Rekordfahrt
"Maserati" startet zur ersten Etappe

Boris Herrmann will im Team um Giovanni Soldini einen Rekord für die Strecke Cadiz–San Salvador aufstellen, die schon Kolumbus segelte

  • Johannes Erdmann
 • Publiziert am 02.02.2012

maserati.soldini.it "Maserati" vor der italienischen Küste

Heute Mittag um 12.50 Uhr und acht Sekunden verließ der VO 70 "Maserati" bei starken Nordwestwinden den Hafen der spanischen Küstenstadt Cadiz und läuft seitdem Kurs Südwest. Die Uhr tickt. In etwa 12 Tagen will die achtköpfige, internationale Crew um den italienischen Segelprofi Giovanni Soldini die 3.884 Seemeilen bis nach San Salvador auf den Bahamas zurücklegen. Die erste Etappe ist gleichzeitig die erste Bewährungsprobe für den von grundauf getunten VO 70, der bereits als "Ericsson 3" beim letzten Volvo Ocean Race um die Welt hetzte. Doch nach monatelangen Vorbereitungen ist das Schiff sehr viel extremer geworden als zu damaliger Zeit. Es hat einen neuen, längeren Kiel mit tieferer Bombe bekommen und Gewicht verloren.

maserati.soldini.it Das Team um Giovanni Soldini (2. v. l.) und Boris Herrmann (r. u.)

„Die Bedingungen sind ideal. Der Wind hat auf Nordwest gedreht und weht mit Stärke sechs. Das Boot läuft rund 20 Knoten“, meldete Boris Herrmann kurz nach dem Start, der vormittags noch einmal um zwei Stunden verschoben worden war, weil auf den Durchzug einer Kaltfront gewartet wurde. Als Navigator ist Herrmann für die Wetteranalyse zuständig und hatte den günstigsten Zeitpunkt für Donnerstagmittag identifiziert. Erst zwei Tage zuvor war die „Maserati“ aus Italien hierher überführt worden. Für die 1.000 Seemeilen benötigte das Schiff nur 3,5 Tage.

Skipper Giovanni Soldini gilt als bester und bekanntester Hochseesegler Italiens. Mit seinem ehemaligen Gegner aus der Class-40-Bootsklasse Boris Herrmann ist er seit vielen Jahren befreundet und schätzt dessen nautische Fähigkeiten: „Boris hat das richtige strategische Gespür und Knowhow für solche Langstrecken. Wir waren uns sofort einig, dass wir jetzt losmüssen. Denn das Azorenhoch hat sich so positioniert, dass es uns eine schnelle erste Hälfte ermöglicht.“ Der Auftakt gab ihnen schon mal Recht. Die bisher meist als Solosegler oder in Zweimanncrews aktiven Soldini und Herrmann werden vom America’s-Cup-erfahrenen Brad van Liew aus den USA und dem Spanier David Vera als Wachführern sowie vier Italienern unterstützt.

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Für die erste Etappe hinüber auf die Bahamas ist noch kein Vergleichswert vorhanden. Nie zuvor versuchte eine Yacht einen Geschwindigkeitsrekord von Cadiz nach San Salvador aufzustellen, aber der Italiener hofft, dass es in den nächsten Jahren zahlreiche andere Skipper probieren werden. Einzig Frank Cammas segelte die Strecke mit seinem Trimaran "Groupama" – in nur 7,5 Tagen. Allerdings ist der Rekord eines Mehrrumpfers wohl kaum vergleichbar mit dem eines Einrumpfers.

Von den Bahamas wird "Maserati" nach Miami segeln, um ebenfalls auf der 947 Seemeilen langen Strecke nach New York eine Bestzeit zu markieren. Dann erst kommt das eigentliche Kernstück der Rekordreise: Die Überquerung des Nordatlantiks vom Ambrose-Leuchtturm hinüber nach Lizard-Point an der Südwestspitze Englands. Eine Strecke von 2.925 Seemeilen, die als "Rennbahn des Nordatlantiks" seit langer Zeit zahlreiche Segler neue Rekordversuche starten lässt. Aktuell steht der Rekord bei sechs Tagen, 17 Stunden und 52 Minuten. Er wurde im Jahr 2003 von der mehr als doppelt so langen britischen Megayacht "Mari-Cha IV" aufgestellt. Doch nicht nur der Streckenrekord an sich ist im Visier Soldinis, auch der 24-Stunden-Weltrekord für einen Einrumpfer, den der Brasilianer Torben Grael beim letzten Volvo Ocean Race mit dem Schwesterschiff "Ericsson 4" aufstellte. Er liegt derzeit bei einem Etmal von 596,6 Seemeilen – eine Durchschnittsgeschwindigkeit von 24,85 Knoten.

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Die Reise der "Maserati" können Sie auf maserati.soldini.it verfolgen, auf der Facebookseite von Boris Herrmann – und natürlich bei YACHT online.


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Themen: Boris HerrmannGiovanni SoldiniMaserati

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