MOD 70
Mit Vollgas durch die Krise

Nach einem hoffnungsvollen Start 2012 erlebt die Klasse der Mulithull One Designs schwere Zeiten, es fehlen die Sponsoren. Das Programm 2013

  • Andreas Fritsch
 • Publiziert am 03.04.2013

MOD70/M. Lloyd "Oman" beim Rennen 2012. Das Team der Scheichs startet auch 2013

Die Bilder sind bei vielen Segelfans an der deutschen Küste unvergessen. Im Höllentempo rasten in Kiel letzten Sommer bei Traumwetter die 70-Fuß-Trimarane der MOD-Klasse die Förde auf und ab. Vor dem Hindenburgufer konnten deutsche Zuschauer die Rockstars der internationalen Multihull-Segelei hautnah live erleben: Michel Desjoyeaux, Yann Guichard, Sidney Gavignet, Alex Coville, Pascal Bidégorry und Co. lieferten sich ein Wochenende lang packende Wettfahrten, um die junge Klasse populär zu machen.

Doch am Ende der Saison beutelte die Wirtschaftskrise die Klasse arg: Zwei Teams, Michel Desjoyeaux’ "Foncia" und Roland Jourdains "Veolia", sprangen als Geldgeber ab, und der Veranstalter konnte bis heute keinen neuen Haupt-Sponsor für den geplanten Rennzirkus finden. Zeitweise war unklar, wie es mit der Klasse weitergeht.

Jetzt veröffentlichte die Klassenvereinigung ihr reduziertes Programm für 2013: Statt einer eigenen Rennserie wie 2012 gibt es nur im Juni eine Teilnahme der Boote im Rahmen der allgemeinen Multihull-Regatta "Route de Princes", die von Valencia über Irland (Dublin) nach England (Plymouth) und zurück nach Frankreich (Morlaix) führt. Stopps im Ostseeraum wie 2012 in Kiel wird es nicht geben. Zweites Highlight der Klasse ist dann im Herbst das Transat Jacques Vabre von Le Havre nach Brasilien.

Doch es gibt auch einen Lichtstreif am Horizont: Der Amerikaner Cam Lewis kaufte unlängst das vakante Boot des abgewickelten "Veolia"-Teams und will damit 2013 an der US-Westküste durch Trainingsfahrten und Demoveranstaltungen das neugegründete Team "Orion" für Sponsoren schmackhaft machen. Schade ist allerdings, dass er deshalb nicht an den Regatten im Juni teilnehmen wird, auch der Start beim Transat ist noch nicht ganz in trockenen Tüchern. Lewis ist ein alter Haudegen der Offshore-Kat-Szene. Er war schon auf Dennis Conners Monsterkat "Star & Stripes" an Bord, segelte auf Bruno Peyrons "Commodore Explorer" als Erster unter 80 Tagen um die Welt und nahm mit "Team Adventure" an "The Race" teil. Kurz danach wurde sein Kat bei einem Transatrekordversuch schwer beschädigt, das Team wurde aufgelöst. Seitdem ist er ziemlich in der Versenkung verschwunden, an den schwunghaften Entwicklungen der Multihull-Szene im Rahmen des America’s Cup nahm er kaum noch teil. Man darf gespannt sein, ob er ein schlagkräftiges Team auf die Beine stellt.

Ebenfalls noch ohne Sponsor ist die Offshore-Ikone Michel Desjoyeaux, seine Teilnahme an der Route de Princes, Transat und dem Fastnet-Race scheint aber dennoch festzustehen. Auch das Team um Jean-Pierre Dick und seinem Tri "Virbac-Paprec" ist mittlerweile startklar, 2012 war der Franzose noch mit seinem Open 60 unterwegs. Insgesamt werden diesen Sommer also wohl sechs Crews in Europa gegeneinander antreten:

1. "Race for Water" /Stève Ravussin

2. Michel Desjoyeaux

3. "Groupe Edmond de Rothschild" / Sebastien Josse

4. "Spindrift Racing" /Yann Guichard

5. "Virbac-Paprec 70" / Jean-Pierre Dick

6. "Musandam Oman Sail" / Sidney Gavignet


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Themen: FonciaKielMOD 70OmanRace for Water

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