Olympia-Bewerbung
Mach's noch einmal, Kiel!

Die "Sailing City" Kiel nimmt olympisch ein drittes Mal die Segel dicht. Schleswig-Holsteins Landeshauptstadt mit Hamburg in einem Boot

  • Tatjana Pokorny
 • Publiziert am 13.04.2015

Der Favorit hat gesiegt, obwohl Rostock-Warnemünde den Kielern am Ende der Entscheidungsfindung offenbar sehr nahe gekommen war. Die "Sailing City" Kiel kämpft ab sofort an der Seite Hamburgs um die dritte Austragung einer olympischen Regatta nach 1936 und 1972.

LH Kiel/Weide Ab sofort ganz offiziell in einem Boot: Kiels Oberbürgermeister Ulf Kämpfer (l.) und Hamburgs Innen- und Sportsenator Michael Neumann – hier bei Neumanns Besuch der Kieler Woche

DOSB-Vorstand Bernhard Schwank, gleichzeitig Leiter der Evaluierungskommission zur Auswahl des Segelreviers an der Seite von Olympia-Bewerber Hamburg, sprach bei der Pressekonferenz im Hamburger Rathaus am Montagnachmittag gar von einem "Matchrace" der letzten zwei der insgesamt vier Bewerber. Schließlich aber habe sich Kiel durchsetzen können.

"Die Kommission hat sich für die Stadt mit Weltruf für den Segelsport entschieden", sagte der Präsident des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB) Alfons Hörmann. Der Zuschlag der Kommission war laut seiner Aussage innerhalb der neunköpfigen Evaluierungskommission nicht einstimmig, aber einmütig gefallen.

Th.Martinez/Alinghi Jochen Schümann "nicht überrascht" über das Votum für Kiel

Für Jochen Schümann war die Wahl Kiels keine Überraschung. "Mit Kiel und der Kieler Woche hat sich der einzige international bekannte Markenartikel des deutschen Segelsports durchgesetzt", sagte der dreimalige Olympiasieger, der selbst bei einem Besuch der olympischen Regatta 1972 in Kiel viel Inspiration für seine eigene olympische Karriere getankt hatte. Kiel hätte außerdem den Bonus, bereits zweimal olympische Regatten ausgerichtet zu haben. Das sei weltweit außergewöhnlich und daher nicht zu unterschätzen.

Den Deutschen Segler-Verband (DSV) vertrat Präsident Andreas Lochbrunner bei der Pressekonferenz im Hamburger Rathaus. Lochbrunner war aufgrund seiner Mitgliedschaft im Kieler Yacht-Club nicht selbst Kommissionsmitglied. Er sagte: "Wir sind mit der Wahl Kiels nicht unzufrieden." Die anderen Bewerber hätten ihre Eignung als Olympiareviere ebenfalls eindrucksvoll unter Beweis gestellt. Doch nun gelte es, "im Schulterschluss das große Ziel zu erreichen und die Olympischen Spiele 2024 nach Deutschland und damit nach Hamburg und Kiel zu holen". Kiels Wahl als Segel-Partner der Hamburger Olympiabewerbung will Lochbrunner auch als Auftrag an Kiel und die Organisatoren der Kieler Woche verstanden wissen, "alles für eine schrittweise Optimierung des vorhandenen Potenzials zu tun".

Landeshauptstadt Kiel / Duplex Architekten (Hamburg) Ein Ausschnitt aus einer Animation der Pläne für die Bewerbung Kiels als Gastgeberin der olympischen Segelregatten an der Seite Hamburgs

In Kiel herrschte nach dem Zuschlag großer Jubel. Kiel sei den dritten olympischen Spielen der Stadtgeschichte ein großes Stück näher gekommen. Oberbürgermeister Ulf Kämpfer meldete sich aus dem Urlaub in Italien und sagte: "Das ist eine tolle Nachricht! Unsere Freude ist heute so grenzenlos wie der olympische Gedanke." Kämpfer sagte zum positiven Votum der Expertenkommission: "Mit Kiel haben sich die Experten für das stimmigste Gesamtpaket entschieden." Die Stimmung der Kielerinnen und Kieler sei laut Kämpfer schon lange goldmedaillenreif: 82 Prozent der Menschen glauben, dass Olympia einen Mehrwert für Kiel und die Region bringt. Für den Herbst ist ein Bürgerentsched zur Olympiabewerbung geplant.

Deutschlands Segler des Jahres und Weltcup-Sieger Philipp Buhl aus Sonthofen, der Kiel während der Bewerbungsphase bereits unterstützt hatte, freute sich über die Entscheidung: "Kiel ist unser Heimatrevier. Hier ist unser Bundesstützpunkt, und hier trainieren wir. Man muss ja nicht anderswo noch einmal wieder von vorn aufbauen, was hier in den letzten Jahren mit viel Arbeit entstanden ist. Natürlich haben auch die anderen Segelbewerber großartige Segelreviere. Doch das ganze Netzwerk, die Zusammenarbeit mit der Universität, die vielen Kooperationen – die funktionieren in Kiel inzwischen sehr gut. Daher ist es einfach gut so, wie es ist."

tati Zwei Kieler-Woche-Fans Arm in Arm: Philipp Buhl (l.) hatte die Kieler Bewerbung unterstützt. Olympiasieger Robert Scheidt ist seit vielen Jahren bekennender Kieler-Woche-Fan

Das schönste Kompliment für alle Bewerber machte DOSB-Vorstand Bernhard Schwank, als er kurz Bilanz der Prüfung der Kandidaten vor Ort zog: "Wir haben vier Kandidaten besucht, die sich sehr eindrucksvoll präsentiert haben. Sie alle haben untermauert: Deutschland ist ein echtes Segelland!"


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