Regatta-News
Mega-Deal für Monsterkats

Tracy Edwards schließt 55-Millionen-Euro-Vertrag ab und kündigt zwei neue Round the World Races an

  • Andreas Fritsch
 • Publiziert am 15.10.2003

C. Borlenghi "Club Med", jetzt "Maiden II"

In einem spektakulären Coup hat die britische Hochseeseglerin und "Maiden"-Team-Managerin Tracy Edwards die Szene der Monsterkats durcheinander gewirbelt. Auf einer Pressekonferenz in London gab sie gestern bekannt, dass sie mit dem Königreich Katar einen Sponsorenvertrag über 38 Millionen britische Pfund, fast 55 Millionen Euro, abgeschlossen habe.

Der Deal beinhaltet nicht nur die volle Finanzierung für Edwards’ "Maiden"-Kampagne mit dem Maxi-Kat (Ex "Club Med") für einen Jules-Verne-Trophy-Versuch in diesem Winter, sondern auch den Neubau eines noch größeren Bootes und der Teilnahme an zwei ganz neuen Round The World Races für die großen Katamarane.

Der erste ist der so genannte Oryx Cup, der die Kats auf der Route der Jules Verne Trophy im Januar 2005 nonstop um die Welt führt. Um die Veranstaltung für die Eigner der derzeit fünf bis sechs konkurrenzfähigen Boote noch attraktiver zu machen, winkt dem Gewinner ein Preisgeld von einer Million Dollar und die Sicherheit, dass das Event bereits voll finanziert ist.

J. McDonald/Getty Images Tracy Edwards

Die zweite Veranstaltung ist die Quatar Sports Global Challenge, die anlässlich der dort stattfindenden Asian-Games 2006 startet. Sie soll die großen Multis in Etappen um die Welt führen, mit einer deutlichen Ausrichtung in die neuen Sponsoren-Märkte Asiens, denn die Stopps liegen unter anderem wohl auch in Malaysia und Hongkong.

Das Gesamtpaket kommt für die Kat-Szene auch deshalb total überraschend, weil es de facto eine offene Kampfansage an Bruno Peyron ist, der mit seiner zweiten Auflage von The Race in diesem Jahr und der The Race Tour 2005 praktisch

exakt das Gleiche vorhat wie Edwards. Da für zwei Veranstaltungen dieser Art wohl kaum Platz sein dürfte, stellt sich die Frage, warum es im Vorfeld offenbar keine Zusammenarbeit zwischen Edwards und Peyron gab. Der hätte mit seinen Erfahrungen aus der ersten Auflage von The Race vielleicht Wertvolles beisteuern können.

So wird die eine Veranstaltung wohl der Totengräber der anderen werden. Da Peyron zurzeit aber noch große Probleme hat, einen Hauptsponsor zu präsentieren, weswegen er vor einigen Tagen die Verschiebung von The Race bekannt gab, das im Frühjahr 2004 starten sollte, könnte es sein, dass die Britin schon jetzt gewonnen hat.

Es ist darüber hinaus kein Geheimnis, dass vor allem einige britische, amerikanische und neuseeländische Teilnehmer von The Race mit dem Management des Franzosen Peyron nicht einverstanden waren. Immer wieder wurde Kritik laut, er habe den Teams durch seine eigene Vermarktung des Events die Sponsorensuche unnötig erschwert.

Tracy Edwards bezog zu diesem Thema keine Stellung, zeigte sich aber überzeugt für die Zukunft ihres Events: "Wir haben zwei Veranstaltungen mit großem Budget und hohen Preisgeldern, die startbereit sind. Wir haben mit den Eignern der Kats geredet, und die Resonanz war durch die Bank positiv. Was wir versuchen, ist, die Klasse der Maxi-Kats vorwärtszubringen."

Für die Britin endet damit auch eine lange Durststrecke. Seit ihrem gescheiterten Jules-Verne-Rekordversuch mit der Ex-"Enza" von Sir Peter Blake 1998 (Mastbruch) versuchte sie ein eigenes Frauenteam (deshalb der Projektname "Maiden") zu realisieren. Mit dem Kauf der Ex-"Club Med" vor zwei Jahren wagte sie dann den ersten Schritt, konnte dann aber keinen Sponsor finden.

Der Deal mit dem Königreich Katar, das somit mit einem echten Coup die Szene der Hochseesegelei betritt, geht vermutlich auf alte Kontakte zurück. Wie die britische Segel-Webpage The Daily Sail berichtet, hatte Edwards schon bei ihrem Whitbread-Race-Projekt mit "Maiden" vor vielen Jahren Konatkt in den Nahen Osten geknüpft, als Jordanien als Sponsor einsprang. Seitdem soll sie die Verbindungen in die Region ausgebaut haben. Für das Königreich Katar, das schon seit längerer Zeit einen Weg sucht, durch Sport-Sponsoring von sich reden zu machen, war das Angebot offenbar genau das Richtige. Bleibt also abzuwarten, ob sich der Oryx Cup und die Quatar Challenge gegen The Race durchsetzen und sich damit endlich ein komplettes und für Sponsoren attraktives Paket in der Mega-Kat-Klasse etabliert.

Zu gönnen wäre es der mutigen Britin und allein erziehenden Mutter, die für ihre Träume alles auf Spiel gesetzt hat, unter anderem auch ihr gesamtes privates Vermögen. "Ich bin so glücklich, und ich kann mein Haus behalten!", soll sie im Anschluss an die Pressekonferenz geagt haben.

In den nächsten Monaten wird nun der "Maiden"-Kat in "Quatar 2006" umbenannt. Er bekommt neue Segel, wird überholt und dann im Winter zum Rekordversuch starten. Gesegelt wird das Boot allerdings nicht wie einst geplant von einer reinen Frauenmannschaft, sondern von der gemischten Crew, die auch zuletzt den 24-Stunden-Rekord aufgestellt hatte.


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Themen: Edwards

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