125. Kieler Woche
Kieler Woche "light": Leichte Brise, schweres Spiel

Am siebten Tag der Kieler Woche haben flaue Sommerwinde die Segler nachsitzen und Favoriten straucheln lassen. Für die Jury gab es abends eine Protestflut

  • Tatjana Pokorny
 • Publiziert am 28.06.2019
Vicky Jurczok und Anika Lorenz im 49erFX Vicky Jurczok und Anika Lorenz im 49erFX Vicky Jurczok und Anika Lorenz im 49erFX

German Sailing Team / Felix Diemer Vicky Jurczok und Anika Lorenz im 49erFX

Sascha Klahn / Kieler Woche Die Flaggen zeigen es an: Startverschiebung aufgrund flauer Winde

Erstmals hatten die Olympiasegler bei der 125. Kieler Woche am Freitag mit sehr flauen Winden zu kämpfen. Die Wettfahrten konnten erst nach stundenlanger Verschiebung beginnen, mussten teilweise auch wieder abgebrochen und neu gestartet werden. Das letzte 49er-Rennen endete erst um 21.10 Uhr! Und das nicht zur Freude der Top-Favoriten Peter Burling und Blair Tuke. Die neuseeländischen Olympiasieger und America's-Cup-Verteidiger sind bekannt dafür, dass sie sich seit ihrem Comeback in diesem Jahr mit flauen Bedingungen noch etwas schwer tun. Mit den Rängen 6, 15 und 14 rutschte das Kiwi-Duo nach starken Leistungen an den Vortagen aber nur auf Platz drei  ab. Was auch damit zu tun hatte, dass die Konkurrenz ebenso zu kämpfen hatte. Die Landsmänner und neuen Spitzenreiter Logan Dunning Beck und Oscar Gunn übernahmen die Führung mit den Rängen 10, 6 und 7. Ärger litten die deutschen 49er-Asse: Tim Fischer und Fabian Graf liegen als beste GER-Crew auf Platz elf. Justus Schmidt und Max Boehme fielen auf Platz 20, Jakob Meggendorfer und Andreas Spranger auf Platz 21 zurück. Schmidt/Boehme, die sich im Heimatrevier mehr vorgenommen hatten, bremsten sich auch mit einem Frühstart aus.

Am siebten Tag der 125. Kieler Woche gab es 49erFX-Segeln satt. Hier die Wiederholung der Live-Übertragung

Sascha Klahn / Kieler Woche Vicky Jurczok und Anika Lorenz verteidigten am Freitag ihre Führung

Besser kamen die Berlinerinnen Vicky Jurczok und Anika Lorenz mit den "nervenaufreibenden" Bedingungen klar. Sie verteidigten ihre Führung mit den konstanten Rängen fünf und sechs an einem Tag, an dem sich außer den auf Platz drei vorgerückten starken Däninnen Ida Marie Baad Nielsen und Marie Thusgaard Olsen alle Top-Team ein oder sogar zwei zweistellige Ergebnisse eingefangen hatten. Wie auch die zweimaligen Kieler-Woche-Siegerinnen Tina Lutz und Susann Beucke, die den Schaden aber nach Rang 14 mit einem guten vierten Rang begrenzen konnten und im Zwischenklassement nach acht Wettfahrten auf Platz vier weiter aussichtsreich im Rennen liegen. "Ein kleiner Fehler heute", erzählte Tina Lutz, "und du wirst sofort zehn Plätze nach hinten gereicht. Und dann hatten wir noch eine kleine Kollision an einer Tonne… " Die Olympia-Neunten Jurcok/Lorenz starten am Samstag als Spitzenreiterinnen mit zehn Punkten Vorsprung vor den Holländerinnen Willemijn Offermann/Elise de Ruijter in Tag zwei der Hauptrunde. Die bereits für die vorolympische Regatta in diesem Sommer qualifizierte VSaW-Crew hat die Kieler Woche noch nie gewinnen können. "Die hätten wir schon gerne auf unserer Liste", sagte Anika Lorenz, "das wäre cool."

Sascha Klahn / Kieler Woche Der dänische 49erFX von Ida Marie Baad Nielsen und Marie Thusgaard Olsen

Am siebten Tag der 125. Kieler Woche gab es 49erFX-Segeln satt. Hier die Wiederholung der Live-Übertragung

Im Nacra 17 konnten die Kieler Paul Kohlhoff und Alica Stuhlemmer ihre Führung auch in den weniger geliebten leichten Winden verteidigen. Auf den Plätzen zwei und drei liegen die italienischen Co-Favoriten Vittorio Bissaro/Maelle Frascari (Italien) und der österreichische Rio-Bronzemedaillengewinner Thomas Zajak mit Barbara Matz. Die Platzierung der Italiener allerdings schien am späten Abend keineswegs sicher. Denn: Sie beruhte darauf, dass die Wettfahrtleitung die Azzurri gleich in vier Wettfahrten mit einer sogenannten "Standard-Strafe" belegt hatte, weil sich die Italiener mehrfach nicht ordnungsgemäß an- und abgemeldet hatten. Dagegen jedoch protestierten Bissaro/Frascari. Sollten sie mit ihrem Antrag auf Wiedergutmachung durchkommen, könnten sie Kohlhoff/Stuhlemmer noch vor Rennstart am Samstag von der Führungsposition verdrängen. Ähnlich ungewiss erschienen am späten Freitagabend eine Reihe weiterer Ergebnisse, denn die Jury sah sich mit einer kleinen Flut von Protesten konfrontiert, wie sie an flauen Tagen oftmals vorkommt. Auch Peter Burling und Blair Tuke zählten zu jenen, die noch am späten Abend auf eine Verhandlung warteten.

Sascha Klahn / Kieler Woche Vittorio Bissaro und Maelle Frascari im Nacra 17 unter Druck: Ihre guten Ergebnisse schmälern eine Reihe "Standard-Strafen", über die am späten freitagabend vor der Jury verhandelt wurde

www.segel-bilder.de Paul Kohlhoff und Alica Stuhlemmer führen die Flotte im Nacra 17 weiter an

Bei den Finn-Seglern hat sich Phillip Kasüske vom Verein Seglerhaus am Wannsee punktgleich mit dem führenden Australier Jake Lilley auf Platz zwei vorgeschoben. Max Kohlhoff vom Norddeutschen Regatta Verein liegt auf Platz vier. Im Laser Radial schob sich Svenja Weger mit einem Tagessieg und Rang sechs nach insgesamt sechs Wettfahrten auf Platz sechs vor.

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Themen: 125. Kieler Woche49er49erFXNacra 17

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