Volvo Ocean Race
Kap Hoorn im Kielwasser

Nach Rundung des südlichsten "Scoring Gate" gingen die Crews nun auf Kurs "Rio de Janeiro" – noch 2.000 Meilen

  • Johannes Erdmann
 • Publiziert am 18.03.2009

Raceviewer VOR Positionen um 8 Uhr dt. Zeit

Der "Mount Everest" der Segler ist bezwungen. Nachdem bereits gestern vier der fünf Schiffe die "legendäre Mautstelle" (wie Puma-Skipper Read das Kap bezeichnete) passiert haben, liegt nun der "Southern Ocean" hinter ihnen.

Trotz des starken Windes, der die Schiffe die vergangenen Tage von achtern mit Geschwindigkeiten zwischen 25 und 30 Knoten und Fahrt von bis zu 20 Knoten auf das Hoorn zuschob, gelang die Rundung relativ harmlos und ohne besondere Zwischenfälle.

Nicht etwa wie im Whitbread 1973/74, als die in Führung liegende "Adventure" vor dem Hoorn vom Patrouillenschiff "HMS Endurance" begrüßt wurde, das zum Salut neun Schüsse abgab — einer davon nur leider mitten durch ihre beste Genua.

Als viertes Boot rundete das Team "Green Dragon" die legendäre Landmarke — pünktlich zum irischen Nationalfeiertag St. Patricks Day. Ihr Schiff war zwar in China gebaut, das Team aber in Irland gegründet worden. Die Stimmung an Bord erlebte mit dem Erreichen dieses Wendepunktes und damit der Wende auf Kurs Nord, Kurs Heimat, natürlich einen ungeheuren Aufschwung. Die vergangenen Tage kurz vor dem Hoorn, das unsichere Wetter und die Legenden um dieses stürmische Seegebiet setzte die Crews doch sehr unter Druck. Rick Deppe, Medienmann an Bord der "Puma", beschrieb die Stimmung in einer Mail: "Die üblichen Scherze an Deck sind verklungen. Ich war gerade oben, wollte den Skipper um einen Kommentar zur Lage oder ein Zitat bitten — aber alles, was ich bekam, war ein tief ernster Blick ..."

"Puma" segelte mit einem leichten Handicap: Bereits am Montag brach das Steuerrad bei Windstärke neun und einer einsteigenden See zum zweiten Mal auf dieser Reise in zwei Hälften. Zunächst musste mit der Notpinne weitergesteuert werden, bis das Rad mit Epoxid geklebt erneut montiert werden konnte. Skipper Ken Read hatte einen großen Respekt vor dieser "ikonischen Mautstelle": "Wenn der südlichste Punkt Amerikas reden könnte, würde er haarsträubende Geschichten der Tragik und heroischer Leistungen großer Sportsmänner, Händler, Geschäftsmänner und Abenteurer erzählen. Wahrscheinlich mehr als jede andere Landmarke in der Geschichte. Aus diesem Grund ist es ein wahres Privileg, durch dieses Tor zu treten. Etwas, was man nicht einfach tun kann, sondern sich verdienen muss."

Derweil befindet sich "Ericsson 3" noch immer in Führung, dicht gefolgt von ihrem Schwesterschiff "Ericsson 4". Die Taktik des Skippers Magnus Olsson, von der traditionellen Route durch das Südpolarmeer abzuweichen und stattdessen einen Schlag nach Nordosten zu wagen, scheint sich ausgezahlt zu haben. Er hatte damit einen gehörigen Vorsprung vor den anderen Schiffen herausgesegelt. Olsson übernahm das Schiff erst in Qingdao vom Ex-Skipper Anders Lewander, der vorerst aus dem Rennen ausschied, um sein verletztes Bein zu verarzten. Für Olsson ist es mit seinen 60 Jahren die sechste Rundung des Hoorns, aber noch immer fasziniert es ihn: "Jedes Mal, wenn du das Kap rundest, schlägt das Herz ein klein bisschen schneller." Gefeiert wurde die Hoorn-Rundung und der beständige Platz in der Führung mit einem Schluck "Captain Morgan Rum".
Crewmitglied Gustav Morin erklärte mögliche erneute Crewwechsel: "Weil unser Skipper Magnus so müde ist, skippert uns nun Captain Morgan nach Rio."

Bis dorthin liegen trotz der ausgelassenen Stimmungen an Bord der Schiffe noch immer gut 2.000 Meilen vor ihnen. Mark Chisnell, Berichterstatter des Volvo Ocean Race, kommentierte: "Das Rennen endet noch nicht am Kap Hoorn, und es liegt noch ein langer Sprint bis Rio vor den Schiffen. Auf 'Ericsson 4' gibt es einige Kameraden, die sehr hungrig darauf sind, diesen Etappensieg auf ihr Konto zu buchen."

Es bleibt also spannend, denn "Ericsson 4" liegt derzeit nur noch 44 Meilen zurück.

Die Punktewertung für das südliche "Scoring Gate" bei Kap Hoorn sieht wie folgt aus:

1: "Ericsson 3", 4 Punkte
2: "Ericsson 4", 3,5 Punkte
3: "Puma", 3 Punkte
4: "Green Dragon", 2,5 Punkte
5: "Telefonica Blue" hat immer noch gut 500 Meilen bis zum Kap vor sich.


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Themen: Kap HoornRioVolvo Ocean Race

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