Kieler Woche
"Kiel hat den Weltcup-Status verdient"

Stadt, Land und DSV machen sich in und für Kiel stark. Die Nationalmannschaft sagt Tschüß und nimmt Kurs auf Rio. 4000 Segler am Start

  • Tatjana Pokorny
 • Publiziert am 14.06.2016

Die Segel sind schon gesetzt: Wenn die 122. Kieler Woche am 18. Juni um 19.26 Uhr von Vizekanzler Siegmar Gabriel mit dem Signal "Leinen los" eröffnet wird, nehmen rund 4000 Segler aus 50 Nationen Kurs auf die weltgrößte Segelsportveranstaltung auf der Kieler Förde. Im vorolympischen Glanz ist die Nationalmannschaft ein letztes Mal im Einsatz, bevor sich die Hoffnungsträger auf Kurs Rio de Janeiro verabschieden. Auf der Bühne der Audi Sailing Arena im Olympiazentrum Kiel-Schilksee sagen die Athleten am Dienstag um 16 Uhr ganz offiziell "Tschüß", bevor die Mehrheit der Olympioniken im Heimatrevier noch einmal Selbstbewusstsein tanken und letzte Materialtests absolvieren will. Die olympische Hälfte der Kieler Woche beginnt am 22. Juni und endet am zweiten Sonntag der neuntägigen Regatta.

KiWo/www.segel-bilder.de Prominente Sportler bei der Kieler Woche 2015: Biathlon-Königin Magdalena Neuner und Jochen Schümann. Auch in diesem Jahr laden Partner wie Audi bekannte Sportler aus anderen olympischen Disziplinen nach Kiel ein

Während die Kieler-Woche-Organisatoren in vielen Klassen Aufschwung und steigende Teilnehmerzahlen erleben, müssen sie in den olympischen Disziplinen unfreiwillig weiter mit schwacher Beteiligung leben. Der 2013 verlorene Weltcup-Status sorgt dafür, dass viel Olympia-Prominenz an Kiel vorbei segelt. "Es kann eigentlich gar nicht sein, dass Kiel keinen Weltcup-Status hat. Der wäre essentiell", wundert sich Laser-Vize-Weltmeister und Aktivensprecher Philipp Buhl. Der 26-jährige Sonthofener zählt zu den olympischen Hoffnungsträgern im Audi Sailing Team Germany und kann nicht verstehen, warum Kiels Kampf um die Zurückgewinnung des Weltcup-Status noch nicht  erfolgreich war: "Das Revier in Kiel ist genauso Weltklasse wie das Programm mit Partnern wie Audi, die den Zuschauern an Land ein fantastisches Programm bieten, wie es das sonst nirgendwo gibt."

SailingEnergy/Pedro Martinez Erst Kiel, dann Rio: Philipp Buhl will den letzten Heim-Einsatz auf dem Wasser auch für die Weiterentwicklung seiner Starts nutzen

Mit Stars und dem Steuermann des Weltverbandes

World Sailing Kommt zur Kieler Woche, um sich vor Ort ein Bild von der weltgrößten Segelsportveranstaltung zu machen: Andy Hunt, CEO World Sailing

Zwar sind in diesem Jahr Top-Athleten wie die neuseeländischen 49er-Weltmeister und America's-Cup-Stars Peter Burling und Blair Tuke und auch 470er-Olympiasieger Mathew Belcher am Start, doch mit insgesamt nur rund 350 olympischen Booten in sieben von zehn olympischen Disziplinen (die Surfer und Surferinnen fehlen mangels Masse, die 470er-Felder der Männer und Frauen wurden aus dem gleich Grund zusammengelegt) fehlt Kiel einiges zu einst gewohnten Meldezahlen. Die Veranstalter lassen deshalb im Dialog mit dem Weltsegler-Verband World Sailing nicht locker, haben gerade erst wieder eine neue Kurzbewerbung eingereicht und wollen in der kommenden Woche World Sailings neuen CEO Andy Hunt bei seinem Besuch in Kiel überzeugen. "Die Kieler Woche hat den Weltcup-Status verdient", so Regattachef Dirk Ramhorst, "das wollen wir dem neuen CEO Andy Hunt vor Ort zeigen."

Dass knapp 100 Meldungen zur J/70 Europameisterschaft vorliegen, dürfte Hunt ebenso beeindrucken, wie der neu arrangierte finale "Super Sundy" und viele weitere Höhepunkte sowie das Fan-Programm an Land. "Wir bieten in diesem Jahr einige Highlights an, die teilweise mehr als ein jahr Vorbereitungszeit gekostet haben", erklärte Ramhorst. Bei einer Pressekonferenz in Kiel freute sich der KiWo-Sportchef auch über den Rückenwind für die Kieler Woche aus Richtung Stadt und Land: "Die Zusammenarbeit mit der Stadt Kiel und dem Land Schleswig-Holstein ermöglichen uns Investitionen in die Zukunft des Segelsports in Kiel, für die wir sehr dankbar sind." Pünktlich zur Kieler Woche weiht der Deutsche Segler-Verband (DSV) seine neuen Büros am Standort Schilksee ein. Damit operieren nun der Olympiastützpunkt mit Internat, der Bundesstützpunkt und der DSV mit Blick auf den Leistungssport an einem Standort.

Boris Herrmann auf Foils in die Audi Speed Challenge

YACHT/J. Rieker Boris Herrmann fordert eine Flotte von Katamaranen als Kite-Foiler heraus

Neben der in die Kieler Woche integrierten J/70 Europameisterschaft, der 470er Junioren Weltmeisterschaft und den Internationalen Deutschen Meisterschaften im Seesegeln, im EInhand-Kielboot 2.4mR, in der Sonar und in der neuen olympischen Katamaran-Mixed-Disziplin Nacra 17 zählt auch die Audi Speed Challenge zu den Höhepunkten der diesjährigen Keiler Woche. Dabei werden am Samstag drei Foiling Kites, ein Nacra 17, ein Nacra 20, drei Flying Phantome und jeweils ein A-Cat, ein 18-Footer und ein iFly15 aufeinander treffen und ihren Schnellsten ermitteln. Dabei ist auch Weltumsegler und Rekordjäger Boris Herrmann, der seit einem Jahr begeisterter Kite-Foiler ist. "Ich denke, dass die Foiling Kites kurz hinter den aktuellen America's-Cup-Katamaranen derzeit die schnellsten Boote auf dem Wasser sind. Foiling Kites haben schon 45 Knoten geschafft." Herrmann freut sich auf die Herausforderung bei der Kieler Woche, sagte: "Ich selbst stehe noch am Anfang des Sports, kriege bei 25 Knoten auch ein bisschen wacklige Beine. Aber ich versuche jeden freien Tag zu trainieren und wer weiß: Vielleicht wird die Disziplin eines Tages ja sogar olympisch?"


Lesen Sie die YACHT. Einfach digital in der YACHT-App (iTunes und Google Play) oder bestellen Sie es im Shop als Abo oder Einzelheft:

iTunes Store Google Play Store Delius Klasing Verlag

Themen: Andy HuntDirk RamhorstDSVIDMKielKieler FördeKieler WocheMathew BelcherOlympiaORCPeter BurlingPhilipp BuhlWorld Sailing

Anzeige