Barcelona World Race
Mastbruch – "Foncia" läuft Kapstadt an

Am Morgen brach bei 25 bis 30 Knoten Wind der obere Teil des Mastes. Desjoyeaux gibt bekannt, dass das Rennen damit für sie gelaufen ist

  • Johannes Erdmann
 • Publiziert am 26.01.2011

barcelonaworldrace.org "Foncia" vor dem Mastbruch

Die Mannschaft blieb unversehrt und will aus eigener Kraft Kapstadt anlaufen. Damit wurde der Zweikampf zugunsten der „Virbac-Paprec 3“ von Titelverteidiger Jean-Pierre Dick und Loïck Peyron vorläufig entschieden.

Sie führen jetzt unangefochten mehr als 500 Seemeilen vor Iker Martinez und Xabi Fernandez auf der „Mapfre“ aus Spanien. Der Deutsche Boris Herrmann und Ryan Breymaier (USA) segeln mit der „Neutrogena“ weitere gut 500 Seemeilen zurück nun auf Rang sieben. Das Rennen nonstop rund um die Welt dauert allerdings noch etwa zwei Monate, bis die Yachten nach 24.000 Seemeilen im Start- und Zielhafen Barcelona zurückerwartet werden.

Das Unglück auf der „Foncia“ ereignete sich gegen vier Uhr morgens deutscher Zeit. Die Crew segelte mit kleinem Vorsegel und dreifach gerefftem Groß bei stürmischem Südwestwind. Die oberste, etwa drei Meter lange Sektion des Masts hielt dem enormen Druck nicht stand und brach ab. Der Mannschaft gelang es, das Stück zu sichern und weitere Schäden am Boot zu verhindern. Mit dem verbliebenen, noch 24 Meter langen Mast konnte die „Foncia“ zunächst weitersegeln und den Kurs Richtung Kapstadt ändern. Bei zehn Knoten Bootsgeschwindigkeit, die anfangs noch möglich waren, würde es allerdings mehr als 60 Stunden dauern, bis der 619 Seemeilen entfernte Hafen erreicht wird, wo ein neuer Mast eingesetzt werden könnte. Auch besteht immer noch Gefahr, falls der Wind weiter zunehmen sollte – ins Großsegel ist das dritte Reff eingebunden, doch das Fall ist in der gebrochenen Mastspitze verklemmt, sodass das Segel nicht geborgen werden kann. Die derzeitige Wettervorhersage lässt auf dem Weg nach Kapstadt aber eher leichte Winde erwarten.

Als Ankunftstermin dort wird der 30. oder 31. Januar genannt. Bis das Schiff nach Austausch des Mastes zurück auf dem Regattakurs hätte sein können, wäre es voraussichtlich Schlusslicht der 13 verbliebenen Teilnehmer gewesen. Am Mittwochvormittag gab das Team dann bei der Regattaleitung in Barcelona offiziell seine Aufgabe bekannt. Die französische Yacht „Président“ hatte schon frühzeitig wegen eines kompletten Mastbruchs auf dem Nordatlantik die Kapverdischen Inseln anlaufen müssen und dort aufgegeben.

barcelonaworldrace.org Weiterhin in Rauschefahrt und F

Auch die „Foncia“ hatte schon einen Reparaturstopp hinter sich. Sie war genau wie die „Virbac-Paprec 3“ (Großschotschiene abgerissen) in den Hafen von Recife in Brasilien gelaufen, nachdem sie mit einen unbekannten Gegenstand im Wasser kollidiert war und der Bug beschädigt wurde. Auf einem weit westlichen Kurs hatten sich die Topfavoriten allerdings in wenigen Tagen zurück an die Spitze der Konkurrenz taktiert. Die „Foncia“ lag zum Zeitpunkt des Mastbruchs auf Rang zwei nur gut eine Stunde hinter der „Virbac-Paprec 3“. Beide Yachten gehören der neuesten Generation der 18,29 Meter langen Imoca-Open 60-Yachten an. Ihre innovative Technik hatte auch etliche Skeptiker auf den Plan gerufen, ob diese Boote wohl den Unbilden des Wetters auf einer Hatz um den Globus würden standhalten können.

barcelonaworldrace.org Tracker heute um 10 Uhr

Von den stürmischen Bedingungen durften Herrmann und Breymaier in der Nacht nur träumen. Einmal mehr dümpelten sie mit der „Neutrogena“ in der Flaute und verloren weiter an Boden. Am frühen Mittwochmorgen betrug der Rückstand auf die „Virbac-Paprec 3“ schon mehr als 1.000 Seemeilen. Der nächste Gegner, die „Mirabaud“ von Dominique Wavre und Michael Paret (Schweiz/Frankreich) auf dem neuen Platz sechs, hat gut 100 Seemeilen Vorsprung. „Die wiederkehrende Flaute zehrt sehr an unseren Nerven, aber in erster Linie fühlen wir jetzt mit Michel und François, die sich genau wie wir viele Monate intensiv auf dieses harte Rennen vorbereitet hatten“, meinte Boris Herrmann, „wir selbst hoffen und setzen auf unser Comeback im Southern Ocean.“

Herrmann war gestern live auf die Messebühne der boot 2011 in Düsseldorf zugeschaltet. Den Mitschnitt können Sie sich hier anschauen:


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Themen: Barcelona World RaceBoris HerrmannFonciaMastbruchNeutrogenaOpen 60

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