Mini-Transat-Qualifikation: 1.000 Seemeilen für Peter Sorowka
Sorowka: "Zeit ist beim Segeln etwas anderes als an Land"

Der Wedeler Peter Sorowka ist mit seinem Mini "Kolibri" in der Nordsee unterwegs. Er absolviert die Qualifikation für den 2025 angestrebten Mini-Transat-Start

  • Tatjana Pokorny
 • Publiziert am 02.07.2022
Die Arbeit mit dem Sextanten ist von der Mini-Klasse für die 1.000-Seemeilen-Qualifikation vorgeschrieben Die Arbeit mit dem Sextanten ist von der Mini-Klasse für die 1.000-Seemeilen-Qualifikation vorgeschrieben Die Arbeit mit dem Sextanten ist von der Mini-Klasse für die 1.000-Seemeilen-Qualifikation vorgeschrieben

Peter Sorowka Die Arbeit mit dem Sextanten ist von der Mini-Klasse für die 1.000-Seemeilen-Qualifikation vorgeschrieben

Der Wedeler Start-up-Gründer Peter Sorowka ist mit seinem Mini "Kolibri" auf der 1.000-Seemeilen-Qualifikation für das Mini-Transat unterwegs. Der Skipper plant die Teilnahme für 2025 und legt dafür jetzt den Grundstein. Er war in der Nacht vom 28. auf den 29. Juni vor Cuxhaven in sein Solo-Abenteuer in der Nordsee durchgestartet. Am frühen Samstagmorgen hatte er noch 40 Seemeilen bis zum Bass Rock bei Edinburgh zu absolvieren. Die Stimmung ist beim Einhandsegler nach der vierten Nacht allein an Bord gut. Hier ein erster Bericht von Peter Sorowka von See:

Peter Sorowka Peter Sorowkas Mini "Kolibri" auf Kurs Bass Rock. Der weitere Kurs führt ihn in einem Dreieck zurück entlang der dänischen Westküste

"Ich bin endlich in Schottland angekommen und habe ersten Mobilfunk-Empfang. Bald wird der Bass Rock in den vor mir liegenden Regenwolken auftauchen. Die Tour bisher war abwechslungsreich. Leider sind auch Flautenphasen dabei gewesen. Ich hätte mir eigentlich gewünscht, gestern Abend schon hier zu sein. Statt wie erwartet komplett mit Spinnaker hier direkt rüberzurutschen, konnte ich durch den sehr östlichen Wind zunächst keinen Direktkurs fahren und bin daher erst mal so weit nach Westen, wie ich konnte. Nach den Flautenphasen dreht der Wind auf SW, was mir Amwindsegeln beschert hat. Die letzte Nacht war aber richtig nett mit Südwind um 25 Knoten, was beim Mini selbst ohne Spinnaker zu 15 Knoten Geleitfahrt reicht.

Peter Sorowka Am vierten Tag allein auf See: Peter Sorowka hat etwa 40 Prozent seiner 1.000-Seemeilen-Qualifikation geschafft

Persönlich: Die Tour ist echt lang! Ich habe erst 40 Prozent im Kielwasser, und das war schon ziemlich intensiv bisher. Mental klappt das gut, viele hatten mich vorher gefragt, ob ich nicht Angst hätte, so lange kein Land zu sehen. Das war für mich tatsächlich das erste Mal ganz alleine, aber ich fühle mich auf meinem Schiff sicher und wohl. Die Zeit vertreibe ich mir mit Filmen, Musik, Logbuchschreiben. Das mache ich entsprechend der Vorschrift der Mini-Klasse alle drei Stunden. Ich bin immer wieder überrascht, dass schon wieder drei Stunden um sind. Zeit ist beim Segeln etwas anderes als an Land.

"Man diskutiert alle fünf Minuten mit dem inneren Schweinehund"

Ohnehin braucht alles, was man hier tut, Zeit, Planung, Umsicht, Mühe. Auf dem Mini ist so wenig Platz, jeder Handgriff ist ein Angang. Man diskutiert hier alle fünf Minuten mit dem inneren Schweinehund, egal, ob es ums Schlafen, Essen, Umziehen, Segeltrimmen, Aufräumen, ne Mütze aufsetzen oder was auch immer geht.

Peter Sorowka Das Licht unter Deck sorgt für ein wenig warme Stimmung in der Nacht

Die Routenwahl auf der Nordsee hatte den Riesenvorteil, dass ich wirklich Platz hatte. Ich habe vielleicht gerade einmal eine Handvoll Schiffe und keine Tonnen gesehen. Gar nix. Ich konnte daher sehr sorgenfrei lange unter Deck sein und viel schlafen, was bei dem zunehmend kalten Wetter auch gut war. Ich bin am ersten Tag noch um 5 Uhr in kurzer Hose ins Cockpit gegangen, habe jetzt gerade 14 Grad Celsius Lufttemperatur und typisch schottisches Wetter.

Ich habe noch 40 Meilen bis zum Bass Rock, danach muss ich noch um die nahe gelegene Isle of May rum und dann freu ich mich tierisch, wieder Kurs Heimat zu setzen. Ich habe das Schiff voll mit Fotos von meiner Familie – und kann jetzt schon nicht erwarten, sie wieder in den Arm zu nehmen."

Hier kann die 1.000-Seemeilen-Qualifikation im Tracking verfolgt werden (bitte anklicken!).

Peter Sorowka Es nahen als nächste Wegmarken Bass Rock und die Isle of May, bevor es zur dänischen Westküste rübergeht …


Lesen Sie die YACHT. Einfach digital in der Delius Klasing Kiosk App (iTunes und Google Play) oder bestellen Sie es im Shop als Abo oder Einzelheft:

iTunes Store Google Play Store Delius Klasing Verlag

Themen: Mini-Transsat

Anzeige