimmt, von deutlich über 3 Tagen Mitte der Woche auf knapp unter 2 Tage heute früh, liegt Ellen MacArthur immer noch komfortable 822 Seemeilen in Führung in diesem virtuellen Duell.

An 9 der letzten 11 Tage hatte ihm die zierliche Britin kontinuierlich Meilen abgejagt; in den vergangenen 24 Stunden verlor sie nur 50 Meilen, obwohl sie die Nacht mit Sturmfock und 3. Reff im Groß bewusst vorsichtig gesegelt war - so vorsichtig, dass sie sich am Morgen schon darüber geärgert hatte.

Die Konsequenz, mit der sie ihren 75-Fuß-Tri auf den gesamten fast 27.000 Meilen vorangepeitscht hat, ist nichts weniger als bewundernswert. Doch Schnelligkeit ist in der Annäherung ans Ziel nun nicht mehr oberste Priorität. Denn ihr Polster ist, sofern kein technischer Defekt mehr auftritt, komfortabel.

Bis heute abend wird MacArthur zwar noch einmal langsamer werden und östlicher halten müssen, als ihr lieb ist. Denn der Wind dreht in der Abschwächung von Nord über Ost auf Südost. Dafür ist der Rest der Strecke vergleichsweise erholsam: Eine Wende noch und danach Rauschefahrt bei relativ flachem Wasser wird sie "nach Hause" bringen.

Dort erwartet sie ein Ansturm öffentlicher Begeisterung, gegen den die Anspannung der letzten Nacht verblasst. In den letzten Tagen war der Webserver von Offshore Challenges, ihres Teams, mehrfach zusammengebrochen. Zigtausende Fan-E-Mails treffen derzeit ein. Wohl nie zuvor hat eine Solo-Weltumsegelung derart viel Anteilnahme und Begeisterung ausgelöst.

Die internationalen Medien belagern schon jetzt den kleinen Hafenort Falmouth im Süden Englands, wo Ellen ihren Tri "B&Q Castorama" voraussichtlich Dienstag früh festmachen wird. Die BBC sendet seit Wochen täglich mehrere live-Interviews im Radio und bringt Videoausschnitte von den Bordkameras.

YACHT online berichtet bis zur Ankunft mehrmals täglich von der beeindruckenden Rekordfahrt der 28-jährigen.


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Themen: B&QEllenMacArthurNonstop

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