Rolex Middle Sea Race
„Lucky" gewinnt vor Malta

Kellinghusens „Varuna“ knapp vor Riegels „Speedy“ beste deutsche Yacht

  • Lars Bolle
 • Publiziert am 28.10.2010

ROLEX/Kurt Arrigo "Lucky"

„Lucky

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„Lucky" gewinnt vor Malta

Als bestes deutsches Boot segelte die Rogers 46 „Varuna“ des Hamburgers Jens Kellinghusen beim großen Saisonfinale im Mittelmeer knapp vor der Marten 49 „Speedy“ von Hans Jürgen Riegel (Bonn) auf Rang 13.

Direkt davor platzierte sich Sönke Stein (ebenfalls Hamburg) mit der J 133 „Juno“ unter maltesischer Flagge. Schnellste Yacht auf dem 606 Seemeilen langen Kurs rund um Sizilien und mehrere Mittelmeerinseln herum war der slowenische 100-Fuß-Maxi „Esimit Europa 2“ von Igor Simcic. Die gesegelte Zeit von zwei Tagen und fast sieben Stunden reichte berechnet gegen kleinere Schiffe jedoch nicht zu einem Podiumsplatz.

Als der Gesamtsieg am Donnerstagmorgen (28. Oktober) offiziell war, stieg die ohnehin gute Stimmung an Bord der „Lucky“ noch einmal. Damit gelang dem Eigner aus Chicago bei seiner ersten Teilnahme an der Hochseeregatta auf Anhieb der Sieg. „Das übertrifft unsere kühnsten Erwartungen“, sagte Eigner Ehrhardt, „das Rolex Middle Sea Race hat eine große Reputation, und die europäischen Favoriten segeln sehr stark.“ Der Erfolg sei ein Verdienst der gesamten Crew, allen voran Navigator Ian Moore. Der Ire hatte 2002 das Volvo Ocean Race rund um die Welt mit dem deutschen Team Illbruck Challenge gewonnen und gehört zum US-Syndikat des America’s-Cup-Verteidigers BMW Oracle Racing. „Der Sieg schmeckt besonders süß, da unsere TP 52 auf Trans-Ozean-Rennen ausgelegt ist und vom Spitzengeschwindigkeitspotenzial her eigentlich kleine Nachteile im Vergleich zur direkten Konkurrenz haben müsste.“ Mit strategischem und taktischem Geschick sei die „Lucky“ bestens über den Kurs gekommen und schlug die Zweitplatzierte, deutlich kleinere J 122 „Artie“ von Lee Satariano vom gastgebenden Royal Malta Yacht Club berechnet um eine knappe halbe Stunde.

Jede Menge Spaß hatte die Crew der „Laetitia“ von Axel Schroeder aus Hamburg, die von Taktiker Thomas Schmid, dem Finn-Weltmeister von 1988, auf dem Kurs geführt wurde. Für die neue Baltic 78 aus der Feder von Judel/Vrolijk war es das erste Hochsee-Rennen überhaupt. Mit drei Tagen, sieben Stunden, 46 Minuten und 58 Sekunden, der neuntbesten gesegelten Zeit, bewies die knapp 24 Meter lange Yacht ihre Qualität und soll nun wahrscheinlich auf weiteren Hochseerennen eingesetzt werden. Trotz meist moderater Bedingungen auf dem Kurs musste die Crew auf dem Weg von der Insel Pantelleria Richtung Lampedusa einige kräftige Hagelschauer mit Böen bis zu 30 Knoten abwettern, wurde aber auf dem anschließenden Raumschots-Gang nach Malta mit Hochgeschwindigkeits-Wellenritten bis fast ins Ziel belohnt.

Auf schnellem Kurs war auch die „Varuna“-Crew um Eigner Jens Kellinghusen unterwegs. Nach drei Tagen, elf Stunden, 25 Minuten und 15 Sekunden erreichte die Rogers 46 am späten Dienstagabend (26. Oktober) das Ziel und mischte damit nach berechneter Zeit im absoluten Vorderfeld des Rolex Middle Sea Race 2010 mit, zu dem 78 Boote gestartet waren, gewann außerdem die Wertung nach ORC in der Gruppe 2. Berechnet landete die „Varuna“ eine hauchdünne Minute und drei Sekunden vor der „Speedy“ (14.), . Hans Jürgen Riegel aus der Bonner Haribo-Familie hatte mit seiner französischen Crew unter dem erfahrenen Skipper Bernard Xiberras, für den es der siebte Start war, zum ersten Mal am Race teilgenommen. „Wir hatten ein gutes Rennen und sind mit dem Abschneiden zufrieden“, so Xiberras.

Rund 13 Stunden nach der „Varuna“ lief die J 133 „Juno“ (vier Tage, elf Minuten und 56 Sekunden) in Valletta ein, lag damit aber berechnet eine Stunde vor der Konkurrentin. Und das, obwohl die Crew von Sönke Stein ein „besonderes Souvenir“ aus dem Mittelmeer mitgebracht hatte. „Wir sind ein sehr gutes Rennen gesegelt, eines der besten seit vielen Jahren. Im direkten Wettstreit mit der anderen J 133, der ,Jaru&apos, haben wir das Boot ständig gepuscht und uns lange ein Matchrace geliefert. Nach der Straße von Messina lagen wir sogar noch vor ihr. Danach haben wir aber beständig verloren und konnten uns das gar nicht erklären“, berichtete Skipper und Eigner Stein. Erst im Hafen, den die „Juno“ schließlich vier Stunden nach der „Jaru“ erreichte, tauchte die Erklärung auf. „Als wir den Motor angeworfen haben, kam plötzlich eine sieben Meter lange Trosse zum Vorschein, die offensichtlich die ganze Zeit wie eine Bremsleine an unserem Kiel gehangen hat. Das war einerseits zwar ärgerlich, andererseits waren wir aber froh, den Grund für den Performance-Verlust erfahren zu haben“, so Stein.

Der auf der „Varuna“ kurzfristig eingesprungene Weltumsegler Felix Oehme aus Lübeck war rundum begeistert von dem Renn-Klassiker: „Wir sind alle sehr, sehr zufrieden. Es gab eine Vielzahl von Bedingungen zu meistern — mit einem tollen Sonnenuntergang am letzten Abend, aber auch sehr plötzlich auftretenden Schauerböen bis zu 32 Knoten. Wir hatten viel Arbeit mit jeder Menge Segelwechseln, und wir sind sehr glücklich, heil angekommen zu sein.“

Der Sieger des Portimão Global Ocean Race des vergangenen Jahres war auf der „Varuna“ im Wechsel mit Eigner Kellinghusen als Wachführer am Steuer der Yacht eingesetzt. Nach dem Zieldurchgang nach dreieinhalb Tagen auf See hatte die 14-köpfige Crew noch viel zu diskutieren und war froh, in der maltesischen Hauptstadt gegen Mitternacht noch ein geöffnetes Lokal gefunden zu haben. Den folgenden Tag nutzte die Mannschaft zu einem Besuch Maltas. „Es ist eine mitreißende Insel an der Schnittstelle zwischen Afrika und Europa. Das ist wirklich ein tolles Ambiente für das Rennen“, sagte Oehme, der am darauf folgenden Wochenende schon wieder seinen nächsten Segeleinsatz in Deutschland plante: der Meisterschaft der Meister auf der Alster.

Neuer Name, gleicher Erfolg: Mit einem perfekten Start und einer stets optimalen Segelwahl hatte die „Esimit Europa 2“ den schnellsten Ritt beim Rolex Middle Sea Race 2010 hingelegt. In exakt zwei Tagen, sechs Stunden, 52 Minuten und 32 Sekunden wurde der Erfolg von 2006 wiederholt, als das Boot noch unter dem Namen „Alfa Romeo“ unter neuseeländischer Flagge segelte. Obwohl er die seit drei Jahren bestehende Rekordzeit von George Davids US-amerikanischer „Rambler“ um fast sieben Stunden verfehlte, zeigte Igor Simcic das riesige Potenzial der „Esimit Europa 2“ und distanzierte die schnellste Yacht des Vorjahres, die ebenfalls 100 Fuß lange „ICAP Leopard“ von Mike Slade (Großbritannien), um dreieinhalb Stunden.

Um 18.32 Uhr kreuzte die „Esimit Europa 2“ bereits am Montag als erste Yacht die Ziellinie im Marsamxett Harbour von Valletta. Eigner Igor Simcic nahm kurz darauf eine edle Rolex Yacht-Master sowie die R.L.R. Line Honours Trophy des Royal Malta Yacht Club entgegen. Rückblickend sagte Skipper Flavio Favini, Skipper der „Esimit“: „Im ersten Teil war es ein langsames Rennen, aber an der Küste von Sizilien briste es ein wenig auf. Bei der Einfahrt in die Straße von Messina hatten wir dann wegen schwachen Windes einige Schwierigkeiten, bevor uns die Strömung half und wir die Straße schnell passierten.“ Doch auch die „ICAP Leopard“ blieb in dieser Flaute hängen. Favini: „Der zweite Teil des Rennens war sehr schön und schnell in einer netten Brise.“ Zwischen Lampedusa und Malta rauschte der Maxi bei 23 Knoten Wind mit einem Reff im Groß und gleicher Bootsgeschwindigkeit dahin.


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Themen: Rolex Middle Sea Race

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