Portimão Global Ocean Race
Kap Hoorn in Sicht!

"Beluga Racer" rundete gegen zwölt Uhr die legendäre Landmarke im Süden Amerikas. Nun zieht ein neuer Sturm auf.

  • Johannes Erdmann
 • Publiziert am 19.03.2009

Guy Wenborn Kap Hoorn aus der Luft

Nebel und schwache Winde begrüßten das deutsche Schiff an ihrem südlichsten Wendepunkt. Boten, die einen schweren Sturm ankündigen, der in den nächsten 24 Stunden mit bis zu 80 Knoten über sie hinweg ziehen soll.

Bereits um 1.50 Uhr unserer Zeit passierte die Crew des an erster Stelle liegenden, chilenische Bootes "Desafio Cabo de Hornos" den Namensgeber ihres Schiffes. Damit erbrachten sie gleich vier Erstleistungen: Sie waren die erste Yacht im Portimão Global Ocean Race am Kap Hoorn, das erste chilenische Team, das in einem Rennen rund um das Kap segelt, waren die erste moderne 40-Fuß-Yacht in einem Rennen rund um die Südhalbkugel der Erde und sie segelten die erste Class 40 im "Southern Ocean" und erreichten damit den 56 Breitengrad Süd.

Als das Boot gestern Abend den Eingang zur Drake-Passage passierte, kam es einigen Felseninseln gefährlich nahe. Skipper Cubillos verschickte sogleich eine Email an alle anderen Teilnehmer, um sie vor Ungenauigkeiten in der Karte zu warnen: "Passt auf die Felsen auf. (...) es scheint mir, dass sie etwas südlicher sind, als in der Karte angegeben und außerdem unbeleuchtet."
Kurz nach dem Passieren des Kaps wurde ihr Schiff von einem chilenischen Beobachtungsflugzeug gesichtet und bald darauf bekamen sie per Satellitentelefon Grüße und Glückwünsche vom chilenischen Präsidenten und der Crew der "Beluga Racer" übermittelt, die sich 85 Seemeilen westlich von ihnen befand. Ein bewegender Moment. Felipe Cubillos schrieb in einem Bericht von Bord: "Ich habe eine wichtige Nachricht weiter zu geben: Jeder kann seine Träume verwirklichen, wenn er dabei nur Leidenschaft und Zielstrebigkeit an den Tag legt, wenn er Pessimismus, Selbstzweifel und die Angst, zu scheitern, überwindet. Der Preis dafür ist immens. Für mich — und wahrscheinlich viele von euch — ist diese Erfüllung meines Traums der Grund zu leben. Jeder von uns hat ein persönliches Kap Hoorn. Es geht nur darum, es im Leben zu lokalisieren und dann genau darauf zu zu steuern."

"Beluga Racer" befand sich zu dem Zeitpunkt noch immer 76 Meilen in ihrem Kielwasser und die Vorfreude auf den Meilenstein in ihrem Seglerleben mischte sich mit den gebrochenen Gefühlen, den Höhepunkt der Reise hinter sich zu lassen, wie es Boris Herrmann in einem Podcast von Bord erklärt: "Ich bin ein wenig betrübt, denn wenn wir das Kap nun runden, zerstört es all die Träume davon, den &aposSouthern Ocean&apos zu erkämpfen. Wenn wir das Kap erreichen, erreichen wir den Höhepunkt — wir haben den Traum erfüllt."

Die Faszination dieser unwirtlichen Gegend lässt ihn nicht los: "Ich möchte den &aposSouthern Ocean&apos noch nicht verlassen. Es ist kalt, es ist rau — aber es ist dieses intensive Segeln, das mir mehr als je zuvor das Gefühl gibt zu leben."

Möglicherweise wird es vor dem Kap nun doch noch ein Treffen mit der Volvo-Ocean-Race-Yacht "Telefonica Blue" geben, die mit über 600 Meilen Rückstand zum Führenden der Flotte hinterher segelt.

Das Maritime Rescue Coordination Centre in Punta Arenas gab in der Zwischenzeit eine Unwetter-Warnung für das Seegebiet vor Kap Hoorn heraus. Ihren Angaben zufolge wird der Wind im Laufe des heutigen Tages auf Nord drehen und auf zwischen 40 und 50 Knoten (9-10 Bft), in den Spitzen zwischen sogar 70 und 80 Knoten (weit jenseits Bft 12!) zunehmen.

Race Director Josh Hall warnte die Segler eindringlich: "Bereitet euch auf sehr kurze Wellenlängen und hohe, steile Seen vor, die dort unten typisch sind. Denkt vielleicht sogar darüber nach, das Kap etwas weiter südlich des Flachs zu runden, in Anbetracht dessen , was da von Westen auf euch zu kommt."

Das erwähnte Flach meint das Kontinentalshelf südlich des Festlandes, bei dem sich das Seebett auf wenigen Meilen von über 4.000 Metern auf bis zu 100 Metern anhebt. Im Blick auf den anziehenden Sturm und das flache Seegebiet entschied sich der Skipper der an dritter Stelle liegenden "Mowgli", Jeremy Salvesen, für einen sichereren, südlichen Kurs um das Kap: "Das ist der Punkt, wo die Wettfahrt aufhört und der Überlebensmodus einspringt. Wir müssen uns jetzt darauf konzentrieren, auf uns gegenseitig zu achten und natürlich unser Boot. In dem Wissen, dass wenn wir nur gut auf sie achten, sie auch auf uns aufpasst. Wir werden die Segel rechtzeitig verkleinern und die sicherste, wenn auch nicht unbedingt die schnellste Route nehmen." Für den südlicheren Kurs, der die "Mowgli" näher an die antarktische Halbinsel heranführen wird, sind etwas moderatere Winde von etwa 6-7 Bft vorausgesagt.

"Beluga Racer" hat das Kap mittlerweile in ihrem Kielwasser und nimmt nun Kurs auf Brasilien. Der Höhepunkt der Reise liegt hinter ihnen. Boris Herrmann sprach kurz vor der Rundung noch von der Bedeutung des Kaps in ihrem Seglerleben und was es für ein Gefühl ist, sich diesem Ort langsam zu nähern: "Es ist wie der Aufstieg zu einem Gipfel — und auf der anderen Seite steigen wir wieder ab, das ist schade."

Kurz vor dem Kap war die Sicht für die deutschen Segler durch Nebel beeinträchtigt, der auch den Empfang des Satellitentelefons störte: "Seit einer Woche haben wir nun keine Sonne mehr gesehen, nur grau in grau." Über sein eigenes Verhalten überrascht zeigte sich der Segler auf die Frage, wie ihre Reaktionen auf schweres Wetter verändert wurden: "Wir haben uns wirklich an den starken Wind gewöhnt, haben Zutrauen zu dem Boot gewonnen. Selbst bei den 55 Knoten Wind, den wir neulich hatten, kamen wir gut zurecht. Jetzt werden wir viel ruhiger daran gehen, wenn soetwas nochmal kommt. Und das ist ein tolles Gefühl!"

Und das schwere Wetter ist bereits im Anzug. Es bleibt also spannend.


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Themen: BelugaBoris HerrmannKap HoornOehmePortimão

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