Jules Verne Trophy
Jules Verne Trophy: Schach mit Mutter Natur

"Kingfisher 2" von Flaute, "Geronimo" von Sturm und Wellen stark gebremst

  • Mathias Müller
 • Publiziert am 07.02.2003

Kingfisher Challenge Warten auf Wind an Bord der "Kingfisher 2"

Unterschiedlicher könnte es zwei Crews nicht treffen: Während Ellen MacArthur in den Kalmen nach Wind sucht, muss Olivier de Kersauson südlich von Australien vom Gas gehen, um seinen Trimaran nicht zu gefährden.

Eigentlich wollte Ellen MacArthur mit ihrem 110-Fuß-Katamaran "Kingfisher 2" schon gestern Nachmittag den Äquator überqueren. Tatsächlich benötigte sie mit ihrer Crew jedoch noch die halbe Nacht, um die Wegmarke zu erreichen. Genau um 1.21 Uhr war es dann endlich so weit. Immerhin hatte die 26-Jährige zu diesem Zeitpunkt noch einen Vorsprung auf den Rekordhalter Bruno Peyron (benötigte mit "Orange, eben der heutigen "Kingfisher 2" 2002 64 Tage und 8 Stunden für die Weltumrundung) von etwas mehr als drei Stunden. Heute Morgen war dieses Polster jedoch schon wieder aufgebraucht. Derzeit liegt sie wieder einige Minuten hinter der Marschtabelle des Rekordhalters.

Noch schlimmer sieht der Speed von "Kingfisher 2" im Vergleich zum direkten Kontrahenten "Geronimo" aus. Einen ganzen Tag liegt die britische Ausnahmeseglerin bereits hinter dem von Olivier de Kersauson geskipperten 110-Fuß-Trimaran. Kein Wunder, musste die Kat-Crew von MacArthur in den letzten 24 Stunden doch gerade mal mit durchschnittlich 3 Knoten Wind auskommen. In der Hoffnung, dass eine vernünftige Brise bald zu Team Kingfisher zurückkehrt, schreibt Kevin McMeel in einer E-Mail von Bord: "Wir gleiten daher und halten die Luft an ? genau wie Mutter Natur. Wir versuchen, irgendwie unseren Weg aus den Kalmen herauszufinden. Es scheint, als spielen wir mit der Natur eine Partie Schach."

Kingfisher Challenge Mastcheck auf "Kingfisher 2"

Ganz andere Probleme hat Olivier de Kersauson derzeit südlich von Australien. Zwar hat der Franzose bisher alle Teilstrecken, gemessen von der Startlinie bei Ushant/Frankreich, in Rekordzeit abgesegelt, sodass er mittlerweile gute drei Tage vor dem Rekord seines Landsmanns Peyron liegt. Aber heftige Stürme und acht Meter hohe Wellen machen seiner 10-Mann-Crew das Leben schwer. So musste der Trimaran vor zwei Tagen schon den 50. südlichen Breitengrad verlassen. "Wir segeln so weit nördlich, dass wir bald Tasmanien sehen können", schrieb de Kersauson in einer seiner letzten Mails an seine Basis. Dies sei zwar vom touristischen Standpunkt aus sehr interessant, vom seglerischen her jedoch eher unpassend.

Derzeit ist die Crew an Bord von "Geronimo" froh, wenn sie sich mit zehn Knoten Fahrt durch das Meer kämpft. "Jedes Quäntchen mehr an Geschwindigkeit gefährdet unser Schiff und somit unser ganzes Projekt", so de Kersauson. Alle sechs Stunden wird deshalb das ganze Boot einem Check unterzogen, um sicher zu gehen, dass nicht irgendwo Wasser einströmt. "Dieses Boot ist so groß, dass wir drei Tage nach einem Schaden suchen müssten, wenn wir es nicht ohnehin regelmäßig täten", erklärt der Skipper seine strikten Vorsichtsmaßnahmen.

Auch für ihn sieht das bevor stehende Wetter, wenn auch komplett anders als für "Kingfisher 2", nicht gut aus. In den nächsten 72 Stunden lässt die Vorhersage nicht zu, dass er seinen Trimaran weiter nach Süden steuert. "Wir sind nur so gut wie unser Equipment", meint de Kersauson. Sobald es für "Geronimo" jedoch machbar erscheint, will der Franzose wieder deutlich tiefer segeln, um somit auch den zu segelnden Weg stark abzukürzen.


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Themen: Ellen MacArthurFlauteGeronimoKingfisher

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