Boris unter Druck
Kompression am Kap Hoorn?

Während Spitzenreiter "Virbac-Paprec 3" im Südatlantik allen enteilt, kämpfte "Mapfre" mit Problemen und "Neutrogena" mit Schwachwind

  • Jochen Rieker
 • Publiziert am 04.03.2011

BWR Typisch Südpolarmeer: "Groupe Bel" rast durch das ewige Grau-in-grau gen Osten

1.700 Seemeilen liegen bereits wieder zwischen den Viertplatzierten Boris Herrmann mit seinem Co-Skipper Ryan Breymaier und den, wie es aussieht, ewigen Ersten des Barcelona World Race. Jean-Pierre Dick und Loick Peyron können unbedrängt davonziehen. Selbst ihren Schatten, die Spanier auf "Mapfre", haben sie abgeschüttelt.

Weil Iker Martinez und Xabi Fernandez hinter dem Kap nahezu aufstoppen mussten, um ein Fall zu reparieren, bremst sie nun ein Hochdruckkeil. Dabei waren sie vor drei Tagen noch bis auf wenige Meilen an Platz 1 dran.

Auch die dahinter liegenden Verfolger "Renault" und "Neutrogena" verlieren Meilen auf die Spitzenreiter. Sie müssen sich derzeit mit einer relativ komplexen Wettersituation abfinden. Zwei Tiefdruckzellen im Nordosten und Südwesten sowie ein Hoch in ihrem Rücken lassen sie nicht so recht in Fahrt kommen.

Ganz anders dagegen die Situation für die dahinter segelnden Boote. Vor allem "Groupe Bel" und "Estrella Damm" preschen seit Tagen von achtern heran. Die gut 700 Meilen Vorsprung auf Boris Herrmanns "Neutrogena" haben sie inzwischen mehr als halbiert, und so wird es wohl auch bis zum Kap Hoorn weitergehen. Dort werden die Karten für den letzten Podiumsplatz wahrscheinlich noch einmal neu gemischt. Und es gibt nicht viel, was der zuletzt so stark segelnde Deutsche und sein US-Co-Skipper daran ändern können, deren Boot obendrein etwas unterlegen ist.

Nachdem die „Mirabaud“ vor Neuseeland überholt worden war, hatten Boris Herrmann und Ryan Breymaier im Südpazifik den Rückstand auf die „Renault“ schrittweise bis auf 13 Seemeilen reduziert. Das ist bei Geschwindigkeiten von mehr als 20 Knoten nur eine gute halbe Stunde. „Einmal hatten wir nachts das erste Mal seit langem unsere Positionslaternen wieder angeschaltet, um auf keinen Fall eine Kollision zu riskieren“, so Herrmann.

Doch bei schwerem Wetter mit acht bis neun Windstärken und steiler, kurzer Welle wählte das deutsch-amerikanische Duo schließlich eine konservativere Strategie. „Es bringt nichts, hier jetzt das Allerletzte aus dem Boot rauszuprügeln und Schäden in Kauf zu nehmen“, meinte der geborene Oldenburger, „die Entscheidungen fallen eh erst auf dem letzten Teilstück.“

Schlechte Nachrichten kamen gestern vom Schweizer Dominique Wavre von Bord der hinter "Neutrogena" an 5 liegenden „Mirabaud“. Seine Co-Skipperin und Partenerin Michele Paret aus Frankreich wurde bei einem Manöver im Cockpit bewusstlos und erholt sich seitdem unter Deck von den Strapazen.

Sie leidet schon seit einem Monat unter Blutarmut und hatte bei der Passage Neuseelands vom Rennarzt Medikamente mitbekommen. „Derzeit muss ich das Boot allein segeln“, erklärte Wavre die in den vergangenen Tagen etwas reduzierte Geschwindigkeit des Teams. „Wir hoffen jedoch, dass sich der Zustand von Michele verbessert und sie ohne Stopp bis ins Ziel nach Barcelona durchhält.“

Juan Merediz und Fran Palacio sind derweil in Wellington eingelaufen. Vor Neuseeland brach der Mast ihrer „Central Lechera Asturiana“ auf halber Höhe. Jetzt liegt das Boot im Hafen der neuseeländischen Hauptstadt, wo zuvor nicht nur ihre direkten Gegner auf Platz zehn, Gerard Marín und Ludovic Aglaor mit der „Fòrum Marítim Català“ zu technischen Reparaturen angehalten hatten, sondern noch drei weitere Boote aus dem Vorderfeld.

Auch das spanische Schlusslicht „We are Water“ mit Jaume Mumbrú und Cali Sanmartí (beide Spanien), das in einer extremen Bö gekentert war, dürfte dort aufstoppen. Der Rückstand auf die Spitze beträgt schon mehr als 5.000 Seemeilen. Mit einer Zielankunft der Nachzügler wird nicht vor Ende April/Anfang Mai gerechnet.


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Themen: Barcelona World RaceBoris HerrmannKap HoornMapfreNeutrogenasouthern oaceanVirbac-Paprec 3

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