Olympia-Ausscheidung
Matchrace-Frauen sichern Big Points

Die Hamburgerin Silke Hahlbrock segelt mit ihrer Crew zum Auftakt der Isaf-Weltmeisterschaft der olympischen Klassen auf Erfolgskurs

  • Tatjana Pokorny
 • Publiziert am 05.12.2011

STG Matchracerin Silke Hahlbrock und ihre Crew

Das Trio vom Hamburger Segel-Club trotzte am Montag in quälend leichten Windbedingungen nicht nur Olympiasiegerin Anna Tunnicliffe, sondern auch der ehemaligen australischen Weltranglisten-Ersten Nicky Souter jeweils einen wertvollen Duellsieg ab.

Als bislang erfolgreichstes DSV-Team in Down Under verbesserten die Damen ihre Vorrundenbilanz auf 6:2 Siege und belegen nach 59 von 105 Matches Platz fünf unter 15 Mannschaften in ihrer Vorrundengruppe A. „Wir sind happy, denken aber nur von Rennen zu Rennen. Es gibt noch viele zu gewinnen“, sagte Hahlbrock, die in den schwierigen Segelbedingungen vor allem mit guten Starts glänzte.

Unter insgesamt 29 Teams aus 20 Nationen muss Hahlbrocks Crew am Ende der zweiwöchigen Titelkämpfe mindestens Platz acht belegen, um ihre Olympiafahrkarte sicher und frühzeitig zu lösen. In keiner anderen Disziplin liegt die Latte für die Sicherung des Nationenstartplatzes so hoch. Nach eher mäßigen Ergebnissen in dieser vorolympischen Saison stand die national konkurrenzlos gute Crew um Silke Hahlbrock zuletzt unter Druck, arbeitet nun am Befreiungsschlag vor Perth. Und das in neuer Crew-Konstellation, denn Stamm-Vorschoterin Kerstin Schult leidet seit Monaten an einer Sehnenscheidenentzündung. Schult kann die WM vor Ort nur als Zuschauerin verfolgen, wird nach gemeinsamer Entscheidung der Mannschaft und ihrem Bundestrainer Diederik Bakker von der 21-jährigen Jurastudentin Anke Lukosch aus Kiel vertreten.

„Die Mädels haben sich in den letzten sieben Wochen intensiv auf die Weltmeisterschaft vorbereitet“, sagt Bakker, „es ist schon mal eine superstarke Leistung, mit einer Ersatzseglerin hier so aufzutreten. Das Team ist mental gut drauf. Wir haben noch keine großen Baustellen gesichtet.“

Die für das sonst oft traumhaft schöne Segelrevier vor der westaustralischen Küste ungewöhnlichen Windverhältnisse nennt Bakker „mindestens launisch“: „Morgens weht der Wind ablandig, mittags gar nicht, am Nachmittag dann als Seebrise eher auflandig. Das Ganze momentan sehr löchrig und kaum berechenbar.“ Weil die Matchrace-Duelle vor dem Maritimen Museum ausgetragen werden, entstünden dort Abdeckungseffekte wie auf der Hamburger Alster. Doch im Vergleich zu den aktuellen Windbedingungen vor Perth, so Sportdirektorin Nadine Stegenwalner mit einem Augenzwinkern, sei die Alster geradezu berechenbar. Vom legendären und herbeigesehnten „Fremantle Doctor“, jener auflandigen Seebrise, die mit Kraft und Frische sonst regelmäßig über das Revier und durch die Straßen Fremantles fegt, fehlt weiterhin jede Spur.

Während in vielen Disziplinen namhafte Teams im Flautenpoker Federn ließen, zog einer am Montag wieder einmal unerschütterlich seine Runden: Großbritanniens Superstar Ben Ainslie eröffnete die WM-Serie für die Finn-Dinghies mit zwei souveränen Siegen. Der dreimalige Olympiasieger gilt als großer Favorit für den olympischen Kampf um Gold im kommenden Jahr in seinem Heimatrevier. Mit seinem vierten Olympiasieg könnte „Big Ben“ nicht nur zum erfolgreichsten Segler aller Zeiten, sondern auch zum erfolgreichsten Olympiastarter seines Landes aufsteigen. Weitere Finn-Dinghy-Ergebnisse konnten die sonst hervorragend organisierten australischen Veranstalter bis zum Abend nicht liefern, weil sie mit technischen Problemen ihres Ergebnisdienstes zu kämpfen hatten.

Die deutschen Teams starteten mit guten Einzelergebnissen, aber – mit Ausnahme von Moana Delle - ohne Top-Platzierungen in die vier Disziplinen, deren WM-Läufe am Montag eröffnet wurden. Die Kieler Surferin erkämpfte sich im ersten Rennen einen dritten Rang und liegt nach Rang sieben im zweiten Durchgang auf Platz acht. „Das war eine starke Auftaktleistung von Moana und auch dem Team um Silke Hahlbrock“, lobte Stegenwalner die Frauen im Team, „ich habe das Matchrace zwischen unseren Damen und dem Team von Nicky Souter gesehen und muss sagen: Das war sportlich sauber und schön gesegelt und verdient gewonnen.“

Die 470er-Crew Ferdinand Gerz und Patrick Follmann aus Seefeld und München ersegelte zwei siebte Ränge in ihrer Vorrundengruppe. Laser-Radial-Steuerfrau Anke Helbig ist nach zwei Rennen Gesamt-15., während die in der nationalen Olympiaausscheidung führende Franziska Goltz als 32. einen Fehlstart erwischte.

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Themen: FremantleHahlbrockOlympische SpielePerth

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