Regatta-News
Illbrucks triumphale Fahrt über die Kieler Förde

YACHT-Leser in erster Reihe dabei

  • Andreas Fritsch
  • Ben Andersch
 • Publiziert am 10.06.2002

R. Tomlinson Die "illbruck" bei ihrer Triumphfahrt

Illbrucks triumphale Fahrt über die Kieler Förde

6 Bilder

Illbrucks triumphale Fahrt über die Kieler Förde

Es war einfach überwältigend, anders lässt es sich nicht beschreiben. Die letzten Meilen, die die Illbruck auf dem Weg zum Gesamtsieg des Volvo Ocean Race bei leichtem Wind zu segeln hatte, glichen einem Triumphzug.

Jeder, der irgendwie noch ein Schlauchboot mit Außenborder hatte auftreiben können, war auf dem Wasser. Kaum ein Boot, das nicht hoffnungslos überbesetzt war. Es waren bis zum Ziel Hunderte von Booten aller Art unterwegs.

Trillerpfeifen, Nebelhörner, Hupen, Pfiffe, Jubelrufe, lautes Tuten von den größeren Begleitbooten und immer wieder La Ola (eine Gruppe von kleinen Schlauchbooten hatte sich tatsächlich dazu formiert) entlockten der Besatzung doch immer wieder ein Lachen und Winken.

Weit vor dem Kieler Leuchtturm stieß die YACHT-Crew mit einem Motorkat zu den sich dort schon formierenden Zuschauerbooten, um Yacht und Mannschaft in Empfang zu nehmen. Mit an Bord waren auch die Gewinner unseres Preisausschreibens Dominik Winter (12 Jahre) mit seinem Vater und Dr. med Henrich Malz, die sich wochenlang auf dieses segelhistorische Großereignis gefreut hatten. Für alle drei wurde es ein unvergessliches Erlebnis.

Wir alle sahen das Ende einer großartigen Regatta und einer herausragenden Leistung der "illbruck"-Crew. Wir waren die ganze Zeit so nah an Schiff und Crew, dass wir ihre Gesichter sehen und fast ihre Worte verstehen konnten.Was mag in ihnen vorgegangen sein im Moment des Sieges und angesichts des unerwartet grandiosen Empfangs? Emotionen, Erinnerungen, Ruhe, innere Zufriedenheit? Jedenfalls war das auch für uns an Bord ein ganz besonderer Augenblick.

Je näher das Ziel kam, umso lauter, spannender und enger wurde es. Der Himmel voller knatternder Hubschrauber, ein letzter Schlenker um den Leuchtturm von Möltenort. Kurz zuvor näherte sich auch das Boot mit den Familien der "illbruck"-Crew. Und da waren sie für einen Moment doch nicht mehr zu halten. Dann endlich, nach einer fast zweistündigen Jubelfahrt, der Moment, für den das gesamte illbruck-Team mehrere Jahre gearbeitet hatte.

Großer Bahnhof an Land und auf See
Direkt vor der Blücherbrücke kreuzte Illbruck um 18.17 Uhr die Ziellinie - mit Feuerwerksbegleitung und unter frenetischem Jubelkonzert aus den Zuschauerbooten und natürlich dem Jubel der Mannschaft. Symbolisch für das Ende des Volvo Ocean Race fiel der weiße Gennaker beim Überqueren der Linie langsam ein.

Mit viel Glück gelang es, Dominik Winter während der Pressekonferenz an Bord der "illbruck" zu bringen und ein Autogramm von Skipper John Kostecki zu bekommen. Nicht nur unser 12-jähriger Gewinner war überwältigt von den Ereignissen. Trimmer und Segelprogrammchef der "illbruck" Ross "Rosco" Halcrow nach dem Zieldurchgang: "Ich habe schon den America's Cup gewonnen, und da war der Jubel groß. Aber das hier hat alles geschlagen."

Wir bedanken uns an dieser Stelle bei Siegfried Traub. Der Händler für Segel- und Motorkatamarane von der Bénéteau-Tochter Lagoon hatte uns einen Lagoon Power 43 ( www.traub-yachting.de ) zur Verfügung gestellt, auf dem die Gewinner unseres Preisausschreibens das Ende des Volvo Ocean Race 2001/2002 verfolgen konnten. Ein weiterer Dank geht an die Firma Steiner ( www.steiner.de ), die den Gewinnern zwei Ferngläser überreichte.

Verärgerte Fans an Land
An Land hatten Hunderttausende Zuschauer im Dauerregen ausgeharrt, um die Ankunft der "Illbruck"-Crew mitzuerleben und gebührend zu feiern. Die Geduld der Fans zeigt, wie groß das Interesse am Segelsport in Deutschland wirklich ist, denn die Organisatoren des Events machten es dem Publikum nicht gerade leicht.

Die Massen auf der Kiellinie konnten die Fortschritte der Boote während der letzten, entscheidenden Etappe praktisch nicht verfolgen. Die für so eine Veranstaltung winzige Videoleinwand war für die meisten Besucher schlecht einsehbar, und es wurden bis kurz vor dem Zieldurchgang keinerlei Live-Bilder aus dem Hubschrauber oder von See gezeigt. Weder vom Start in Göteborg noch von der gesamten Etappe bis nach Kiel.

Keinerlei Karten oder Animationen verdeutlichten den jeweiligen Stand des Rennens. Der Kommentar des Sprechers war so leise, dass ihn jede Bierbude mit ihren Radiorecordern übertönte. Über den Stand des Race und die jeweils aktualisierte Ankunftszeit informierte nur eine Schautafel, die im Menschengewühl unterging. Dies sollte einer Stadt nicht genügen, die sich für die olympischen Segelwettbewerbe 2012 bewerben will.Für so manchen Segelfan kam der Zieleinlauf der "Djuice" deswegen mehr oder weniger überraschend. Plötzlich gingen die Norweger über die Ziellinie und lagen schon wenig später im Hafenbecken hinter der Haupttribüne. Mit "Illbruck" war es nicht viel anders. Wer keinen der teuren und raren Tribünenplätze hatte, bekam vom Zieleinlauf wenig mit und sah den grünen Volvo 60 nur noch auf den Liegeplatz gleiten, wo die Familien, Sponsoren und Medienteams sofort das Boot umlagerten.

Entsprechend hoch ist den Segelfans anzurechnen, dass selbst bis zum Einlauf des letzten Bootes die Pier noch immer gerammelt voll war und Beifall und Jubel den Crews einen würdigen Schlusspunkt unter das härteste Offshore-Rennen setzten.

© Rick Tomlinson

© Paul Todd / Outside Images NZ


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