Regatta-News
Jetzt wird es ernst

Am Freitag startet für die Olympiasegler in Cadiz die wichtigste Regatta des Jahres

  • Carsten Kemmling
 • Publiziert am 09.09.2003

Wenn am Freitag die ISAF-Weltmeisterschaft vor Cadiz mit den ersten Qualifikationswettfahrten der Europe-Klasse beginnt, geht es für alle elf olympischen Disziplinen an einem Ort um WM-Titel und -Medaillen. "Für unseren Sport ein Riesenfortschritt und Gewinn", sagt nicht nur DSV-Sportdirektor Hans Sendes über die Kombinations-WM.

Auch die Aktiven begrüßen die Regattaserie im Großformat, die dem Segelsport mehr Öffentlichkeit und Medienakzeptanz verschaffen soll. Statt der üblichen neun Weltmeisterschaften für neun olympische Klassen (elf Disziplinen, weil das Mistral-Surfbrett und der 470er in Männer- und Frauen-Felder aufgeteilt sind) zu verschiedenen Zeiten an verschiedenen Orten gibt es in dieser Saison nur eine. Das verschafft Fans und Journalisten einen besseren Überblick und viele gute Gründe, dem Segelsport die gewünschte Aufmerksamkeit zu widmen.

Mehr als 1800 Segler und Seglerinnen aus über 50 Nationen werden diese Weltmeisterschaft des Internationalen Segler-Verbandes (ISAF) zur größten olympischen Regatta aller Zeiten machen. Gesegelt wird auf den drei Veranstaltungsrevieren von Puerto Sherry (Mistral Männer + Frauen, Yngling, Finn Dinghy, Europe, Star, Tornado, 49er), dem Club Nautico Alcano (Laser) und Puerto de Rota (470er Männer + Frauen).

Neben WM-Ehren geht es für viele Starter mit Blick auf die Olympischen Spiele in Athen 2004 vor allem auch um die Qualifikation der eigenen Nation oder gar des eigenen Teams für den nationalen Kader. Aus deutscher Sicht fehlen die Nationenqualifikationen in den Klassen Tornado, Star, Mistral Männer, Laser, 470er und 49er. DSV-Präsident Dierk Thomsen hofft, "dass möglichst viele Teams diese Länderhürde in Cadiz nehmen können".

Das erfolgreichste Land der WM wird erneut mit dem IOC President’s Cup ausgezeichnet, den zuletzt Australien bei der kombinierten WM vor den Olympischen Spielen in Sydney 2000 gewinnen konnte. Die deutschen Hoffnungen ruhen vor allem auf den 33 Olympia- und Perspektiv-Kadermitgliedern, die vor Cadiz auf Medaillenjagd gehen wollen.

Darunter die amtierenden 49er-Europameister Marcus Baur (Kiel)/Max Groy (Fleckeby), die Silbermedaillen-Gewinnerin der Olympischen Spiele von Syndey, Mistral-Surferin Amelie Lux (Kiel), die Starboot-Shooting-Stars Marc Pickel (Kiel)/Tony Kolb (Bremen), die 470er-Vize-Europameister Lucas Zellmer/Felix Krabbe (Berlin), die beiden international erfolgreichen Yngling-Crews von Ulrike Schümann (Berlin) und Kristin Wagner (München) sowie die Europe-Konkurrentinnen Petra Niemann (Berlin) und Christiane Petzke (Enkhuizen). Sie alle peilen eine Medaille an.

Die 25-jährige Christiane Petzke bläst zum Angriff: "Hohe Ziele sind gesteckt: Nach dem 4. Platz bei der EM werde ich einen Treppchenplatz in Angriff nehmen. Sollte es weniger optimal laufen, sind die Top Ten die definitive Vorgabe!" Auch Marcus Baur will nach EM-Gold eine weitere Medaille: "Klar wollen wir aufs Treppchen. Im Gegensatz zur olympischen Testregatta ist die Medaille bei der WM klar gestecktes Ziel."

Dierk Thomsen, der seine Mannschaft in der kommenden Woche in Cadiz fünf Tage besuchen wird, sagt: "Ich glaube, dass ein Teil unserer Leute, die in Athen waren, durchaus realisiert haben, dass es sich dort um einen Reviertest handelte. Der wahre Druck kommt jetzt in Cadiz. Ich sehe das ganz positiv. Die WM wird von den Aktiven wesentlich ernster genommen. Bei der internationalen Leistungsdichte sind jedoch alle Überraschungen möglich, positive und negative."

DER ZEITPLAN

Für jede Disziplin gibt es bei der ISAF-Weltmeisterschaft 2003 einen eigenen Zeitplan. So erklären sich Differenzen in der Berichterstattung. Hier zum Überblick die geplanten Renntage nach Klassen:

Europe: 12.—18. September
Yngling: 14.—20. September
Mistral Männer/Frauen: 15.—21. September
Star: 15.—21. September
Finn Dinghy: 17.—23. September
Laser: 18.—24. September
Tornado: 18.—24. September
49er: 18.—24. September
470er Männer/Frauen: 18.—24. September

Der 25. und der 26. September sind noch als Reservetage vorgesehen. Ebenso die Tage im Anschluss an das Programm jener Klassen, die zu WM-Beginn starten.

DIE NATIONENQUALIFIKATION

Folgender Schlüssel gilt bei der ISAF-Weltmeisterschaft 2003 für die einzelnen Klassen bezüglich der Nationenqualifikation für die Olympischen Spiele in Athen (wir führen nur jene Klassen auf, die diese Länderhürde aus deutscher Sicht noch zu nehmen haben; eine weitere und letzte Chance gibt es dann bei den Klassen-WMs im kommenden Jahr 2004):

TORNADO, Top 7 (rausgerechnet werden jene Länder, die schon qualifiziert sind). Bereits qualifiziert: AUS, FRA, AUT, ARG, SWE.

STAR, Top 7 ( s. o.). Bereits qualifiziert: GBR, BRA, FRA, USA, BER.

MISTRAL MÄNNER, Top 15 (s. o.). Bereits qualifiziert: ISR, BRA, FRA, GBR, ARG, POR, NZL, POL, UKR, ESP, HUN, NED.

LASER, Top 17 (s. o.). Bereits qualifiziert: BRA, SWE, GBR, ITA, AUS, RSA, BEL, FIN, CAN, CRO, ESP, AUS, SLO, TUR.

470ER M, Top 13 (s. o.). Bereits qualifiziert: NZL, ESP, ISR, AUS, USA, POR, GBR, ITA, JPN, ARG.

49ER, Top 8 (s. o.). Bereits qualifiziert: ESP, GBR, UKR, ITA, DEN, NED.

DSV-OLYMPIA- UND PERSPEKTIV-KADER IN CADIZ

Hier im Überblick alle in Cadiz startenden Mitglieder des aktuellen DSV-Olympia- und Perspektivkaders. (Der neue Olympiakader wird während der Internationalen Deutschen Meisterschaft aller elf olympischen Disziplinen am ersten Oktober-Wochenende in Flensburg vorgestellt und berücksichtigt die WM-Ergebnisse):

Europe: Petra Niemann (Berlin/Verein Seglerhaus am Wannsee), Christiane Petzke (Enkhuizen/SC Neumünster), Doris Wetzel (Beindersheim/Norddeutscher Regatta Verein).

Yngling: Ulrike Schümann (Berlin/Verein Seglerhaus am Wannsee)/Wibke Bülle (Berlin/Yacht-Club Berlin-Grünau)/Winnie Lippert (Berlin/Verein Seglerhaus am Wannsee), Kristin Wagner (Feldafing/Dt. Touring Yacht-Club)/Anna Höll (München/Herrschinger SC)/Veronika Lochbrunner (Lindau/Lindauer Seglerclub), Nadine Stegenwalner (Berlin/Verein Seglerhaus am Wannsee)/Anne Koschinsky (Berlin/Verein Seglerhaus am Wannsee)/Nina Grunow (Hamburg/Berliner Yacht-Club).

Mistral M: Alexander Baronjan (Berlin/Yacht-Club Berlin-Grünau).

Mistral F: Amelie Lux (Kiel/Zwischenahner Segel-Club), Romy Kinzl (Berlin/Yacht-Club Berlin-Grünau).

Star: Marc Pickel (Kiel/Kieler Yacht-Club)/Tony Kolb (Bremen/Kieler Yacht-Club), Michael Koch (Bremerhaven/Norddeutscher Regatta Verein)/Markus Koy (Hamburg/Norddeutscher Regatta Verein).

Finn Dinghy: Michael Fellmann (Sulzberg/Bayerischer Yacht-Club).

Tornado: Andrew Landenberger (Titisee/Norddt. Regatta Verein)/Johannes Polgar (Kiel/Norddt. Regatta Verein), Helge & Christian Sach (Zarnekau/Potsdamer Yacht-Club).

49er: Marcus Baur (Kiel/Kieler Yacht-Club)/Max Groy (Fleckeby/Norddt. Regatta Verein), Moritz Deml (Bonn/SC Westerwald)/Markus Steeg (Budenheim/SC Rheingau).

470er Männer: Lucas Zellmer (Berlin/Spandauer Yacht-Club)/Felix Krabbe (Tegeler Segelclub).

470 Frauen: Stefanie Rothweiler (Immenstaad/Württembergischer Yacht-Club)/Monika Leu (Berlin/Württembergischer Yacht-Club), Vivien Kussatz (Berlin/Spandauer Yacht-Club)/Alina Grobe (Berlin/Potsdamer Yacht-Club/derzeit nicht im Kader).

Über die Olympia- und Perspektivkadersegler hinaus sind weitere 50 deutsche Segler und Seglerinnen vor Cadiz im Einsatz.


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Themen: CadizRegatta

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