Regatta-News
Hagen/Wolfram lösen Olympia-Ticket

Pickel/Borkowski nur 36. im finalen Schwachwindrennen, 18. der Gesamtwertung

  • YACHT Online
 • Publiziert am 03.05.2004

F. Taccola

Der deutsche Starboot-Startplatz für die Olympischen Spiele in Athen ist gesichert. Marc Pickel (Kiel) und Ingo Borkowski (Potsdam) ersegelten mit Platz 18 bei der Starboot-Weltmeisterschaft vor Gaeta (Italien) den letzten der vier noch freien Startplätze, die bei diesen Titelkämpfen vergeben wurden. Trotzdem reichte es für das Duo nicht zur eigenen Olympia-Chance, denn mit dem 18. Platz wurde die von NOK und DSB vorgegebene Norm (Top 12) um sechs Plätze verfehlt.

Bittere Pille für die Starbootsegler Marc Aurel Pickel und Ingo Borkowski aus Kiel und Potsdam: Im Finale der Weltmeisterschaften in Gaeta/Italien haben sie für den Deutschen Segler-Verband (DSV) zwar das letzte verbliebene Nationenticket für die Olympischen Spiele in Athen gelöst, selbst aber die NOK/DSB-Kriterien für eine Nominierung nicht erfüllt. Im letzten Rennen wurden sie nur 36. und landeten im Endklassement auf Rang 18. Zwölfte hätten sie werden müssen, um in der Olympiaausscheidung zu bleiben. Nun dürften der Hamburger EM-Vierte Alexander Hagen und sein Vorschoter Jochen Wolfram aus Damme nach Griechenland fahren, die 22. wurden.

Hagen/Wolfram bleibt eine Fortsetzung der nationalen Ausscheidung erspart, weil keine andere deutsche Crew die NOK-/DSB-Norm erfüllt hat. "Wir sind sehr glücklich darüber, die Fahrkarte nach Athen gelöst zu haben", sagte der 49jährige Hagen, "wer ans Glück glaubt, der hat es eben manchmal auch."

Erleichtert über die gesicherte Nationenqualifikation äußerte sich DSV-Präsident und Starboot-Segler Dierk Thomsen (Kiel): "Wir hätten uns ja bis wer weiß wohin blamiert, wenn wir das nicht geschafft hätten. Meine Anerkennung dafür an Marc Pickel und Ingo Borkowski." Tatsächlich gab es seit der olympischen Starboot-Premiere 1932 keine olympische Starboot-Regatta ohne deutsche Beteiligung. Über den erfahrenen Steuermann Alexander Hagen sagte Thomsen: "Der ist ein echter Tüftler und könnte durchaus zu großer Form auflaufen, wenn er für Athen nominiert wird." Hagen/Wolfram haben sich als einziges deutsches Team zwar für die Olympischen Sommerspiele 2004 qualifiziert, müssen aber im Juni noch - wie alle anderen qualifizierten Mannschaften - offiziell vom Olympia-Segelausschuss des DSV vorgeschlagen, vom DSV-Präsidium bestätigt und vom NOK nominiert werden.

Enttäuscht und niedergeschlagen traten Pickel und Borkowski nach einer WM mit vielen Höhen und Tiefen die Heimreise an. „Der zweite Ausrutscher zum Schluss war halt einer zuviel“, versuchte der Vorschoter sachlich zu erklären, warum es am Ende doch nicht gereicht hatte, nachdem sie vor dem Finaltag sogar auf dem elften Rang gelegen hatten. Platz 15 hätten sie im Nachhinein erreichen müssen, um Zwölfter zu werden und im Rennen um Olympia zu bleiben. Sehr schwache, wechselnde Winde kaum über Stärke zwei sorgten am Sonntag (2. Mai) für eine schwierige Wettfahrt, die ausgerechnet die Hamburger Michael Koch/Markus Koy gewannen, die aber durch einen 27. Platz ebenfalls den angepeilten Olympiastart klar verpassten.

„Wir sind mehr getrieben, als gesegelt. Und die anderen sind heute besser getrieben als wir“, ergänzte Borkowski. Noch schlechter waren die Neuseeländer Rohan Lord/Andrew Taylor (41.), die dadurch die Nationenfahrkarte an Deutschland verloren. Davon profitieren nun Hagen/Wolfram als lachende Dritte im deutschen Team. Borkowski: „Sie haben uns ein einziges Mal geschlagen, und das war bei der Euro.“ Nur zu gerne hätte er die nationale Ausscheidung bei der Spa-Regatta im niederländischen Medemblik fortgesetzt und versucht, den Rückstand von sechs Punkten umzudrehen.

Stattdessen wird der 32-Jährige als Jurist zurück in den Brandenburger Landtag gehen, den der Silbermedaillengewinner 2000 im Soling von Jochen Schümann und Gunnar Bahr erst Anfang des Jahres verlassen hatte, um mit Marc Pickel eine Olympiakampagne zu fahren. „Das Zeug zur Qualifikation haben wir gehabt, doch es fehlte auch das nötige Quäntchen Glück. Jetzt müssen wir den Schock erst mal verdauen“, meinte das Duo unisono. Vielleicht werde es die Kieler Woche nochmals zusammen segeln, obwohl der Urlaub des Vorschoters aufgebraucht ist. Neue Weltmeister wurden die schwedischen Europameister Frederik Lööf/Anders Ekström vor den Schweizern Flavio Marazzi/Enrico de Maria.

Endstand nach sechs Wettfahrten:
1. Frederik Lööf/Anders Ekström (Schweden) 23 Punkte;
2. Marazzi/de Maria 32;
3. Iain Percy/Steve Mitchell (Großbritannien) 38;
4. Mark Neelemann/Peter van Niekerk (Niederlande) 42;
5. Cayard/Trinter 42;
6. Peter Bromby/Lee White (Bermudas) 45; …
18. Pickel/Borkowski 82; …
22. Hagen/Wolfram 92; …
27. Koch/Koy 106.


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