Les Sables Les Açores
Mini-Aufsteiger Fink nach der Premiere: "Eine andere Liga"

Der jüngste Teilnehmer des französischen Mini-Dreiteilers ist bei seiner ersten großen Regatta in die Top 20 gesegelt und für das Mini-Transat 2021 qualifiziert

  • Tatjana Pokorny
 • Publiziert am 29.08.2020
Melwin Fink Melwin Fink Melwin Fink

Breschi/Les Sables Les Açores En Baie de Morlaix Melwin Fink

Am Samstagnachmittag war Melwin Fink wieder daheim in Bad Salzuflen. Da hatte er nach rund 1400 Seemeilen Intensiv-Einsatz in französischen Gefilden die 1130 Straßenkilometer von Les Sables-d'Olonne nach Hause mit Hänger und Mini hintendran geschafft. Die Heimfahrt auf dem Landweg hat ihn noch einmal gefordert, denn zu Finks Leidwesen war die Leverkusener Rheinbrücke für Fahrzeuge mit über 3,5 Tonnen Gewicht gesperrt. Also musste sich der 18-Jährige nach anstrengender Fahrt aus der Bretagne nach Nordrhein-Westfalen mit dem Navigationssystem eine alternative Route suchen und sein Boot mit dem Auto durch Wohngebiete und enge Straßen bugsieren. "Das war stressiger als das Segeln im Englischen Kanal, den wir im Rennen gleich viermal ganz oder teilweise gequert haben. Was für mich auch eine Premiere war", erzählt er lachend. Es ist ein fröhliches Lachen, was nicht nur mit der bravourös bestandenen Mini-Feuertaufe zu tun hat. Denn am Samstagmorgen hat Melwin Fink auf dem Weg nach Hause auch erfahren, dass er zum angestrebten Jura-Studium in Kiel zugelassen ist, das für ihn im Herbst parallel zu den Mini-Aktivitäten beginnt.

Breschi / Les Sables Les Açores En Baie de Morlaix 2020 "Sunovation"-Skipper Melwin Fink

Hinter dem "Sunovation"-Skipper liegt die erste große Mini-Regatta seines Lebens. Er ist nicht nur der jüngste deutsche Segler, der je an einem der bekannten Mini-Klassiker teilgenommen hat. Er war bei der in Corona-Zeiten zum Dreiteiler umgestalteten Regatta Les Sables Les Açores en Baie de Morlaix auch der jüngste Teilnehmer der gesamten Flotte, wurde dazu in Frankreich oft und meist verbunden mit beeindrucktem Erstaunen angesprochen: "Du bist gerade erst 18 geworden und hier schon dabei?" Und wie er dabei war. "Ich kann kaum fassen, was wir in einem Jahr seit dem Bootskauf geschafft haben", sinniert er selbst beim Rückblick auf die letzten Wochen. Die wichtigste Erkenntnis: "Ich bin jetzt für das Mini-Transat 2021 qualifiziert. Darüber bin ich so glücklich."

Der bretonische Mini-Klassiker, kurz SAS en Baie de Morlaix genannt, führte seine Teilnehmer im Jahr der Covid-19-Pandemie nicht wie üblich zu den Azoren und zurück, sondern forderte sie in drei Abschnitten küstennäher. Mit dem Rennen ist Melwin Fink tief in die französische Segelszene eingetaucht. "Ich habe so viel gelernt", sagt er. Und auch das: "Ich hatte mir im Ergebnis vielleicht etwas mehr erhofft, aber es ist auch eine ganz andere Liga als alles, was ich vorher gemacht habe. Nun habe ich nicht nur die Mini-Transat-Quali, sondern auch viele Leute kennengelernt, mich intensiv ausgetauscht und sogar schon ein paar Übernachtungsangeboten für die nächsten Regatten von den Franzosen bekommen. Jetzt bin ich richtig motiviert."

Blanchard / SAS En Baie de Morlaix Der erfolgreichste deutsche Starter: Lennart Burke (21)

Breschi / Les Sables Les Açores En Baie de Morlaix 2020 Segelte bei seiner Premiere auf Platz 20 der Serienwertung: Melwin Fink (18)

Genossen hat Fink auch das Gemeinschaftsgefühl im deutschsprachigen Quartett mit Lina Rixgens (12. Platz Proto-Wertung), Lennart Burke (3. Platz Serienboot-Wertung, YACHT online berichtete darüber hier ausführlich ) und dem Österreicher Christian Kargl (nach starkem Schlussspurt 13. der Serienboot-Wertung). Die vier haben sich gegenseitig unterstützt, sich in Tiefs wieder neu motiviert und hatten darüber hinaus reichlich Spaß zusammen. "Ich hatte schon vor dem Rennen darüber nachgedacht, dass wir uns als einzige Deutschsprachige in dieser französischen Segelwelt zusammentun sollten", sagt Fink, "das war wirklich gut. Wir haben jeden Tag zusammengesessen, waren auch immer zusammen essen. Wir haben uns viel ausgetauscht. Manchmal auch auf dem Wasser. Christian ist ein extrem ruhiger Typ und macht es ja schon länger. Der hat auch im Rennen mal was Motivierendes über Funk geschickt. Auch Lina ist erfahrener als wir und spricht sehr gut Französisch. Ich denke, ich werde auch beginnen, die Sprache zu lernen."

Blanchard / SAS En Baie de Morlaix Nach seinem Erfolg ein gefragter Interview-Partner: Shooting-Star Lennart Burke, als Mini-Neueinsteiger schon fast sensationell Dritter der Serienwertung nach drei Etappen

Blanchard / SAS En Baie de Morlaix Christian Kargl schloss das Rennen mit Rang fünf auf der dritten Etappe und Happy End ab

Mit seinem Boot ist Melwin Fink nach insgesamt 11 Tagen, 2 Stunden, 9 Minuten und 20 Sekunden Einsatz in dieser anspruchsvollen und oftmals von flauen Bedingungen geprägten Regatta in drei Akten nach wie vor zufrieden. Für ihn hat es das Potenzial für die Top Ten. Entsprechend ist die von Hendrik Witzmann erworbene Pogo 3 "Sunovation" für den Skipper vom Team Maximum Sailing die richtige Wahl für sein Metier. Dass Melwin Fink auf der dritten Etappe einen neuen Spi verloren hat, als sein Boot erst nach Luv übergeigte, sich dann noch auf die andere Seite warf und der Spi sich beim hektischen Bergeversuch unter dem Boot wiederfand, nimmt Fink auf die eigene Kappe: "Ich hätte den Spi härter schoten müssen." So musste er den Spi opfern und wegschneiden, um auf diese Weise den drohenden Mastbruch zu vermeiden. Von weiteren größeren technischen Rückschlägen aber blieben Skipper und Boot verschont. Auch das Schlafmanagement klappte für Fink nach anfänglichen Problemen, die er mit vielen Seglern teilte, auf der dritten und letzten Etappe "viel besser als vorher".

Blanchard / SAS En Baie de Morlaix In der Addition aller drei Etappen hatte Lennart Burke am Ende 5 Stunden, 36 Minuten und 36 Sekunden weniger auf dem Konto als Melwin Fink und stürmte aufs Podium

Blanchard / SAS En Baie de Morlaix Hatte bei dieser Regatta einige technische Rückschläge wegzustecken, gab aber nie auf: Lina Rixgens

Mit Melwin Fink fuhren auch die Ruderblätter von Lina Rixgens "Avanade" zum Wochenende zurück nach Deutschland, wo sie freundlicherweise Finks Vater auf der Werft am Steinhuder Meer wieder richten will. Zehn Seemeilen vor ihrem Zieldurchgang in Etappe drei war Lina Rixgens nach einem Rennen mit Höhen und Tiefen und mehrfachen Autopiloten-Problemen gerade an Deck gekommen, als ein klackerndes Geräusch Ungemach signalisierte. Da war die Schweißnaht der Ruderaufhängung gebrochen und hatte die 25-jährige Ärztin um ein versöhnliches Finale gebracht. Sie musste die Regatta mit nur einem Ruder beenden, was auf der letzten Seemeile auf dem falschen Bug in zwei Metern Welle eher einem Ritt auf Messers Schneide glich.

Blanchard / SAS En Baie de Morlaix "Avanade"-Skipperin Lina Rixgens im Zielhafen von Les Sables-d'Olonne

Zusammen wollen Melwin Fink und Lina Rixgens nun bei der Kieler Woche in der Doublehand-Wertung starten und freuen sich darauf. Fink hat außerdem das Silverrudder im Visier. Rixgens will danach mit Andreas Deubel die 300 Seemeilen lange Duo Concarneau Challenge bestreiten, an der auch Lennart Burke mit Mini-Transat-Absolvent und Routinier Oliver Tessloff teilnimmt. Burkes augenzwinkerndes Versprechen: "Da wird ganz vorn angegriffen."

Über das gerade zu Ende gegangene Rennen Les Sables Les Açores en Baie de Morlaix berichten wir ausführlich in YACHT 20, die ab 16. September am Kiosk zu haben ist.

Blanchard / SAS En Baie de Morlaix Lennart Burkes Freude über den Podiumsplatz ist trotz Maske sichtbar

Hier geht es zum Endergebnis der Serien-Wertung.

Hier geht es zum Endergebnis der Proto-Wertung.

Blanchard / SAS En Baie de Morlaix Familie und Freunde feiern den Erfolg des Serienboot-Dritten Lennart Burke: Corinna Grutza (r., Kommunikation & Management im Team Lennart Burke Sailing), Mutter Anette Burke und ihr Lebensgefährte Andreas Krenz (Mitte) sowie der befreundete Stralsunder Segelmacher Jan Wiechmann (l.)


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Themen: Christian KarglLennart BurkeLes Sables Les Açores En Baie de MorlaixLina RixgensMelwin Fink

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