Nord Stream Race
Hochspannung vor finalem Showdown

Das Team Holland konnte die zweite Offshore-Etappe des Nord Stream Race gewinnen, doch das Rennen um 100.000 € Preisgeld ist absolut offen

  • Bendix Hügelmann
 • Publiziert am 24.10.2012

onEdition Das siegreiche Team Holland nach der Ankunft in Visby. Die Holländer übernahmen zudem die Gesamtführung

Eine Minute und 46 Sekunden. Mit einem buchstäblichen Hauch von Vorsprung konnte sich das Team Holland am gestrigen Abend gegen das von Tim Kröger geführte Team Europe durchsetzen und die zweite Etappe des Nord Stream Race von Helsinki nach Visby gewinnen. Erst eine Viertelstunde später waren die Russen als Dritte im Ziel.

Hochspannung bis zum Schluss

"Das war ein richtig spannendes Rennen", freute sich Tim Kröger am nächsten Morgen. Nachdem die Europäer vom Start vor Helsinki schlecht wegkamen, orientierte sich die Crew taktisch zunächst konsequent zur estnischen Küste nach Süden: "Das Wetter war in unseren Augen eindeutig. Der Wind sollte langfristig drehen, und unser Routing schlug einen südlichen Kurs vor, den wir verfolgten."

Team Europe brach nach Süden aus und setzte sich vor das Feld, konnte jedoch den Speed der weiter nördlich segelnden Holländer nicht halten. Zur Halbzeit der 260 Seemeilen langen Etappe lagen drei Yachten gleichauf: Team Europe und Team Russia in gröberer Nähe der Rhumbline. Luvwärtig von Europäern und Russen die Holländer.

onEdition Spirit of Europe. Das von Tim Kröger geführte Boot liegt mit 1,5 Punkten Rückstand auf Rang zwei

Während der Wind immer weiter auf den Kopf drehte, zeichnete sich ab, dass das nördlicher liegende Team Holland sich besser positioniert hatte. "Auf einem immer spitzer werdenden Reach-Kurs segelten wir im Grenzbereich zwischen dem fraktionalen A5 und der J4," beschreibt Kröger die Situation. Die Holländer mussten weniger kneifen, kamen mit Speed aus Luv und setzen sich unmittelbar vor dem Ziel vor die Europäer. Erst zwei Stunden später folgten Team Germany und Team France auf den Plätzen vier und fünf.

Navigatorischer Fauxpas bei Team Germany

"Unsere Strategie ist überhaupt nicht aufgegangen", sagte Thomas Jungblut, Skipper des deutschen Bootes. Beim Versuch, nördlich des Feldes als erstes Boot den frischen Wind zu bekommen, blieben die Mannen von Team Germany mehr als unglücklich in einer Transition-Zone kleben: "Die andern fuhren konstant zehn Knoten, und wir hatten über eine Stunde lang überhaupt keine Fahrt im Schiff", so Jungblut weiter.

Nachdem bereits das erste Offshore-Leg materialbedingt für die Deutschen ausgefallen war, lag großer Druck auf dem eingeschworenen 16-Mann-Team, das in seinem Kern schon seit vielen Jahren zusammen segelt. "Wir hatten einen sehr guten Start, konnten früh die Führung übernehmen, aber nach dem navigatorischen Griff daneben war die Etappe für uns gelaufen", folgerte Jungblut.

Die Stimmung im deutschen Lager ist jedoch trotzdem gut. Die Etappe sei gestern crewintern schnell aufgearbeitet und durchgesprochen worden, und auch wenn im Gesamtergebnis für Team Germany rechnerisch nichts mehr zu holen ist, geht die Crew zuversichtlich in die letzte Etappe von Visby nach Greifswald, die morgen Vormittag startet. Es sind Schneefall und Winde zwischen 30 und 40 Knoten vorhergesagt.

Entscheidung auf den letzten Meilen

Für das von Tim Kröger geführt Team Europe hingegen geht es in der letzten Etappe ums Ganze. Mit zwei zweiten Plätzen in der Offshore-Wertung liegt die gemischt-europäische Crew nur 1,5 Punkte hinter den in der Gesamtwertung führenden Holländern. Für die dritte Etappe werden an die siegreiche Crew 15 Punkte vergeben, jede darauf folgende Mannschaft erhält jeweils drei Punkte weniger. Das Rennen ist somit zwischen Team Russia, Team Holland und Team Europe völlig offen. Wer den Sprint nach Greifswald gewinnt, entscheidet die Gesamtwertung für sich und bekommt die 100.000 Euro Preisgeld.

Impressionen vom Bordalltag auf "Spirit of Europe" - Der Steuermann hat alle Hände voll zu tun, den 20 Tonnen Swan die Wellen runter zu drücken. Vollgas!


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Themen: Nord Stream RaceOffshoreThomas JungblutTim Kröger

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