Barcelona World Race
Knockdown an Bord der "Neutrogena"

Beim Surf lief der Open60 aus dem Ruder und legte sich kurzzeitig flach aufs Wasser. Ein Ballasttank-Rohr brach, ließ viel Wasser ins Schiff

  • Johannes Erdmann
 • Publiziert am 05.02.2011

Boris Herrmann barcelonaworldrace.com Nasses Leben an Bord der "Neutrogena"

Ein kleines Drama spielte sich an Bord der "Neutrogena" ab: Gerade hatten Boris Herrmann und sein Co-Skipper Ryan Breymaier den Kontrahenten "Mirabaut" überholt, als ein plötzlicher Wassereinbruch viel Arbeit bescherte.

Bei dem Knockdown platzte eine Zuleitung zum Ballasttank und ihr kostbarer Code-0 ging über Bord. Eine Stunde verging, bis sie den schwimmenden Segelsack mit viel Glück wiederfanden und die Regatta mit komplett durchnässter Koje und kleinen Blessuren fortsetzen konnten.
Am Sonnabendvormittag lag die „Neutrogena“ zwischen dem Kap der Guten Hoffnung und Neuseeland fast 1.500 Seemeilen hinter der führenden „Virbac-Paprec 3“ von Jean-Pierre Dick und Loïck Peyron aus Frankreich auf Platz sieben. Noch hatte sie zwei Drittel der rund 25.000 Seemeilen langen Strecke von Barcelona nach Barcelona zu absolvieren.

Der kritische Vorfall ereignete sich Freitagnachmittag. Mittags hatte die tagelang verfolgte „Mirabaud“ endlich schräg achteraus gelegen, bevor diese ihren Kurs änderte und außer Sicht geriet. Nachdem auch die „Neutrogena“ von Südost- auf Nordostkurs gehalst hatte, nahm der Westwind in Böen auf Stärke sieben bis acht zu. Der Bug tauchte immer wieder in die vier Meter steilen Wellen ein. In klammen Klamotten nach einer Nacht ohne nennenswerten Schlaf erklärte Boris Herrmann am Sonnabendvormittag immer noch ziemlich erschöpft: „Wir wollten den hinteren linken Wasserballasttank auffüllen, um das Boot besser zu trimmen. Doch plötzlich waren mehrere hundert Liter ins Schiffsinnere gelaufen. Unsere verschweißten Vorratsbeutel waren schon nass.“

Offenbar platzte durch den enormen Staudruck bei hoher Bootsgeschwindigkeit ein Zulaufrohr aus Kohlefasern. Während Herrmann die elektrische Bilgepumpe in Betrieb setzte und unter Deck wichtige Utensilien wie den gemeinsamen Schlafsack ins Trockene sichern wollte, staute Breymaier an Deck die schweren Segelsäcke weiter nach achtern. Als die „Neutrogena“ mit 27 Knoten Speed (etwa 50 km/h) abrupt in einen Wellenberg raste, lief die 18,29 Meter lange Yacht aus dem Ruder und legte sich mit 90 Grad flach auf die Seite. Dabei fiel der Sack mit dem großen Code-Zero-Vorsegel nach unten, knickte eine Seerelingsstütze ab und ging über Bord.

Boris erklärt in einer Videomeldung die Folgen des Knockdowns:


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Themen: Boris HerrmannKnockdownNeutrogena

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