Weltrekordversuch
Herrmann trainiert mit "Maserati"

Der Profisegler berichtet von den ersten Testfahrten mit der italienischen "Maserati" und von den Vorbereitungen zum Rekordversuch

  • Nils Günter
 • Publiziert am 07.12.2011

Boris Herrmann Boris Herrmann und Giovanni Soldini an Hermanns Arbeitsplatz, der Navigation der "Maserati"

Gleich drei Bestmarken will der italienische Segelstar Giovanni Soldini mit seiner „Maserati“ in Angriff nehmen, darunter die prestigeträchtige Strecke von New York bis Lizard Point in England. Mit an Bord ist der deutsche Hochsee-Profi Boris Herrmann, den Soldini als Navigator anheuerte. Wie Herrmann YACHT online berichtete, sind mittlerweile die ersten Trainingsschläge auf der „Maserati“ absolviert. „Wir waren froh, dass beim letzten Törn von La Spezia nach Barcelona und zurück alles glatt lief, nachdem die ersten Testfahrten doch noch etwas ruckelig waren. Die Manöver liefen da noch nicht rund“, so der 30-jährige.

Boris Herrmann Optimierter Renner: Noch liegt der VO-70-Racer "Maserati" in seinem Heimathafen La Spezia

Die „Maserati“, einst als „Ericsson 3“ im Volvo Ocean Race unterwegs, wurde eigens für die schnellste Atlantiküberquerung feingetunt. Insgesamt ist der VO-70-Racer zehn Prozent leichter geworden. „Achtern sind jetzt zwei Ballasttanks eingebaut, die je bis zu zwei Tonnen Wasser fassen können. Dadurch erhöhen wir das aufrichtende Moment. Bei unserem Testschlag nach Barcelona hatten wir allerdings eher moderate Windbedingungen und konnten noch nicht richtig mit dem Ballast experimentieren. Das wird erst ab 25 Knoten Wind interessant.“ Dennoch lief die „Maserati“ über 24 Stunden eine Durchschnittsgeschwindigkeit von 16,7 Knoten, Topspeed waren 26 Knoten. Damit sind die Mannen um Soldini und Herrmann zufrieden.

Giovanni Soldini Erste Trainingsschläge auf dem Mittelmeer verliefen zufriedenstellend

Giovanni Soldini Die ehemalige "Ericsson 3" erhielt als "Maserati" eine längere Kielfinne und große Ballasttanks im Heck

„Das Schiff ist auch bei hohen Geschwindigkeiten sehr gut zu kontrollieren, und man kann es richtig pushen“, erklärt Herrmann. Zu Weihnachten bekommt der 70-Fußer noch eine verlängerte Kielfinne. Mit diesen Modifikationen sollen dann sowohl der 24-Stunden-Rekord für Einrumpfer als auch die Bestmarke für die Transatlantikpassage kassiert werden. Für Boris Herrmann, der sonst eher zu zweit oder allein segelt, ist der Rekordversuch mit einer acht Mann starken Besatzung etwas Neues. „Ich kann mal über den Tellerrand gucken“, erzählt der gebürtige Oldenburger. „Das Segeln mit einer großen Crew hat auch seine Vorteile: Man fühlt sich geborgen und hat immer Rückendeckung. Beim Halsen des Spinnakers bist du auf einem Imoca-Open-60 zu zweit, wir aber sind jetzt zu acht, obwohl die Segel bei beiden Schiffen gleich groß sind. Die Manöver sind geplanter und leichter durchzuführen.“

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Mit Herrmann werden noch ein Amerikaner, ein Spanier und fünf Italiener zum Rekordversuch aufbrechen. „Die verschiedenen Kulturen sind eine echte Stärke innerhalb der Crew. Außerdem sind das alles erfahrene Segler aus dem America's Cup, dem Volvo Ocean Race oder dem Medcup. Mich bringt diese Erfahrung ein ganzes Stück weiter. Wir beobachten uns gegenseitig, wer was wie macht. Und wir besprechen uns untereinander, denn einige Dinge würden wir Short-Handed-Segler anders machen als die VOR-Segler.“

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Ab dem 18. Januar 2012 soll die „Maserati“ auf Stand-by im spanischen Cádiz liegen. Sobald sich ein passendes Wetterfenster ergibt, geht es über den Atlantik auf die Bahamas. Herrmann ist als Navigator vor allem für das Wetterrouting verantwortlich. Zurzeit bespricht er seine Modelle mit mehreren Meteorologen. Die Passage von New York nach England ist besonders im Hinblick auf die Eisgefahr heikel. Schon Ende April kann die einsetzende Eisdrift das Vorhaben scheitern lassen. Je früher sich die „Maserati“ auf den Weg macht, desto besser. Doch Herrmann weiß auch: „Rekorde sind kein einfaches Geschäft. Wir brauchen eine Menge Glück, um die passende Wetterlage zu erwischen.“


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Themen: Boris HerrmannGiovanni SoldiniLizard PointMaseratiRekordversuchTransatlantikVO70Weltrekord

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