Mini-Transat
Im Ziel: Andreas Lindlahr in Brasilien

Als 23. von 49 Serienboot-Startern erreichte der Hamburger nach 29 Tagen auf See als bester Deutscher die Ziellinie

  • Johannes Erdmann
 • Publiziert am 26.10.2009

Pierre Garenne transat650.org Erschöpft, aber glücklich: Andreas Lindlahr mit Frau und Tochter im Ziel

"Ich will kein Norbert Sedlacek des Mini-Transats werden", sagte er noch vor seiner Abfahrt in Frankreich. Es ist ihm gelungen: Im Mittelfeld der Serienboote lief er gestern in den Zielhafen ein.

„Ein frisches Bier und ein weiches Bett“, waren seine ersten Wünsche, als er von seiner Frau und Tochter sowie Vertretern seines Sponsors Critical Care Europe an Land empfangen wurde. Der Fotograf kam als bester deutscher Teilnehmer der größten Einhand-Regatta Mini-Transat 6,50 ins Ziel. Insgesamt belegte er nach 4.200 Seemeilen (7.778 Kilometer) Rang 23 von 49 Teilnehmern, die am 13. September mit ihren Serienyachten in La Rochelle/ Frankreich gestartet waren.

Hinter dem Segler liegen entbehrungsreiche und einsame Wochen. "Viel Amwind-Kurse und mieses Wetter für 50 Prozent der Reise", fasste Lindlahr die Überfahrt zusammen. Viel Wind, viel Regen — nur umschlossen von seiner „Umpalumpa“, wie Lindlahrs Tochter die Pogo 2 nach Figuren aus dem Film „Charlie und die Schokoladenfabrik“ benannt hatte. „Das Boot hat hervorragende Segeleigenschaften und ist ein sicherer Racer“, so Lindlahr. „Der Name des Bootstyps ist Programm: Der Pogo tanzte auf den Wellen den gleichnamigen Punk-Tanz und hat allen Herausforderungen standgehalten. "Komfort ist auf dem Hightech-Boot allerdings ein Fremdwort." Auf einer Strecke, die etwa der Entfernung Hamburg—Peking entspricht, verzichtete Lindlahr auf Bett, Dusche, Toilette und Entertainment. Einzige Unterhaltung für ihn waren Wellen, Sonnenauf- und -untergänge und das Wechselspiel der Wolken.

Zum Ende hin wurde es dann sogar noch mal sehr spannend: Kurz vor der Ziellinie gelang es dem Holländer Jacobson, 200 Meter vor Lindlahr ins Ziel zu segeln. "Aber ich vergebe ihm", sagte der Deutsche lächelnd.

Mit der Teilnahme an der Einhandregatta erfüllte sich der 49-jährige Segler gleich mehrere Träume: Einmal allein über den Atlantik zu segeln, zu beweisen, dass er mit internationaler und hochrangiger Konkurrenz mithalten kann und mit fast 50 Jahren noch einmal etwas völlig Verrücktes zu machen.

„Ich bin meiner Frau und meiner Tochter unendlich dankbar, dass sie mir dieses Abenteuer ermöglicht haben. Es wird nicht die letzte Regatta meines Lebens gewesen sein, aber die letzte mit einem derartig hohen Risiko“, sagt Andreas Lindlahr, der in den fünfeinhalb Wochen seit dem Start zehn Kilogramm abgenommen hat. Am 1. November wird er in Hamburg landen und von seinen Weggefährten, Freunden und seiner Familie empfangen. Sein Pogo wird den Rückweg indes per Frachter antreten.

Der zweite deutsche Teilnehmer, Norbert Maibaum, liegt mit seiner "Coconut Run" zurzeit noch 340 Meilen zurück und wird erst in etwa zwei Tagen im Ziel erwartet.


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Themen: 2009AtlantiküberquerungLindlahrMaibaumMini-Transat

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