Regatta-News
Joyon fast am Ziel

Nur Bruch kann den Franzosen noch vom neuen Einhandrekord rund um die Welt abhalten

  • Mathias Müller
 • Publiziert am 02.02.2004

Mer&Media Francis Joyon

Francis Joyon wird aller Voraussicht nach den bisherigen Rekord für die schnellste Einhandweltumrundung von Michel Desjoyeaux (93 Tage, 3 Stunden, 57 Minuten, 32 Sekunden) brechen.

Nur noch 780 Seemeilen war der 47-Jährige am Montag von der Ziellinie zwischen Ushant/Frankreich und Lizard Point/Großbritannien entfernt. "Ich werde es locker bis Dienstagmorgen schaffen", sagte Joyon bei seinem letzten Positionsreport zuversichtlich. Immer vorausgesetzt natürlich, sein 90 Fuß langer Trimaran "Idec" (ehemals "Sport Elec", mit dem Olivier de Kersauson 1994 in 71 Tagen einen Jules-Verne-Rekord aufstellte - allerdings mit kompletter Crew) erleidet nicht auf den letzten Metern Bruch. Immerhin: Seit rund einer Woche segelt Joyon mit einem kleinen Loch im Backbord-Schwimmer, der nach der letzten Halse gestern nun wieder ins Wasser eintaucht und laut Joyon rund 400 Liter aufgenommen hat.

"Ich werde in den nächsten 24 Stunden 35 bis 40 Knoten Wind bekommen. Alles, was ich tun muss, ist, mich mit ihm treiben zu lassen", sagte ein bekannt lässiger Joyon zu den letzten Wetterprognosen, bei denen mancher Segler Blut und Wasser schwitzen würde.

Mer&Media "Idec"

Respekt hat der Franzose jedoch vor Containerschiffen und deren Fracht, die leider allzu häufig ins Meer fällt. Joyon beschwert sich: "Es gibt eine Menge Dinge, die im Nordatlantik herumschwimmt. Vor allem Container, die in schwerem Wetter von den Schiffen gespült werden. Dies ist eine nicht zu unterschätzende Gefahr für Segler. Bei Tag ist die Gefahr zwar nicht zu hoch, wirklich entspannt segelt es sich jedoch nicht, wenn man sich inmitten der Frachtschiffe bewegt. Erst gestern bin ich nah an einem vorbeigesegelt. Ich habe ein Radarwarngerät an Bord, und der Frachter hatte sein Radar nicht eingeschaltet - unglaublich. Es scheint ein Trend zu sein, und es ist eine Schande: Diese Typen fahren unter Autopilot, und selbst wenn ihnen jemand begegnet, scheinen sie nicht in der Lage zu sein, ihr Schiff adäquat zu steuern."

Ein Umstand, der Joyon veranlasst, zumindest in der Nacht das Tempo deutlich zu verringern. Wozu auch zu viel Risiko eingehen - den alten Rekord wird er, wenn er ohne Havarie durchkommt, um fast 20 Tage unterbieten.


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Themen: EinhandFrancis JoyonWeltumsegelung

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