Regatta-News
Kurze Atempause

Das gebeutelte Feld der Einhand-Atlantik-Regatta Route du Rhum sortiert sich nach den dramatischen letzten Tagen

  • Andreas Fritsch
 • Publiziert am 14.11.2002

G. Martin-Raget Promovoile Der Open 60 "Virbac" von Jean-Pierre Dick

Nachdem gestern und vorgestern Nacht die schlimmsten Sturmböen mit bis zu 80 Knoten Wind den Skippern der 58 Schiffe auf dem Weg von St. Malo nach Guadeloupe mächtig zugesetzt hatten, scheint sich die Lage heute etwas zu entspannen.

Trotzdem gibt es noch zwei bedauerliche Nachrichten von See. Loïck Peyron musste heute von seinem Trimaran "Fufi" abgeborgen werden, bei dem gestern der Steuerbordschwimmer zerbrochen war und der außerdem den Mast verloren hatte. Peyron hatte zuvor verzweifelt versucht, sein Schiff in einen portugiesischen Hafen zu retten, das begann jedoch kurz vor dem Erreichen der Küste, komplett auseinander zu brechen.

Und schließlich erwischte es noch einen der kleineren Open 40: Conrad Humphreys meldete den Mastbruch seiner "Hellomoto" und ist mittlerweile unter Maschine auf dem Rückweg.

G. Martin-Raget Promovoile Loick Peyron

Angesichts der Atempause ist ein Rückblick auf die dramatischen Ereignissen der letzten Tage angebracht. Nachdem die Flotte ausgelaufen war, wurde zwar ein Sturm für die bevorstehende Überquerung der Biskaya vorhergesagt, doch seine tatsächliche Stärke hat doch einige der Skipper überrascht.

Besonders hart traf der Orkan jene Boote, die sich angesichts der strammen Gegenwinde am Montag entschieden hatten, das nahende Tiefdruckgebiet südlich zu umfahren. Sie segelten mitten in die härtesten Ausläufer. Dort gab es auch die meisten schweren Havarien mit Kenterungen, Mastbrüchen und gebrochenen Rümpfen. Jene Skipper, die dem Wettersystem nach Westen ausgewichen waren, kamen mit den geringeren Windgeschwindigkeiten deutlich glimpflicher davon.

Trotzdem ist die Gefahr noch nicht vorüber. Für heute und die nächste Nacht rechnen die Meteorologen erneut mit Sturm, diesmal auch für die Boote weiter im Westen, allerdings nicht mit so einem Inferno wie am Dienstag.

Mittlerweile haben sich auch einige der Boote mit Defekten wieder ins Rennen zurückgemeldet: Frédérik Le Peutrec auf "Bayer CropScience" hat seinen Autopiloten repariert, "Bonduelle" von Jean Le Cam ist ebenfalls startklar, und auch Jean-Luc Nélias "Belgacom" segelt wieder. Alle drei Skipper waren zwischenzeitlich wieder gestartet, entschieden sich aber angesichts der katastrophalen Bedingungen, einen Schutzhafen anzulaufen und das schlimmste Wetter vorbeiziehen zu lassen.

Bei den Open 60 scheint sich eine mögliche Vorentscheidung anzubahnen. Nachdem gestern Ellen MacArthur die Führung übernommen hatte, wurde heute klar, dass dies nicht nur ihr Verdienst ist: Der bis dahin führende Mike Golding hat offenbar eines der Schwerter seiner "Ecover" verloren, und auf der mitfavorisierten "Sill" von Roland Jourdain ist das Großsegel zerfetzt. Jourdain wird sogar die Azoren für einen Reparaturstopp anlaufen. Damit dürfte es für MacArthur ein Leichtes sein, sich in den nächsten Tagen von ihren beiden härtesten Konkurrenten abzusetzen.

Auch bei den Trimaranen hat die Spitze gewechselt. Nachdem Thomas Coville mit seiner "Sodebo" lange in Führung war, liegt jetzt Marc Guillemots "Biscuits La Trinitaine" vorne. Allerdings muss wohl auch er einen Stopp auf den Azoren einlegen. Thomas Coville meldete, dass alle Latten seines Großsegels gebrochen seien. Er liegt mittlerweile auf Rang drei.

Zwischenstand von heute Morgen:
60-Fuß-Trimarane: Marc Guillemot "Biscuits La Trinitaine", Stève Ravussin "TechnoMarine", Thomas Coville "Sodebo"
Open 60s: Ellen MacArthur "Kingfisher", Mike Golding "Ecover"
Open 50s: Nick Moloney "Ashfield Healthcare"
Open 40s: Régis Guillemot "StorageTek"
50-Fuß-Multihulls: Frank Yves Escoffier "Crêpes Whaou!"


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Themen: EinhandGuadeloupeRoute du RhumSt. Malo

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