Regatta-News
Letzte Olympia-Chance bei der Starboot-WM

Nationenplatz und NOK-Norm gefordert / Sonntag (25. April) erstes Rennen

  • Lars Bolle
 • Publiziert am 23.04.2004

Pickel/Borkowski beim Training vor Gaeta

Für die deutschen Olympiakandidaten im Starboot geht es ab Sonntag um alles. Wird bei der WM im italienischen Gaeta nicht der Nationenstartplatz gesichert, fährt kein Team nach Athen. Doch das ist nicht die einzige Hürde.

Die ersten, die vor Ort eintrafen, waren Marc Aurel Pickel aus Kiel und sein Potsdamer Vorschoter Ingo Borkowski. Für sie gilt es, gleich zwei der drei hohen Hürden auf dem Weg zu den Olympischen Spielen zu überspringen. Zum einen muss Deutschland noch einen der vier für Athen verbliebenen Nationenplätze ergattern. Zum anderen müssen Pickel/Borkowski noch die NOK/DSB-Kriterien erfüllen. Und das heißt, ein WM-Rang unter den besten Zwölf.

„Wir sind gut drauf und glauben fest daran, dass wir es schaffen werden“, gab sich das Duo während der letzten Tests vor dem großen Showdown optimistisch. Sage und schreibe 118 Meldungen liegen vor und könnten eines der größten jemals gestarteten Starbootfelder bilden. Auch vor diesem Hintergrund wollten sich Borkowski und Pickel gar nicht festlegen lassen, welche Latte bei der Regatta höher liegt. Ein WM-Platz unter den Top Zwölf sei kein Pappenstil, wenn mindestens 20 Crews das Zeug hätten, den Titel zu gewinnen. Aber auch um die vier Startplätze kämpfen noch so namhafte Starbootländer wie Kanada, Neuseeland, Dänemark, Spanien, Portugal und andere. Und die WM 2004 ist zu beidem die letzte Gelegenheit. Immerhin hatte der Weltsegelverband ISAF beim IOC erfolgreich nachverhandelt und statt der drei noch vorgesehenen einen weiteren Startplatz bekommen, um die Höchstzahl von 400 aktiven Seglerinnen und Seglern bei den Spielen möglichst voll zu machen.

Für den Deutschen Segler-Verband (DSV) könnte indes auch jede andere Mannschaft das Nationenticket lösen. Zum Beispiel Altmeister Alexander Hagen aus Hamburg mit seinem „Schotten“ Jochen Wolfram (Damme). Der Ex-Weltmeister früherer Jahre überraschte zuletzt bei der Europameisterschaft durch einen vierten Rang, wodurch er nicht nur die NOK-Norm packte, sondern auch noch in der DSV-Ausscheidung gegen Pickel/Borkowski 12:6 in Führung ging. „Daran denken wir jetzt überhaupt noch nicht“, sagt Pickel, „wir müssen ja erst mal die zweite DSV-Qualifikationsserie erreichen.“ Die — dritte Hürde — wäre dann Ende Mai bei der SPA-Regatta im niederländischen Medemblik.

Auch Michael Koch/Markus Koy (ebenfalls Hamburg) kann ein Sprung in die Spitzengruppe zugetraut werden, obwohl sie bei der EM leer ausgingen und in Italien mit dem Rücken zur Wand antreten. Wer Deutschland nach Athen segelt, ist letztlich egal und hat nichts damit zu tun, wer dann für Deutschland in Athen segelt. Das klingt kurios und kann zu erstaunlichen Ergebniskonstellationen führen. Einer für alle, alle für einen — ein Motto, das zumindest in der nicht gerade eng befreundeten deutschen Starbootszene eine ungeahnte Aktualität erfährt.

Zunächst muss aber jedes Team für sich sehen, von Beginn an mit den Weltbesten auf Tuchfühlung zu gehen. Marc Pickel hatte das an gleicher Stelle vor vier Jahren schon mal eindrucksvoll geschafft, als er in Gaeta Frühjahrseuropameister wurde. Zumindest keine schlechte Voraussetzung, aber „das zählt jetzt nichts mehr“, erwidert der Steuermann. Die Konkurrenz sei diesmal von ehemaligen Titelträgern nur so gespickt, und einen Bonus habe davon keiner.

Die WM der traditionsreichen Stare wird noch nach alten Klassenregeln gesegelt. Das heißt, entgegen anderer olympischer Klassen ist pro Tag nur eine mehrstündige Wettfahrt vorgesehen, nur sechs insgesamt. Ab vier Rennen ist die WM meisterschaftsreif, ab fünf wird das schlechteste Einzelergebnis aus der Wertung gestrichen. Läuft alles nach Plan, ist Mittwoch (28. April) Ruhetag, und die Titelkämpfe gehen am Sonnabend zu Ende, Sonntag (2. Mai) bleibt Reservetag.


Lesen Sie die YACHT. Einfach digital in der Delius Klasing Kiosk App (iTunes und Google Play) oder bestellen Sie es im Shop als Abo oder Einzelheft:

iTunes Store Google Play Store Delius Klasing Verlag
Anzeige