Seesegeln
Mit "El Pocko" zur Weltmeisterschaft

Kein Scherz: Diese Yacht soll 2014 vor Kiel ORCi-Weltmeister werden. Eine Allstar-Gang hat den alten IMS-Racer aus Spanien geholt

  • Bendix Hügelmann
 • Publiziert am 21.02.2013

Bo Teichmann Codename "El Pocko". Den Namen verdankt die Frers-Konstruktion ihrem Bewuchs nach fünf Jahren im Wasser

Es mag bizarr klingen, aber der oben abgelichtete Reparaturstau soll nächstes Jahr ORCi-Weltmeister werden. Bei der Yacht handelt es sich um eine von Germán Frers gezeichnete IMS-Konstruktion vom Typ "Puma 42". Einst als "Siemens Mobile" im Mittelmeer aktiv, muss das Schiff von seiner Crew am Steg des Real Club Nautico de Palma (RCNP) vergessen worden sein. Geschlagene fünf Jahre lag die einst stolze Rennyacht nämlich genau dort am Steg und gammelte vor sich hin.

Gelegenheit macht Eigner

Wie es der Zufall jedoch wollte, lag am selben Steg die Swan 60 "Emma" von Johann Killinger – eine beliebte Tummelwiese Deutschlands bester Hochseesegler. "Jedes Mal, wenn wir auf Mallorca mit 'Emma' gesegelt haben, mussten wir auf dem Weg zum Schiff an diesem alten Racer vorbei", erzählt Bo Teichmann, Mitglied einer achtköpfigen Eignergemeinschaft, die das Schiff kürzlich erworben und nach Deutschland geholt hat. Zusammen mit Thomas Jungblut, Peter Kohlhoff, Nils Heyde, Nico Jeschonnek, Nikos Andress, Andreas Achner und Michael Bergmann soll das Schiff künftig gesegelt werden. Geballte Kompetenz also, um das Projekt von Anfang an in die richtige Richtung zu lenken. Die Gelegenheit schien dabei günstig: Als die Zahlungen des Voreigners für die Liegeplatzgebühren ausblieben, ging das Schiff in den Besitz des RCNP über. Am Pflegezustand änderte das zwar nichts, anders wird dies jedoch mit dem Kaufpreis gewesen sein.

Das Ziel heißt: Weltmeister

Nach der Ankunft auf der Mittelmann's Werft in Kappeln muss das Schiff mit dem Codenamen "El Pocko" nun erst mal entkernt und grundgereinigt werden. "Im Salon stand knöchelhoch das Wasser, das U-Schiff war übersät mit Pocken, die Segel komplett vergammelt", so Teichmann. Das Schiff sei jedoch in einem strukturell sehr guten Zustand und weise keine der sonst für Yachten dieses Schlags bekannten Mängel oder Schwächen auf. Ein gutes Fundament also, um die Weltmeisterschaft vor der Haustür in Angriff zu nehmen. "Das Ziel ist ganz klar definiert: Wir wollen 2014 vor Kiel Weltmeister werden", sagt Teichmann. Und lacht: "Bis dahin ist allerdings noch einiges zu tun."

Zweites Leben für alte Kisten

Dennoch: Arbeit und Aufwand könnten sich lohnen. Ein Blick auf die Ergebnislisten der vergangenen ORCi- Meisterschaften verrät, dass die Transformation alter IMS-Schiffe ins neue ORCi-Format besser funktioniert als zunächst zu vermuten stünde: gleich fünf ehemalige IMS-Konstruktionen finden sich in den Top Ten der vergangenen ORCi-Weltmeisterschaft in Helsinki. Darunter drei derselben kompromislosen Natur wie "El Pocko".

Tilsalg 2.0?

Das Projekt weist deutliche Parallelen zum One Ton Cup 1978 vor Flensburg auf. Als damals publik wurde, dass die begehrte Trophäe an die Förde kommen würde, raufte sich eine Gruppe von Flensburger Segler zusammen und kaufte ein konkurrenzfähiges Schiff. Getauft auf den Namen "Tilsalg" – dänisch für "zu verkaufen" –, gewann die segelnde Eignergemeinschaft den One Ton Cup und wurde damit 1978 überraschend Weltmeister.


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