Barcelona World Race
"Mirabaud" in Argentinien

Das Schweizer Schiff konnte sieben Tage nach dem Mastbruch vollkommen aus eigener Kraft und unter Notrigg den Hafen Mar del Plata erreichen

  • Johannes Erdmann
 • Publiziert am 21.03.2011

barcelonaworldrace.org "Mirabaud" kurz vor Mar del Plata

"Natürlich sind wir enttäuscht, dass wir das Festland unter Notrigg erreichen, anstelle von Barcelona unter Segeln“, erklärte Dominique Wavre nach der Ankunft in Argentinien, "doch zugleich glücklich, dass wir wohlauf sind." Das Skipperpaar zeigte sich gerührt über die umfassende Unterstützung, die es seitens der argentinischen Behörden, der Streitkräfte und des Yacht Clubs von Mar del Plata erfahren durfte. Vergangenen Mittwoch erhielt "Mirabaud" Besuch der argentinischen Korvette "Granville", die dem Skipperpaar für die verbleibenden 280 Seemeilen bis zur Küste 150 Liter Diesel übergaben. "Die Hilfe der argentinischen Marine war außergewöhnlich", erklärt Wavre weiter. "Durch den Diesel konnten wir unser Leben an Bord wie gewohnt weiter führen, Seewasser entsalzen und den Autopiloten nutzen."

Zum ersten Mal in der Geschichte der Hochseeregatten spielen die Social Networks eine große Rolle. Fast jeder der Teilnehmer besitzt nicht nur eine eigene Website, sondern sendet die neuesten Meldungen von Bord auch per Twitter und Facebook. Boris Herrmann schrieb mehrfach in seinem Blog, wie sehr die täglich etwa 30 Kommentare unter den Meldungen seine Stimmung heben. Die Fans fühlen sich im Gegenzug durch die ständigen Berichterstattung, Fotos und Video mitgenommen an Bord, bekommen sehr persönliche Einblicke. Auch Dominique Wavre äußert sich positiv zu den neuen Möglichkeiten der Kommunikation: "Ein Pilot der argentinischen Marine hat uns eine aufmunternde Nachricht über Facebook gesendet. So viele Menschen wünschen uns über das Internet Glück – es ist wirklich erstaunlich zu sehen, was die neuen Kommunikationsmittel heute bedeuten. Was die Moral angeht, hat uns das wirklich geholfen."

barcelonaworldrace.org Glückliche Michèle Paret und Dominique Wavre

Insgesamt 650 Seemeilen legten die beiden unter Maschine und Notrigg zurück. "Auch die Aussicht auf ein argentinisches Steak und einen Rotwein machten während dieser Tage Mut", sagte Wavre. Doch was die weitere Logistik angeht, wird es mit Erreichen von Mar del Plata erneut kniffelig. "Der Hafen ist ein Stützpunkt der argentinischen Marine. Um das Schiff auf einen Frachter zu verladen und nach La Rochelle zu verschiffen, müssen wir noch einmal mit dem Notrigg starten und 'Mirabaud' nach Montevideo segeln", erklärt Wavre. Vorher stehen allerdings das Steak, eine Dusche, eine medizinische Untersuchung für die seit dem Indischen Ozean an Blutarmut leidende Michèle Paret sowie einige Stunden Schlaf auf der Agenda.

barcelonaworldrace.org Kampf mit dem Schwachwind auf "Estrella Damm"

Kurz vor dem Äquator lieferten sich "Neutrogena" und "Estrella Damm" über das Wochenende hinweg ein spannendes Kopf-an-Kopf-Rennen. Bereits in den frühen Morgenstunden des Samstag war es den Spaniern gelungen, das deutsch-amerikanische Team zu überholen. Im Verlauf des Tages setzte sich "Neutrogena" dann wieder auf den vierten Platz, bis sie von einer Flaute ausgebremst wurde und das rote Boot erneut vorbeizog. Zeitweise waren beide Schiffe sogar in Sichtkontakt. Derzeit liegt "Estrella Damm" wieder auf Platz vier, mit 17 Meilen Vorsprung auf "Neutrogena". Letztere ist allerdings 3,5 Knoten schneller. Vor ihnen liegt die innertropische Konvergenzzone mit ihren leichten und wechselnden Winden. In den kommenden Tagen kann also noch einiges passieren.

"Hugo Boss" ankert weiterhin vor den Falklandinseln. Große Probleme bereiten die Segel, die großflächig delaminiert sind. Segelmacher wurden bereits mit den nötigen Werkzeugen und Materialien eingeflogen und haben sich an die Arbeit gemacht. Andy Meiklejohn berichtet: "Wir haben das größte Gebäude der Insel, ein Armeegebäude, für die Reparatur des Code Zero zur Verfügung gestellt bekommen. Es wird langsam heimelig hier, die Leute kochen uns sogar schon die Mahlzeiten. Die Reparaturen werden länger dauern als erwartet."

barcelonaworldrace.org Andy Meiklejohn im Cockpit der ankernden "Hugo Boss"

Auch "Forum Maritim Catala" hat mittlerweile Kap Hoorn gerundet und nimmt Kurs auf die Falklandinseln. Bislang sieht es für "Hugo Boss" schlecht aus, noch vor dem spanisch-französichen Team zurück ins Rennen zu gelangen.


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