Rute du Rhum
Meilhat siegt ohne Flügel: "Ich habe diesem Boot vertraut"

Paul Meilhat ist der Imoca-Gewinner der Rhum. Nach der Zeitstrafe für Alex Thomson und starkem Rennen verneigen sich die Franzosen vor dem Skipper aus Lorient

  • Tatjana Pokorny
 • Publiziert am 17.11.2018
Paul Meilhat & "SMA" Paul Meilhat & "SMA" Paul Meilhat & "SMA"

Alexis Courcoux / Route du Rhum Paul Meilhat & "SMA"

Paul Meilhat hat die elfte Auflage der Route du Rhum in der Imoca-Klasse gewonnen. Der 36-jährige Skipper aus Lorient in der Bretagne erreichte das Ziel des 3500 Seemeilen langen Transatlantik-Klassikers in der Nacht auf Samstag als Zweiter hinter dem Briten Alex Thomson, der jedoch aufgrund einer regelwidrigen Nutzung seines Motors in Notsituation mit einer 24-Stunden-Zeitstrafe belegt worden war. Meilhat kreuzte die Ziellinie vor Pointe-à-Pitre um 1.23 Uhr am frühen Samstagmorgen deutscher Zeit, siegte mit einer gesegelten Zeit von 12 Tagen, 11 Stunden, 23 Minuten und 18 Sekunden auf See. Dabei konnte sich Meilhat in der Schlussphase noch der Attacken des Vorstart-Favoriten Yann Eliès auf "Ucar – St. Michel" erwehren, der gegen Ende nur noch rund 20 Seemeilen Rückstand auf den Gewinner hatte.

Yvan Zedda / Route du Rhum Nach imposanter Leistung ins Ziel gerauscht: "SMA"-Skipper Paul Meilhat

Yvan Zedda / Route du Rhum "SMA"-Skipper Paul Meilhat lässt sich im Zielhafen feiern

Alexis Courcoux / Route du Rhum Der Imoca-Sieger der elften Rhum-Auflage: Paul Meilhat freut sich sichtlich

Alexis Courcoux / Route du Rhum Von Glück und Erschöpfung überwältig: "SMA"-Skipper Paul Meilhat

Insgesamt ist Meilhat der sechste Skipper, der den Zielhafen erreicht hat. Der Gewinner der ersten beiden Imoca-Regatten in dieser Saison hatte im Vorfeld der Härteprüfung nicht zu den Top-Favoriten gezählt, weil er ein "altes" Boot ohne Foils segelt. Die aktuelle "SMA" hatte als "Macif" mit Skipper François Gabart die Vendée Globe 2012 und die Route du Rhum 2014 gewonnen. Nun hat sich das Boot einmal mehr als extrem zuverlässig bewährt. Meilhat preiste sein Boot: "Ich habe es in den vergangenen zwei Jahren massiv viel gesegelt. Was eine Stärke ist. Ich habe vor Rennstart an dieses Boot geglaubt, ihm vertraut." Schon bei der vergangenen Vendée-Globe-Auflage hatte Meilhat sein Können gezeigt, hatte das Solo-Rennen um die Welt aber aufgeben müssen, als er an dritter Stelle lag.

Yvan Zedda / Route du Rhum Sein Team feiert den 36-jährigen Solo-Skipper aus Lorient: Paul Meilhat unter karibischem Himmel im Glück

Betreut wird der talentierte Monsieur Paul Meilhat von Michel Desjoyeaux. Seine Vorbereitung auf die Route du Rhum schilderte Meilhat so: "Ich habe den Schwerpunkt auf Spaß gelegt. Es ist ein Projekt, in das wir sehr viel Arbeit gesteckt haben und konstant Fortschritte gemacht haben. Ich war ehrgeizig, daraus und aus diesen fantastischen Booten das Beste zu machen." Auf riskante Positions-Pokerspiele, zu dem ihm der eine oder andere Experte vor Rennstart aufgrund seines auf dem Papier langsameren Bootes geraten hatte, hat sich Meilhat nicht eingelassen – er wollte lieber sauberer Fünfter werden als taktische Spiele zu setzen. Diese Strategie hat dem sympathischen und kampfstarken Franzosen nun den Rhum-Sieg eingebracht. Es ist sein erster großer Triumph, aber voraussichtlich nicht der letzte.

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Als dritter Imoca-Skipper hat inzwischen auch Yann Eliès das Ziel erreicht. Nach ihm wird "PRB"-Skipper Vincent Riou in Pointe-à-Pitre erwartet. Es sah aber am Samstagmorgen nicht mehr so aus, als könne er den zurückgefallenen Alex Thomson noch von Platz drei verdrängen. Im Gegenteil: "Malizia 2 – Yacht Club de Monaco"-Skipper Boris Herrmann hat seinen Rückstand auf Eliès in den letzten zwei Tagen des Rennens drastisch verkürzen können, lag bei Geschwindigkeiten um 19 Knoten nur noch 26 Seemeilen hinter dem extrem erfahrenen Franzosen. Damit scheint der starke fünfte Rang für Herrmann sicher. Fast wäre sogar noch mehr drin gewesen. Und noch – das hat der Fall Thomson gezeigt – ist das Rennen nicht zu Ende…

Hier können Herrmanns letzte Stunden auf See via Live-Tracker verfolgt werden.

Alexis Courcoux / Route du Rhum Wird schon bald seinen eigenen Pflasterstein auf dem Sieger-Boulevard in St. Malo erhalten: Paul Meilhat hat sich seinen Platz im Kreis der Großmeister verdient


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