Portimao Global Ocean Race
Kap Hoorn kündigt sich mit Bft 12 an

"Beluga Racer" liegt 106 sm hinter den führenden Chilenen: "Wir gönnen ihnen die Führung am Kap"

  • Johannes Erdmann
 • Publiziert am 16.03.2009

Beluga Racer Schweres Wetter im Südpolarmeer

Während der Abstand zum führenden Boot "Desafio Cabo de Hornos" konstant bleibt, kämpfen sich Boris Herrmann und Felix Oehme durch schwerstes Wetter zum südlichsten Punkt ihrer Fahrt: Dem sagenumwobenen Kap im Süden Amerikas.

Die letzte Meldung direkt von Bord der "Beluga Racer" erreichte die Leser am vergangenen Freitag, den 13. März. Darin berichteten die beiden Segler von gutem Vorankommen, dass sie sich "fit, gesund und hochmotiviert" dem Kap nähern und die Verfolgung auf die an erster Stelle liegenden Chilenen aufgenommen haben. Dennoch gönnen sie es dem führenden Team, als erste das Kap zu runden, wie Felix Oehme im Podcast von Bord erklärt: "Für die Chilenen ist das wirklich ein ganz, ganz großer Moment. Ihr Schiff heißt 'Cabo de Hornos' - Kap Hoorn -, der Skipper Felipe war zwei Jahre lang in der chilenischen Navy, kennt dort aus seiner Navyzeit und auch aus der Navy-Schule noch alle möglichen Kommandeure, die in der Chilenischen Seerettung sind und ein Auge auf uns haben. Die Chilenische Navy hat ganz großes geplant. Wenn die beiden dann rund Kap Hoorn segeln, wird eine Fregatte raus kommen, da wird ein Flugzeug sein, in dem die Familie der beiden sitzt und die wahrscheinlich einen Kreis um das Schiff fliegen wird. Also für die ist das wirklich ein Höhepunkt, sodass die jetzt auch bis über beide Ohren motiviert sind, dieses Kap Hoorn als Erste zu umrunden, dass ich fast glaube, das ist für die noch wichtiger, als die Etappe zu gewinnen".
Kurz nach dieser Meldung von Bord nahm mit der Überquerung des 50. Breitengrades der Wind enorm zu, sodass die Schiffe mit bis zu zwölf Windstärken zu kämpfen hatten, aber dennoch unter stark verkleinerter Segelfläche, Rekordgeschwindigkeiten liefen. "Beluga Racer" hält unvermindert den Abstand zu dem führenden Team, gefolgt von "Mowgli", die bereits 213 sm zurück liegen und dem einzigen Einhandsegler an Bord der "Roaring Forty", der allerdings seinem Schiffsnamen gerecht wird und zeigt, dass er auf das brutale Wetter im "southern ocean" vorbereitet ist, dicht hinter den Zweihand-Crews folgen kann.
Derzeit befindet sich "Desafio Cabo de Hornos" etwa 300 sm vor dem Kap. Skipper Felipe Cubillos berichtete schon am vergangenen Wochenende über die Verhältnisse an Bord: "Wir werden heute Nacht sicher in das bei weitem schlechteste Wetter des gesamten Rennens geraten — und wahrscheinlich auch das schwerste in unserem gesamten Leben. Aber wir haben alles unter Kontrolle. In den letzten Stunden hat der Wind von 65 Knoten (Bft 12) auf knapp unter 50 Knoten (Bft 10) abgeflaut, was sich überraschend ruhig anfühlte, im Vergleich zu vorher".
Er meldete von Bord, dass trotz des anhaltend schweren Wetters bis auf den Sicherungsstift eines Ruders noch nichts wesentliches beschädigt worden war. Zur Sicherheit verfolgt jedoch das "Maritime Rescue Coordination Centre" (MRCC) in Punta Arenas (Chile) den Fortschritt der Schiffe auf dem Monitor. Weiter berichtete Cabillos: "Nur unter Stagsegel laufen wir einen Schnitt von 13 Knoten, in den Spitzen bis zu 22! Der Autopilot schafft es nicht mehr, wir steuern von Hand und wechseln uns alle zwei Stunden an der Pinne ab". Da das Schiff fast permanent von Wellen überrollt und mit Wasser eingedeckt wird, fand Cabillos dort unten im Südpolarmeer neue Erkenntnisse zum Design von Schwerwetterkleidung: "Ich kann nun mit Sicherheit sagen, dass das wirklich wasserdichte Ölzeug noch nicht erfunden worden ist. Wir haben uns vor dem Rennen das — wie wir dachten — beste Ölzeug gekauft, aber ich befürchte, es ist völlig nutzlos hier unten. Ölzeug-Designer würden eine Menge dazu lernen, wenn sie einmal ihre Schreibtische in Europa verlassen und einige Zeit hier unten in den brüllenden Fünfzigern verbringen würden".
Die letzten 300 Seemeilen bis zum Kap Hoorn sind nun absehbar. Es wird erwartet, dass "Cabo de Hornos" bereits am kommenden Mittwoch gegen 20 Uhr unserer Zeit den Namensgeber seines Schiffes passiert. "Beluga Racer" wird erst am Donnerstag gegen 13 Uhr erwartet.


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Themen: Boris HerrmannKap HoornOehmePortimão

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